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Swiss Observer

Schweizer Wirtschaft verzeichnet stärkstes Quartalswachstum seit fast fünf Jahren

Die Schweizer Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um 1.5%, so stark wie seit Ende 2021 in keinem Quartal mehr. Getragen wurde die Erholung von der Chemie- und Pharmabranche, einer kräftigen Erholung der Exporte und höheren Investitionen, während der private Konsum verhalten blieb.

Schweizer Wirtschaft verzeichnet stärkstes Quartalswachstum seit fast fünf Jahren
AISWI swissinfo.ch

Das Schweizer BIP wuchs im zweiten Quartal 2026 um 1.5% und verzeichnete damit das stärkste Quartalswachstum seit Ende 2021. Das Staatssekretariat für Wirtschaft, kurz SECO, bestätigte die Zahl in seiner zweiten Schätzung am Donnerstag, 3. September, nachdem es Mitte August eine erste Schätzung veröffentlicht hatte.

Das Ergebnis markiert eine deutliche Beschleunigung gegenüber dem ersten Quartal, als die Wirtschaft, bereinigt um Sportereignisse, um 0.55% wuchs. Laut SECO war dies das stärkste BIP-Wachstum seit dem dritten Quartal 2021.

Die Erholung ging von den exportorientierten Teilen der Schweizer Wirtschaft aus. Die Chemie- und Pharmabranche führte den Aufschwung an, während auch das verarbeitende Gewerbe, die Finanzdienstleistungen und der Transport zulegten. Die Exporte ohne Transithandel stiegen stark, und die Unternehmen erhöhten ihre Investitionen in Ausrüstungsgüter, nachdem sie diese zu Jahresbeginn gekürzt hatten.

Die Zahlen liefern dem Bund, den Unternehmen und den Investoren Belege für eine kräftige Erholung in der Mitte des Jahres 2026. Sie zeigen auch, wie stark das Quartalsergebnis von der Industrie und der Auslandsnachfrage abhing. Die Ausgaben der Haushalte, eine wichtige Stütze der Binnenwirtschaft, blieben schwach. Das zweite Quartal brachte somit ein kräftiges gesamtwirtschaftliches Ergebnis, ohne dass die Konsumaktivität breit zunahm.

Pharmazeutika treiben den industriellen Motor an

Die Chemie- und Pharmabranche wuchs um 10.5% und war damit der wichtigste Motor der Erholung im Quartal. Das SECO bezeichnete die Branche als stärkste Quelle des Wachstumsimpulses, obwohl die Unternehmen mit Unsicherheit über mögliche Zölle der Vereinigten Staaten konfrontiert waren.

Die Entwicklung der Branche widerspiegelt die Bedeutung der Life Sciences und der fortgeschrittenen Fertigung für die Schweizer Wirtschaft. Basel und die umliegende Region im Nordwesten der Schweiz beherbergen bedeutende pharmazeutische und chemische Betriebe. Forschung, Präzisionsfertigung und globale Liefernetzwerke verbinden die Branche mit Märkten weit über die Schweiz hinaus.

Das verarbeitende Gewerbe insgesamt wuchs um 4.5% und verlieh der industriellen Erholung damit eine breitere Grundlage. Die Finanzdienstleistungen und der Transport legten jeweils um 1.9% zu. Dies zeigt, dass sich die Zuwächse im Quartal nicht auf Labors und Fabriken beschränkten. Die Dienstleistungen wuchsen mit 0.7% moderater.

Laut SECO stieg die Wertschöpfung auch in vielen anderen Branchen, obwohl die veröffentlichen Daten keine Aufschlüsselung nach Kantonen enthielten. Die Zahlen weisen auf eine Wirtschaft hin, die von international ausgerichteten Branchen profitiert, wobei die Pharmazeutika den grössten Beitrag leisteten. Die Unsicherheit bei den Zöllen bleibt für Unternehmen, die ihre Produktion und Exporte planen, ein Faktor. Sie hinderte die Branche jedoch nicht daran, den stärksten ausgewiesenen Beitrag zum Quartalsergebnis zu leisten.

Exporte und Investitionen wenden das Blatt

Die Exporte ohne Transithandel stiegen im zweiten Quartal um 9.7% und machten damit den Rückgang von 1.2% zwischen Januar und März wett. Die Wende gab einer Wirtschaft kräftigen Auftrieb, deren Hersteller und Pharmaunternehmen einen grossen Teil ihrer Produkte ins Ausland verkaufen.

Die Erholung der Exporte ging mit einer erneuten Zunahme der Unternehmensinvestitionen einher. Die Investitionen in Ausrüstungsgüter stiegen um 0.8%, nachdem sie im ersten Quartal um 1.2% zurückgegangen waren. Die Veränderung deutet darauf hin, dass die Unternehmen nach einem schwächeren Jahresauftakt wieder mehr für Ausrüstung und Produktionskapazitäten ausgaben. Das SECO nannte in den angeführten Zahlen weder einzelne Produkte noch Bestimmungsorte, die hinter dem Exportanstieg standen.

Der Transport wuchs um 1.9%. Dieses Ergebnis steht im Einklang mit einer stärkeren Bewegung von Gütern und Dienstleistungen, obwohl die offizielle Mitteilung keinen direkten ursächlichen Zusammenhang belegt. Auch die Finanzdienstleistungen legten um 1.9% zu, während die Dienstleistungen insgesamt mit 0.7% verhaltener wuchsen.

Für Schweizer Unternehmen brachte das zweite Quartal dank der Auslandsnachfrage und der Investitionen eine Erleichterung. Für die Politik verdeutlichte es zugleich die Abhängigkeit, die mit einem exportorientierten Wirtschaftsmodell einhergeht. Die Zahlen beziehen sich auf ein einzelnes Quartal und beseitigen nicht die Unsicherheit bei den Zöllen, mit der international tätige Unternehmen, insbesondere in der Chemie- und Pharmabranche, konfrontiert sind.

Haushalte hinken der Erholung hinterher

Der private Konsum stieg lediglich um 0.3%, nachdem er im ersten Quartal um 0.1% zugenommen hatte. Der verhaltene Wert bei den Haushalten schränkt ein, wie breit sich die Erholung im Inland ausgebreitet hat, obwohl sich das BIP-Wachstum insgesamt beschleunigte.

Der Konsum der Haushalte ist eine der treibenden Kräfte der Schweizer Wirtschaft. Sein bescheidener Anstieg zeigt, dass die Konsumentinnen und Konsumenten im Quartal nicht mit dem Tempo der Exporteure, Hersteller und Pharmaunternehmen mithielten. Die Quelle enthält keine Aufschlüsselung nach Ausgabenkategorien, Haushaltstypen oder Kantonen. Die nationale Zahl lässt daher nicht erkennen, welche Landesteile die stärkste Reaktion der Konsumentinnen und Konsumenten verzeichneten.

Dieser Unterschied ist für die kommenden Monate wichtig. Eine von der Auslandsnachfrage getragene Erholung kann Produktion und Investitionen rasch ankurbeln, während die Ausgaben der Haushalte möglicherweise langsamer reagieren. Unternehmen mit internationalen Märkten profitierten im zweiten Quartal am deutlichsten. Binnenorientierte Unternehmen, deren Geschäft von der täglichen Konsumnachfrage abhängt, erhielten gemäss den verfügbaren Daten einen geringeren unmittelbaren Auftrieb.

Die Mitteilung des SECO bestätigt ein starkes Quartal, nicht aber ein vollständiges Bild der wirtschaftlichen Dynamik. Die nächsten Schätzungen werden zeigen, ob Exporte, Industrieproduktion und Investitionen das Wachstum weiterhin stützen und ob die Konsumentinnen und Konsumenten einen deutlich stärkeren Beitrag leisten.