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Swiss Observer

Aktivistinnen und Aktivisten der Swiss Mad Pride fordern ein Ende der Stigmatisierung psychischer Erkrankungen

Mehrere Hundert Menschen versammelten sich vor dem Schweizer Parlament zur vierten Mad Pride des Landes. Sie forderten mehr Akzeptanz und Inklusion für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Die Organisierenden nutzten einen pinkfarbenen Teppich, um Stigmatisierung entgegenzutreten und Sichtbarkeit zu fördern.

Aktivistinnen und Aktivisten der Swiss Mad Pride fordern ein Ende der Stigmatisierung psychischer Erkrankungen
AISWI swissinfo.ch

Am Samstag füllten mehrere Hundert Menschen den Berner Bundesplatz anlässlich der vierten Swiss Mad Pride und brachten eine öffentliche Kampagne gegen die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen bis vor die Tore des Schweizer Parlaments. Teilnehmende, Unterstützende und Vertretende von Organisationen aus der Gemeinschaft versammelten sich, um Sichtbarkeit, Akzeptanz und Inklusion für Menschen mit psychischen Erkrankungen zu fördern.

Ein 50 Meter langer pinkfarbener Teppich bildete den Mittelpunkt der Veranstaltung. Die Organisierenden forderten die Menschen auf, «mit Würde und Stolz» über den Teppich zu gehen. So wurde ein vertrauter öffentlicher Ort zu einer Plattform für Erfahrungen, die oft privat bleiben. In diesem Jahr gab es keinen Umzug. Der Teppich bildete den visuellen Schwerpunkt der Veranstaltung und bot den Teilnehmenden eine direkte Möglichkeit, sichtbar zu werden.

Ein Transparent brachte eine einfache Forderung zum Ausdruck: «Alltägliche Inklusion statt Stigmatisierung.» Die Botschaft widerspiegelte den Schwerpunkt der Kampagne auf die alltägliche gesellschaftliche Teilhabe, von Arbeitsplätzen und Schulen bis hin zu Gesundheitsversorgung und öffentlichem Leben. Rund 20 Organisationen hatten an der Veranstaltung Stände aufgebaut und schufen damit Raum für Informationen, Gespräche und Unterstützung.

Mad Pride gibt Menschen mit psychischen Erkrankungen eine gemeinsame Präsenz in einem Land, in dem diese Erkrankungen laut den Organisierenden zu den häufigsten Gesundheitsproblemen zählen. Die Veranstaltung in Bern verband diese Aussage mit einer sichtbaren öffentlichen Aktion vor der Kulisse des Bundesviertels.

Über den pinkfarbenen Teppich gehen

Der pinkfarbene Teppich bot der Kampagne eine gemeinsame öffentliche Bühne, ohne auf einen traditionellen Umzug zu setzen. Die Organisierenden beschrieben den Gang über den Teppich als Einladung, Sichtbarkeit und Würde einzufordern. So konnten die Teilnehmenden in ihrem eigenen Tempo und nach ihren eigenen Vorstellungen mitmachen.

Diese Entscheidung ist für eine Bewegung wichtig, die sich mit Erfahrungen befasst, die oft missverstanden oder verborgen werden. Psychische Erkrankungen können Menschen in allen Schweizer Gemeinschaften betreffen. Stigmatisierung kann jedoch beeinflussen, wie Menschen über ihr Leben sprechen, Hilfe suchen oder von anderen behandelt werden. Mad Pride setzt auf öffentliche Sichtbarkeit, um Vorurteilen entgegenzutreten und Gespräche über psychische Gesundheit alltäglicher zu machen.

Die Veranstaltung in Bern brachte auch persönliche Erfahrungen mit konkreter Unterstützung zusammen. Mit rund 20 vertretenen Organisationen konnten Besucherinnen und Besucher Gruppen kennenlernen, die sich in den Bereichen Interessenvertretung, Information und gemeinschaftliche Betreuung engagieren. Die Quelle nennt die Organisationen nicht einzeln, doch ihre Präsenz zeigte die Breite des Netzwerks hinter der Kampagne.

Der Slogan der Organisierenden, «Alltägliche Inklusion statt Stigmatisierung», weist über eine einzelne jährliche Veranstaltung hinaus. Er verweist auf jene Bereiche, in denen sich Akzeptanz immer wieder bewähren muss: öffentliche Dienste, Arbeitsplätze, Schulen, Familien und Freundschaften. Die Kampagne formuliert ihre Botschaft direkt und fordert die Schweizer Gesellschaft auf, Menschen mit psychischen Erkrankungen als Teil des Alltagslebens anzuerkennen und nicht als Probleme, die man aus dem Blickfeld halten sollte.

Eine Bewegung in der ganzen Schweiz aufbauen

Seit ihrem ersten nationalen Auftritt in Genf im Jahr 2019 hat die Swiss Mad Pride in verschiedenen Städten stattgefunden. 2022 war Bern Gastgeber, 2023 folgte Lausanne, und in diesem Jahr kehrte die Bewegung für ihre vierte Schweizer Ausgabe in die Bundesstadt zurück.

Der Weg von Genf über Bern nach Lausanne zeigt, wie sich die Kampagne über Sprachregionen und politische Zentren hinweg entwickelt hat. Genf bildete den Ausgangspunkt in der Schweiz. Bern brachte die Aktion an den Sitz der Bundespolitik. Lausanne sorgte für eine Präsenz in der französischsprachigen Schweiz. Jeder Ort bietet einen anderen öffentlichen Rahmen für dieselbe Forderung: Menschen mit psychischen Erkrankungen sollen sichtbar und einbezogen sein.

Die Bewegung selbst entstand in Kanada und verbreitete sich anschliessend international. In der Schweiz haben die Organisierenden öffentliche Veranstaltungen genutzt, um Interessenvertretung mit lokalen Netzwerken zu verbinden. An den Ständen der Veranstaltung in Bern konnten die teilnehmenden Organisationen ihre Arbeit direkt der Öffentlichkeit vorstellen, während der Teppich der Kampagne ein einprägsames Symbol gab.

Die Veranstaltung findet auch zu einem Zeitpunkt statt, an dem psychische Gesundheit in der Schweiz mehr Aufmerksamkeit erhält. Swissinfo berichtete 2024, dass jüngste Zahlen einen Anstieg psychischer Erkrankungen bestätigten, obwohl die Mad-Pride-Quelle keine konkreten nationalen Zahlen nennt. Die Organisierenden sagen, dass die öffentliche Diskussion neben Dienstleistungen und Behandlungen weitergehen muss, denn Stigmatisierung kann fortbestehen, selbst wenn das Bewusstsein wächst.

Inklusion in den Alltag tragen

Die Organisierenden fordern die Schweiz auf, die Kampagne über den Bundesplatz hinauszutragen. Ihr Schwerpunkt auf alltäglicher Inklusion rückt psychische Gesundheit in jene gewohnten Lebensbereiche, in denen Menschen arbeiten, lernen, betreut werden und Beziehungen pflegen. In diesen Bereichen wird sich zeigen, ob die durch Mad Pride geschaffene Sichtbarkeit zu dauerhafter Akzeptanz führt.

Die Veranstaltung bot kein einzelnes Reformprogramm, und die Quelle nennt keine neuen politischen Massnahmen. Ihre Bedeutung liegt in der öffentlichen Koalition, die sie zusammenbrachte: mehrere Hundert Teilnehmende, rund 20 Organisationen und eine Kampagne, die inzwischen in mehreren Schweizer Städten stattgefunden hat. Diese Koalition kann weiterhin Druck auf Institutionen ausüben, klar über psychische Gesundheit zu informieren und Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen Teilhabe zu ermöglichen.

Die Beschreibung der Organisierenden, psychische Erkrankungen seien häufig, blieben aber oft unsichtbar, gibt auch eine klare Richtung für künftige Veranstaltungen vor. Offenere Gespräche können helfen, Vorurteile abzubauen, während Organisationen aus der Gemeinschaft Menschen mit Informationen und Unterstützung in Kontakt bringen können. Das öffentliche Format der Kampagne gibt solchen Gesprächen einen Platz im gesellschaftlichen Leben.

Für die Schweiz kommt die nächste Bewährungsprobe, wenn der Teppich wieder entfernt und die Stände abgebaut sind. Die vierte Mad Pride hat der Bewegung, die vor sieben Jahren in Genf begann, ein weiteres sichtbares Kapitel hinzugefügt. Ihre Botschaft ist nun in der Bundesstadt angekommen: Inklusion muss jeden Tag gelebt werden.