Konsumentenschutz
Jedes vierte Elektrogerät besteht Schweizer Sicherheitskontrollen nicht, berichtet das ESTI
Ein Bericht des Eidgenössischen Starkstrominspektorats (ESTI) zeigt, dass mehr als 28 % der 2025 kontrollierten Elektroprodukte Sicherheitsmängel oder formelle Mängel aufwiesen. Die Ergebnisse führten zu Verkaufsverboten für 65 Produkte, darunter Ladegeräte und Haushaltsgeräte, und werfen Fragen zur Sicherheit der Konsumentinnen und Konsumenten auf.

Erstaunliche 28 % der Elektrogeräte in der Schweiz erfüllen grundlegende Sicherheits- und gesetzliche Anforderungen nicht. Das Eidgenössische Starkstrominspektorat (ESTI) hat einen aufsehenerregenden Bericht veröffentlicht, dem zufolge 281 von 1'001 Geräten, die 2025 kontrolliert wurden, mangelhaft waren. Dabei handelt es sich nicht um ein geringfügiges administratives Versehen: 172 dieser Produkte wiesen kritische Mängel auf, die die elektrische Sicherheit unmittelbar gefährdeten. Der Schweizer Markt, der seit Langem für Qualität steht, sieht sich derzeit mit einer Flut minderwertiger Geräte konfrontiert, die Haushalte der Gefahr von Stromschlägen und Bränden aussetzt. Die Konsumentinnen und Konsumenten erwarten höchste Standards. Tatsächlich könnte jedoch fast jedes vierte Produkt im Ladenregal oder online eine tickende Zeitbombe sein. Die Zunahme fehlerhafter Geräte zwingt dazu, die aktuellen Import- und Kontrollmechanismen zu hinterfragen, während das Inspektorat seine Kontrollen verstärkt, um diese Gefahren aus Schweizer Haushalten zu entfernen.
Verkaufsverbote gegen gefährliche Geräte
Das ESTI ist entschlossen gegen die Gefahr vorgegangen und hat den Verkauf von 65 gefährlichen Produkten sofort verboten. Dabei handelt es sich nicht um unbekannte Industriebauteile, sondern um Ladegeräte, Beleuchtungskörper und Bürogeräte, die Schweizerinnen und Schweizer täglich verwenden. Die Massnahmen richten sich gegen Produkte, die ein unmittelbares Risiko darstellen oder für die die gesetzlich vorgeschriebenen Konformitätsnachweise fehlen. Gleichzeitig mussten vorausschauende Händler weitere 23 Produkte vom Markt nehmen, darunter kabellose Staubsauger und Heissluftfritteusen. Besonders alarmierend ist, dass nicht zugelassene ausländische Stecker weiterhin im Umlauf sind, insbesondere das deutsche «Schuko»-System. Diese Stecker sind nicht nur inkompatibel, sondern gefährlich: Sie können überhitzen und bei gewaltsamem Einstecken in Schweizer Steckdosen verheerende Brände verursachen. Die Botschaft aus Bern ist klar: Was den Schweizer Standard nicht erfüllt, hat in einem Schweizer Haushalt nichts zu suchen. Dieses entschlossene Vorgehen unterstreicht die entscheidenden Bemühungen, die Integrität des nationalen Stromnetzes und die Sicherheit der Konsumentinnen und Konsumenten zu gewährleisten.
Der verborgene Preis billiger Technik
Die Verlockung eines Schnäppchens verschleiert eine tödliche Gefahr, während Onlineplattformen den Markt mit Billigelektronik überschwemmen. Das ESTI warnt: Ein tiefer Preis ist zwar kein eindeutiger Gefahrenhinweis, ein «ungewöhnlich tiefer Preis» signalisiert aber mit grosser Wahrscheinlichkeit, dass Hersteller bei Qualitätskontrollen und Materialien gespart haben. Diese Einsparungen gehen auf Kosten des Lebens und der Gesundheit der Konsumentinnen und Konsumenten. Dafür werden minderwertige Isolierungen und fehlerhafte wiederaufladbare Batterien verwendet, die ohne Vorwarnung explodieren können. Das Inspektorat bezeichnet insbesondere grosse Onlineplattformen, vor allem solche mit Direktversand aus Asien, als Risikozonen für Schweizer Käuferinnen und Käufer. Diese Produkte umgehen häufig die üblichen Qualitätskontrollen und gelangen mit mangelhaften Schutzvorrichtungen in die Haushalte, die bei einer Spannungsspitze nicht auslösen. Im Gegensatz zu den strengen Prüfungen lokaler Hersteller stellen diese Importe aus aller Welt eine erhebliche Herausforderung für die Schweizer Konsumentenschutzgesetze dar. Um die Welle gefährlicher Technik einzudämmen, braucht es eine verstärkte Kontrolle an den digitalen und physischen Grenzen.
Schweizer Steckdosen sicherer machen
Die Schweiz steht bei der Sicherheit von Konsumgütern an einem entscheidenden Wendepunkt: Die Bundesstelle für Konsumentenfragen leitet öffentlichkeitswirksame Produktrückrufe ein. Allein im vergangenen Jahr wurden acht grössere Rückrufaktionen gestartet. Das deutet auf eine Entwicklung hin zu stärkerem öffentlichem und konsequenterem Vollzug. Die Folgen für den Schweizer Detailhandel sind weitreichend. Konsumentinnen und Konsumenten werden nun aufgefordert, sich selbst als erste Verteidigungslinie zu verstehen und beim Kauf auf Produkte ohne den passenden Schweizer Stecker oder die erforderlichen Prüfzeichen zu verzichten. Die Zeit des passiven Konsums ist vorbei: Die Zahlen verlangen eine besser informierte und kritischere Öffentlichkeit. Während das ESTI sein strenges Kontrollprogramm 2026 fortsetzt, richtet sich der Fokus stärker auf die «unsichtbaren» Mängel, also auf interne Bauteile, die lange vor sichtbaren Gebrauchsspuren ausfallen. Für die Schweizer Elektronikbranche ist dieser Bericht ein deutlicher Aufruf, sich noch stärker auf jene Qualität zu konzentrieren, die die nationale Marke auszeichnet. So soll «Swiss Made» auch in einer zunehmend elektrifizierten Welt weltweit ein Goldstandard für Sicherheit bleiben.