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Swiss Observer

Schweizer Parlament lehnt Initiative zur Arzneimittelversorgung zugunsten des Bundesplans ab

Der Nationalrat hat die Volksinitiative zur Sicherung der Arzneimittelversorgung abgelehnt und sich stattdessen für den enger gefassten Gegenvorschlag des Bundesrates ausgesprochen. Die Alternative würde eine zentrale Überwachung von Engpässen schaffen und Massnahmen wie Anreize, Beschaffung und inländische Produktion ermöglichen.

Schweizer Parlament lehnt Initiative zur Arzneimittelversorgung zugunsten des Bundesplans ab
AISWI swissinfo.ch

Der Nationalrat hat die Initiative zur Sicherung der Arzneimittelversorgung am 24. September 2026 abgelehnt und den enger gefassten Gegenvorschlag des Bundesrates gutgeheissen. Damit bleibt die Reaktion der Schweiz auf wiederkehrende Arzneimittelengpässe innerhalb des vom Bundesrat vorgeschlagenen Rahmens. Die abschliessende Position des Parlaments steht jedoch noch aus, da der Ständerat weder die Initiative noch den Gegenvorschlag beraten hat.

Die Volksinitiative mit dem Titel «Ja zur Sicherheit der medizinischen Versorgung» verlangte eine stärkere Schweizer Forschung, Entwicklung, Produktion und Lagerhaltung entlang der gesamten Arzneimittel-Wertschöpfungskette. Vertreterinnen und Vertreter des Initiativkomitees erklärten bei der Einreichung, dass in der Schweiz Hunderte Arzneimittel knapp seien. Eingereicht wurde die Vorlage 2024 von 20 Organisationen und Unternehmen aus dem Gesundheitswesen.

Die Mitglieder des Nationalrates anerkannten, dass das Versorgungsproblem real ist. Sie befanden den Wortlaut der Initiative als zu breit und ihre Forderungen als zu weitreichend. Deshalb entschied sich die Kammer für den direkten Gegenvorschlag des Bundesrates, der dem Bund Befugnisse zur Überwachung der Verfügbarkeit und zum Eingreifen bei auftretenden Störungen einräumt.

Der Entscheid führt das Geschäft nun in die nächste Phase des parlamentarischen Verfahrens. Die kleine Kammer muss die Initiative und die vom Nationalrat unterstützte Alternative noch prüfen.

Bundesplan sieht zentrale Überwachung der Versorgung vor

Der Gegenvorschlag würde dem Bund eine zentrale Rolle dabei geben, Engpässe zu erkennen, bevor sie akut werden. Gemäss dem Plan des Bundesrates würden die Bundesbehörden die Arzneimittelversorgung zentral und vorausschauend überwachen. Zudem könnten sie Massnahmen ergreifen, um Unterbrüche zu verhindern oder zu beheben.

Damit entstünde eine nationale Aufsichtsstruktur für ein Problem, das Spitäler, Apotheken und Patientinnen und Patienten über die Kantonsgrenzen hinweg betreffen kann. Der Vorschlag setzt nicht auf eine einzelne Lösung. Er verbindet die Überwachung mit wirtschaftlichen Anreizen, Beschaffung und der Möglichkeit, medizinische Güter in der Schweiz herzustellen oder deren inländische Produktion zu veranlassen.

Der Plan sieht auch eine verstärkte internationale Zusammenarbeit vor. Die Schweiz ist bei Arzneimitteln und pharmazeutischen Wirkstoffen stark auf grenzüberschreitende Lieferketten angewiesen. Der Ansatz des Bundesrates trägt deshalb dem Umstand Rechnung, dass inländische Kapazitäten allein keinen ununterbrochenen Zugang gewährleisten können. Die Behörden erhielten zusätzliche Instrumente, um zu reagieren, wenn Anbieter Produkte vom Markt nehmen, Lieferungen ausbleiben oder die Lagerbestände sinken.

Die Unterstützung des Nationalrates spiegelt seine Präferenz für einen gezielten rechtlichen Rahmen statt für die weitergehenden Forderungen der Initiative in den Bereichen Forschung, Entwicklung, Produktion und Lagerhaltung wider. Die genaue Ausgestaltung, Finanzierung und Umsetzung des Gegenvorschlags hängt von der weiteren parlamentarischen Beratung ab.

Lieferketten machen die Schweiz weiterhin abhängig

Die Debatte über Arzneimittelengpässe in der Schweiz entwickelte sich aus wiederholten Störungen, die Schwachstellen in der Lieferkette offenlegten. Die Initiantinnen und Initianten erklärten bei der Lancierung, Hunderte Arzneimittel seien nicht oder nur schwer erhältlich. Ihr Ansatz umfasste die gesamte Kette, von der Schweizer Forschung und Entwicklung bis hin zu Produktion und Lagerung.

Dieses Vorhaben fand Unterstützung bei Organisationen und Unternehmen aus dem Gesundheitswesen, prägte aber auch die Einwände des Nationalrates. Die Mitglieder des Rates hielten die Initiative für zu breit und zu detailliert. Der Gegenvorschlag beschränkt die staatliche Reaktion stärker auf die Versorgungssicherheit und gibt den Bundesbehörden Instrumente, um Risiken zu erkennen und bei drohenden Engpässen zu handeln.

Die Debatte hat auch eine geopolitische Dimension. Swissinfo berichtete, dass Fachleute mögliche Auswirkungen internationaler Krisen auf die Verfügbarkeit von Arzneimitteln sehen, auch wenn keine unmittelbaren Engpässe erwartet werden. Globale Transportwege, die Konzentration der Produktion und die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern können alle beeinflussen, welche Produkte Schweizer Apotheken und Spitäler erreichen.

Die vom Bundesrat vorgeschlagene Kombination aus Beschaffung, Anreizen und inländischer Herstellung könnte die Widerstandsfähigkeit der Schweiz in ausgewählten Bereichen stärken. Sie würde die Abhängigkeit des Landes vom internationalen Handel nicht beseitigen. Eine verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Ländern bleibt Teil des Plans, ebenso wie Bemühungen, die inländischen Kapazitäten dort auszubauen, wo es besonders wichtig ist.

Die Beratung im Ständerat bestimmt die nächsten Schritte

Der Ständerat muss noch entscheiden, ob der engere Ansatz des Bundesrates im gesamten Parlament eine Mehrheit findet. Seine Beratung wird zeigen, ob sich die beiden Kammern auf den Gegenvorschlag einigen oder das Geschäft in weitere Verhandlungen schicken.

Für Patientinnen und Patienten hat die Abstimmung im Nationalrat vorerst nur begrenzte Auswirkungen. Die Kammer hat eine parlamentarische Richtung vorgegeben, doch allein aufgrund dieses Entscheids tritt weder ein neues Überwachungssystem noch ein Beschaffungsprogramm oder eine Vorgabe zur inländischen Produktion in Kraft. Dafür müsste das Gesetzgebungsverfahren weitergeführt und die daraus hervorgehenden Regeln umgesetzt werden.

Mit der Ablehnung der Initiative bleibt zudem eine wichtige politische Frage offen. Die Schweiz muss entscheiden, wie weit der Bund einen Markt gestalten soll, der auf internationale Hersteller und komplexe Lieferketten angewiesen ist. Ein gezieltes System könnte raschere Eingriffe ermöglichen, ohne sämtliche Forderungen der Volksinitiative zu übernehmen. Befürworterinnen und Befürworter der weitergehenden Vorlage könnten geltend machen, dass Forschung, Produktion und Lagerhaltung eine umfassendere nationale Strategie erfordern.

Die nächste Beratung wird zeigen, ob der Ständerat die vom Nationalrat gefundene Balance zwischen Aufsicht durch den Bund und Abhängigkeit vom Markt mitträgt. Bis dahin bleiben Apotheken, Spitäler sowie Patientinnen und Patienten auf das bestehende System und die Zuverlässigkeit internationaler Anbieter angewiesen.