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Swiss Observer

Schweizer Inflation steigt vor dem Zinsentscheid der SNB deutlich an

Die Schweizer Inflation beschleunigte sich im August im Jahresvergleich auf 0.8%. Das ist der höchste Wert seit September 2024 und liegt deutlich über den Erwartungen der Analysten. Der überraschende Wert wird vor dem nächsten Zinsentscheid der Schweizerischen Nationalbank genau beobachtet werden.

Schweizer Inflation steigt vor dem Zinsentscheid der SNB deutlich an
AISWI swissinfo.ch

Die Schweizer Inflation beschleunigte sich im August auf 0.8% und lieferte der Schweizerischen Nationalbank nur wenige Wochen vor ihrem nächsten Zinsentscheid ein deutlicheres Preissignal. Das Bundesamt für Statistik meldete, dass sich der jährliche Anstieg der Konsumentenpreise gegenüber 0.4% im Juli verdoppelt hat. Der Wert lag über sämtlichen Prognosen einer Bloomberg-Umfrage unter 16 Ökonomen.

Der Anstieg bedeutet die höchste Inflationsrate der Schweiz seit September 2024. Er folgt zudem auf eine Phase, in der das Preiswachstum ungewöhnlich schwach blieb und im vergangenen Jahr kurzzeitig ins Negative fiel. Für Schweizer Haushalte deutet der Gesamtwert auf stärkeren Preisdruck hin, auch wenn die nationale Teuerungsrate im europäischen Vergleich weiterhin tief ist.

Der Zinsentscheid der SNB später in diesem Monat wird genau beobachtet werden, da die Verantwortlichen die Zinsen bei null belassen haben. Die Nationalbank hat einen moderaten und vorübergehenden Anstieg der Inflation prognostiziert, wobei der Quartalsdurchschnitt bis Anfang 2027 voraussichtlich 0.8% erreichen wird. Das August-Ergebnis entspricht diesem prognostizierten Quartalshöchstwert, obwohl die Monatsdaten die Märkte überraschten.

Der Wert liefert den Geldpolitikern Hinweise darauf, dass sich die Inflation wieder in Richtung der von der SNB angestrebten Bandbreite von 0% bis 2% bewegt. Für sich allein belegt er jedoch keine anhaltende Beschleunigung. Die Nationalbank wird die Zusammensetzung des Anstiegs, den Wechselkurs des Frankens und die Nachfrageaussichten abwägen, bevor sie entscheidet, ob eine Anpassung der Geldpolitik nötig ist.

Kernpreise ziehen allmählich an

Die Kerninflation stieg von 0.3% auf 0.4%, erstmals in diesem Jahr, und ergänzte damit den deutlichen Anstieg der Gesamtinflation im August um einen wichtigen Aspekt. Bei dieser Messgrösse werden volatile Komponenten wie Energie ausgeklammert. Sie wird genau beobachtet, um festzustellen, ob sich der Preisdruck in der Gesamtwirtschaft ausbreitet.

Laut dem Bundesamt für Statistik trugen höhere Erdölkosten zum monatlichen Ergebnis bei, während günstigere Bekleidung und Schuhe den Anstieg teilweise ausglichen. Diese Kombination deutet auf ein uneinheitliches Inflationsbild hin. Energiepreise können sich rasch verändern, während die Kernpreise tendenziell verlässlichere Hinweise auf die zugrunde liegende Nachfrage und die Geschäftskosten geben.

Der schwächere Franken könnte sich ebenfalls auf die Importpreise auswirken. Diese Woche fiel die Währung gegenüber dem Euro auf ein Jahrestief, bevor sie sich nach dem Inflationsbericht erholte. Ein schwächerer Franken verteuert im Ausland gekaufte Waren und Dienstleistungen. Die Auswirkungen auf die Schweizer Konsumentenpreise hängen jedoch von den Margen, Verträgen und Beschaffungsvereinbarungen der Unternehmen ab.

Die Wohnkosten bleiben für viele Haushalte ein weiterer Belastungsfaktor. Mieten und andere Unterkunftskosten haben im Schweizer Haushaltsbudget besonderes Gewicht, während Bekleidung im August eine gewisse Entlastung bot. Die SNB wird deshalb prüfen, ob die Kernteuerung in den kommenden Monaten weiter steigt oder ob das August-Ergebnis auf vorübergehende Veränderungen bei Energie und einzelnen Gütern zurückzuführen ist.

Der Franken prägt die Inflationsaussichten

Die Schweizer Inflation liegt mit 3.3% deutlich unter der Teuerungsrate im Euroraum, wodurch die grosse Differenz zu den Nachbarländern bestehen bleibt. Nach der harmonisierten europäischen Berechnungsmethode verzeichnete die Schweiz im August eine Inflation von 0.9%, verglichen mit 3.3% im gesamten Euroraum.

Der Unterschied widerspiegelt das verhaltene inländische Preiswachstum der Schweiz und die bisher begrenzten Auswirkungen des Energiepreisschocks im Nahen Osten. Europäische Konsumenten waren mit einem deutlich stärkeren Anstieg der energiebezogenen Kosten konfrontiert, während die Schweiz bisher von den stärksten Auswirkungen verschont blieb.

Der Vergleich ist für den Franken wichtig. Das tiefe Inflationsumfeld der Schweiz stützt die Kaufkraft der Währung, doch Wechselkursbewegungen können neuen Druck erzeugen, wenn der Franken gegenüber Handelspartnern an Wert verliert. Die SNB intervenierte früher im Jahr, um einem Anstieg des Frankens entgegenzuwirken, der mit dem Krieg im Iran zusammenhing. Seither ist die Währung gegenüber dem Euro gefallen. Das hilft den Exporteuren, verteuert aber manche Importe.

Nach den Augustdaten legte der Franken um 0.4% auf CHF 0.9385 pro Euro zu. Händler beurteilen, ob die Inflationsüberraschung zusätzliche Lockerungen weniger wahrscheinlich macht oder die Aussicht auf eine spätere Zinserhöhung stärkt. Die Geldpolitiker müssen zudem vermeiden, dass eine kurzfristige Währungsbewegung den allgemeinen Zinspfad bestimmt.

Exporte verleihen der Wirtschaft zusätzlichen Schwung

Die Schweizer Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um 1.5%, bereinigt um grosse Sportveranstaltungen. Das ist fünfmal so viel, wie Ökonomen erwartet hatten. Die stärkere Wirtschaftsleistung erweitert die Inflationsdebatte der SNB um die Wachstumsperspektive, insbesondere weil die Expansion von Branchen ausging, die für das Schweizer Exportmodell zentral sind.

Pharma- und Chemieexporte führten den Anstieg an, während das verarbeitende Gewerbe mehr beitrug als der Dienstleistungssektor. Dieses Muster ist für die Schweiz ungewöhnlich und deutet darauf hin, dass die Auslandsnachfrage einen grossen Teil des Wachstumsimpulses lieferte. Auch die Staatsausgaben wuchsen das dritte Quartal in Folge stärker als der private Konsum.

Weitere Indikatoren sind günstiger geworden. Ein vorlaufender Wachstumsindikator erreichte den höchsten Stand seit fast fünf Jahren, die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe übertraf im August die Erwartungen und die Löhne stiegen weiterhin schneller als die Konsumentenpreise. Das Wachstum der Reallöhne kann die Kaufkraft der Haushalte stützen, obwohl der private Konsum noch nicht mit der Stärke der Exporte mithalten konnte.

Ein Handelsabkommen mit China könnte zusätzlichen Auftrieb geben, falls es ratifiziert wird. Das Abkommen würde fast alle Zölle auf Schweizer Waren beseitigen, die in Asiens grösste Volkswirtschaft geliefert werden, darunter Uhren, Pharmazeutika und Präzisionsinstrumente. Die SNB wird diese verbesserte Ausgangslage zusammen mit den Inflationsdaten berücksichtigen. Eine stärkere Aktivität kann einen anhaltenden Preisanstieg plausibler machen, doch das Exportwachstum bleibt anfällig für globale Handels- und geopolitische Risiken.

SNB wägt Zinsen gegen fraghaften Aufschwung ab

Der Augustwert rückt die Nullzinspolitik der SNB stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit, doch ein einzelner Monatswert wird die Frage einer Zinserhöhung nicht entscheiden. Die Verantwortlichen haben die erwartete Beschleunigung als moderat und vorübergehend bezeichnet, und der prognostizierte Quartalshöchstwert der Nationalbank liegt weiterhin bei 0.8%. Diese Prognose ist nach wie vor mit den neuesten Daten vereinbar.

Entscheidend wird sein, ob der Anstieg anhält. Die Geldpolitiker werden die Kerninflation, das Lohnwachstum, die Mietentwicklung, die Importpreise und die Entwicklung des Frankens prüfen. Zudem werden sie beurteilen, ob die Expansion im zweiten Quartal auf nachhaltiger Nachfrage beruht oder auf einem konzentrierten Erholungsschub bei Pharmazeutika und Chemikalien.

Eine Zinserhöhung würde den Franken stützen und dazu beitragen, die importierte Inflation einzudämmen. Gleichzeitig würde sie die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen, Kreditnehmende und Haushalte verschärfen. Unveränderte Zinsen würden die Wirtschaft weiterhin stützen, während eine Phase stärker steigender Preise in Kauf genommen würde. Die SNB muss zudem berücksichtigen, dass die Inflation in der Schweiz im Vergleich zum Euroraum ungewöhnlich tief ist, wo sie im August 3.3% erreichte.

Für Konsumenten hängt die unmittelbare Wirkung von ihrem Ausgabeverhalten ab. Treibstoff und importierte Güter könnten weiterhin empfindlich auf Währungs- und Energiemärkte reagieren, während Bekleidung im August einen gewissen Ausgleich bot. Die nächsten Inflationsdaten werden zeigen, ob der Anstieg auf 0.8% zum Trend wird oder eine vorübergehende Phase in der langen Zeit verhaltenen Preiswachstums der Schweiz bleibt.