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Swiss Observer

Die meisten Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten haben KI beim Einkaufen genutzt, zeigt Umfrage

Knapp 70 % der befragten Erwachsenen in der Schweiz geben an, KI-Assistenten zur Vorbereitung eines Kaufs genutzt zu haben. Dies geht aus einer von Visa unterstützten Umfrage unter mehr als 1’200 Personen hervor. Die meisten möchten Zahlungen weiterhin selbst bestätigen: Nur 17 % würden einen vollständig autonomen Kauf akzeptieren.

Die meisten Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten haben KI beim Einkaufen genutzt, zeigt Umfrage
AISWI swissinfo.ch

Knapp 70 % der befragten Erwachsenen in der Schweiz haben bereits einen KI-Assistenten genutzt, um sich auf einen Kauf vorzubereiten. Damit sind Empfehlungsalgorithmen, Chatbots und andere KI-Tools Teil eines alltäglichen Einkaufserlebnisses geworden, das früher auf Suchmaschinen, Vergleichsportalen und Ratschlägen von Freunden beruhte.

Die Zahl stammt aus einer von Visa in Auftrag gegebenen Online-Umfrage, die am 15. Oktober 2026 veröffentlicht wurde. Befragt wurden mehr als 1’200 Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren in der Schweiz. Die Umfrage deutet nicht darauf hin, dass KI den Bezahlvorgang übernommen hat. Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten ziehen eine klare Grenze bei der Zahlungsfreigabe, auch wenn sie Unterstützung bei der Recherche und Produktauswahl annehmen.

Unter den Befragten, die KI beim Einkaufen nutzen, sagten 49 %, dass sie ihre Kaufentscheidungen stark beeinflusst. Jede zehnte Person gab an, bereits genau das Produkt gekauft zu haben, das ein KI-Tool empfohlen hatte. Diese Zahlen senden Händlern und Zahlungsdienstleistern ein klares Signal: KI kann die Nachfrage beeinflussen, bevor Kundinnen und Kunden einen Webshop erreichen, während das Vertrauen weiterhin davon abhängt, wer die letzte Transaktion kontrolliert.

Die Ergebnisse erscheinen zudem zu einem Zeitpunkt, an dem Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten KI in den Bereichen Banking, Reisen, Detailhandel und Kundenservice begegnen. Die Umfrage erfasst die Nutzung und die Einstellungen, beweist aber nicht, dass jede Empfehlung Preis, Qualität oder Komfort verbessert.

Zahlungskontrolle behalten

Zwei Drittel der Befragten möchten jede Zahlung selbst bestätigen. Laut Umfrage würden 67 % jede Zahlung weiterhin persönlich vornehmen, während nur 17 % einen vollständig autonomen Kauf inklusive Zahlung akzeptieren würden. Damit spielt die menschliche Autorisierung in der nächsten Phase des KI-gestützten Handels eine zentrale Rolle.

Eine grössere Gruppe ist bereit, ein enger gefasstes Modell auszuprobieren. Ein Drittel, also 33 %, würde einem KI-Agenten erlauben, einen Kauf innerhalb eines vorab festgelegten Limits abzuschliessen, meist für einen bescheidenen Betrag. Die grösste Zustimmung gibt es bei niedrigen Beträgen: 24 % würden einen autonomen Kauf inklusive Zahlung bis zu 50 CHF autorisieren. Sobald der Betrag 100 CHF übersteigt, sinkt die Bereitschaft auf 2,5 %.

Dieses Muster weist auf eine praktikable Form der Automatisierung hin. Konsumentinnen und Konsumenten könnten einen wiederkehrenden Kauf, einen günstigen Artikel oder eine Transaktion mit klaren Regeln delegieren und bei grösseren oder unbekannten Ausgaben die Kontrolle behalten. Vorgegebene Limits könnten Banken, Kartenherausgebern und Händlern zudem ermöglichen, schrittweise Vertrauen aufzubauen.

Für Nutzerinnen und Nutzer in der Schweiz ist die Zahlung der Punkt, an dem Komfort auf Rechenschaftspflicht trifft. Eine Empfehlung kann ignoriert werden. Eine ausgeführte Belastung erfordert eine stärkere Gewähr, dass die Kundin oder der Kunde verstanden und autorisiert hat, was geschehen ist.

Komplexe Käufe im Visier

Reise- und Transportbuchungen stehen mit 33 % an der Spitze der Bereiche, in denen Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten Unterstützung durch KI wünschen. Elektronik und Technologie folgen mit 28 %, während 20 % KI beim wöchentlichen Einkauf eine Rolle zuschreiben. Die Zahlen legen nahe, dass Nutzerinnen und Nutzer Unterstützung besonders dann schätzen, wenn Produkte schwer vergleichbar oder teuer sind oder mehrere Entscheidungen erfordern.

Eine Reisebuchung kann Daten, Verbindungen, Gepäck, Stornierungsbedingungen und unterschiedliche Preise umfassen. Beim Kauf von Elektronik kann ein Vergleich von technischen Daten, Kompatibilität und Garantien nötig sein. KI-Tools können solche Informationen rasch ordnen, doch die endgültige Wahl hängt weiterhin von Details ab, die einer Empfehlung entgehen können, etwa von der Flexibilität einer reisenden Person oder der bereits vorhandenen Ausrüstung eines Käufers.

Der wöchentliche Einkauf stellt eine andere Herausforderung dar. Regelmässige Einkäufe sind vertraut und werden oft von Gewohnheiten, Rabatten oder der sofortigen Verfügbarkeit bestimmt. Das könnte erklären, weshalb weniger Befragte routinemässige Lebensmittel- und Haushaltskäufe als wichtigsten Anwendungsfall nannten. Gleichzeitig bleibt Raum für KI-Anwendungen wie Einkaufslisten, Preisvergleiche und Ersatzprodukte, sofern Nutzerinnen und Nutzer den Warenkorb vor der Zahlung überprüfen können.

Die Umfrage hält fest, was Konsumentinnen und Konsumenten sich vorstellen, nicht welche Dienste sie nutzen oder ob Händler solche bereits anbieten. Die Angaben zu den Kategorien zeigen dennoch, wo Schweizer Kundinnen und Kunden den grössten Nutzen sehen: zuerst bei komplexen Entscheidungen, später bei Routinekäufen.

Vertrauensgrenzen setzen

Ausgabenkontrolle und der Missbrauch von Zahlungsdaten sind die grössten Bedenken. Sie wurden von 55 % beziehungsweise 51 % der Befragten genannt. Diese Sorgen erklären, weshalb die breite Nutzung von KI bei der Produktrecherche nicht zu Begeisterung für einen autonomen Bezahlvorgang geführt hat.

Wenn ein KI-Agent im Auftrag einer Person handelt, müssen Konsumentinnen und Konsumenten mehrere Fragen klären. Sie müssen wissen, welche Informationen das System genutzt hat, wie es Produkte eingestuft hat, ob gesponserte Ergebnisse seine Empfehlung beeinflusst haben und welche Daten es mit einem Händler oder Zahlungsdienstleister teilt. Ein falscher Vorschlag kann Geld kosten. Eine nicht autorisierte oder unzureichend verstandene Transaktion führt zu einem schwerwiegenderen Streit über die Verantwortung.

Auch das Alter spielt eine Rolle. Die Generation Z berichtete von einer stärkeren KI-Nutzung als ältere Generationen. Im veröffentlichten Auszug aus der Umfrage heisst es, 82 % der jungen Befragten seien damit einverstanden, Einkaufsoptionen mithilfe von KI zu vergleichen, allerdings enthält er keine vollständige Aufschlüsselung nach Generationen. Das deutet auf eine Nutzungslücke hin, lässt aber offen, wie sich die Einstellungen verändern könnten, wenn ältere Konsumentinnen und Konsumenten mit den Tools vertrauter werden.

Schweizer Händler, Banken und Technologieunternehmen müssen Beschränkungen sichtbar und umkehrbar machen. Klare Ausgabenlimiten, Transaktionsbestätigungen und leicht zugängliche Aufzeichnungen könnten Nutzerinnen und Nutzern helfen, die Tools auszuprobieren, ohne die Kontrolle aufzugeben. Vorläufig zeigt die Umfrage einen Markt, der bereit ist, die Recherche zu delegieren, während die Zahlungsfreigabe fest in der Hand der Konsumentinnen und Konsumenten bleibt.

Den nächsten Bezahlvorgang gestalten

Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten führen KI schrittweise ein, wobei die Autonomie eng an den Kaufbetrag geknüpft ist. Die Schwellenwerte von 50 und 100 CHF in der Umfrage zeigen, dass die Bereitschaft bedingt und nicht einheitlich ist. Eine Transaktion mit geringem Risiko kann delegiert werden, während bei einem grösseren Kauf weiterhin eine ausdrückliche menschliche Entscheidung nötig ist.

Diese Unterscheidung wird die Entwicklung von Zahlungsdiensten in der Schweiz prägen. KI-Agenten könnten Angebote durchsuchen, Preise beobachten, Warenkörbe zusammenstellen oder Reisepläne vorschlagen. Zahlungsdienstleister müssen es Kundinnen und Kunden ermöglichen, Limits festzulegen, Transaktionen zu prüfen und eine Erlaubnis zurückzuziehen. Händler müssen ausserdem erklären, wie Empfehlungen zustande kommen, und bezahlte Platzierungen von unabhängigen Produktberatungen unterscheiden.

Die Umfrage enthält keine Prognose dazu, wie rasch der autonome Handel wachsen wird. Sie zeigt jedoch, dass Konsumentinnen und Konsumenten bereits vor dem Kauf KI nutzen, insbesondere bei komplexen Kategorien. Wenn Angehörige der Generation Z mehr Kaufentscheidungen treffen, könnte die Vertrautheit mit der Technologie ihre Nutzung steigern. Bedenken zu Ausgaben und Daten dürften jedoch nicht einfach verschwinden, nur weil die Technologie verbreiteter wird.

Für Schweizer Kundinnen und Kunden ist das unmittelbare Modell klar: KI soll die Auswahl eingrenzen, Details vergleichen und den Aufwand reduzieren. Die endgültige Freigabe sollte in Reichweite bleiben, besonders wenn der Preis oder die Folgen steigen.