Innovation
Schweizer Unternehmen entwickelt wegweisende elektrische Skitechnologie
Das Schweizer Start-up E-skimo entwickelt innovative, elektrisch unterstützte Tourenskis und revolutioniert mit einer von E-Bikes inspirierten Technologie den alpinen Sport.

Der Skitourensport erlebt einen grundlegenden Wandel, und dessen Epizentrum liegt mitten in den Schweizer Alpen. Das wegweisende Start-up E-skimo gibt an, dass seine Technologie es Skifahrenden ermöglicht, 80 % schneller aufzusteigen als mit herkömmlichen Methoden. Das ist nicht bloss eine schrittweise Verbesserung, sondern ein grundlegender Umbruch in der Art, wie wir uns in den Bergen bewegen. Durch die Integration eines elektrischen Antriebs in Tourenskis hat das Unternehmen eine «dritte Option» für Bergsportbegeisterte geschaffen: Sie schliesst die Lücke zwischen der anstrengenden körperlichen Leistung beim Aufstieg ohne Unterstützung und der mühelosen Fahrt mit dem Sessellift.
Das Gerät funktioniert nach einem Prinzip, das an die E-Bike-Revolution im Radsport erinnert. Skifahrende können nun steile Hänge mit einer Geschwindigkeit und einem Komfort bewältigen, die bisher Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern vorbehalten waren. Sobald der Aufstieg geschafft ist, lässt sich der Mechanismus nahtlos verstauen, sodass das Abfahrtserlebnis unverfälscht bleibt. Mit einer Akkulaufzeit von bis zu drei Stunden ermöglicht die Technologie den Nutzerinnen und Nutzern, Strecken zurückzulegen, die für durchschnittliche Skifahrende sonst körperlich unmöglich wären.
Technik für die Revolution beim Aufstieg
Das E-skimo-System ist ein Meisterstück der Miniaturisierung. Das Konzept ersetzt die statische Reibung durch dynamischen Antrieb: Unter dem Ski gleiten Felle wie ein Förderband, angetrieben von leistungsstarken Elektromotoren. Doch rohe Kraft allein reicht ohne Kontrolle nicht aus. Das Unternehmen erklärt, die grösste Herausforderung sei nicht der Motor selbst gewesen, sondern die komplexe Sensorik, die nötig ist, um das Gleichgewicht der Skifahrenden zu halten.
Die Sensoren überwachen laufend die Position des Skis und die Bewegungen der Nutzerinnen und Nutzer. In Echtzeit nehmen sie kleinste Anpassungen vor, damit die Skifahrenden nicht das Gleichgewicht verlieren. Das ausgeklügelte Zusammenspiel von Hard- und Software macht aus der mechanischen Unterstützung eine natürliche Erweiterung des Körpers. Diese technische Hürde war das mit Abstand schwierigste Element, das es zu perfektionieren galt. Der Erfolg dabei unterscheidet eine Spielerei von einem praxistauglichen Sportgerät. Das Ergebnis ist ein System, das unermüdlich Vortrieb liefert, ohne die Stabilität zu beeinträchtigen.
Innovation aus San Bernardino
Innovation entsteht oft aus Frustration, und für den Gründer Nicola Colombo war der Auslöser persönlicher Natur. Er hatte genug davon, seine untrainierten Freunde nur mit Mühe zu Skitouren motivieren zu können. Gute Skifahrende, denen die Ausdauer für den Aufstieg fehlte, blieben zurück. Um dieses soziale Problem zu lösen, wandte sich Colombo der Technik zu. Das Unternehmen E-skimo hat seinen Sitz im kleinen, italienischsprachigen Ort San Bernardino in Graubünden und beweist, dass Weltklasse-Technologie nicht nur aus dem Silicon Valley oder Zürich kommt.
Dieser geografische Kontext ist entscheidend. San Bernardino liegt dort, wo anspruchsvolles Gelände auf Schweizer Erfindergeist trifft. Indem das Team das Produkt mitten in den Alpen entwickelte, konnte es seine Prototypen unter einigen der härtesten Bedingungen Europas erproben. So entstand eine einheimische Lösung für ein universelles Hindernis in diesem Sport: den hohen körperlichen Aufwand, der nötig ist, um überhaupt mitzumachen. Was als Möglichkeit begann, Freunde auf den Berg zu bringen, hat sich zu einem Unternehmen mit beträchtlichem kommerziellem Potenzial entwickelt.
Eine neue Definition des alpinen Sports
Kritikerinnen und Kritiker werden unweigerlich argumentieren, dass die Elektrifizierung des Aufstiegs die Ursprünglichkeit des Sports beeinträchtigt. Die Entwicklung des E-Mountainbikes spricht jedoch dagegen. So wie E-Bikes Millionen Menschen den Radsport zugänglich gemacht haben und es ihnen ermöglichen, sportlich aktiv zu bleiben und gleichzeitig ihre Reichweite zu vergrössern, verspricht E-skimo, den Zugang zum freien Skiraum zu demokratisieren. Der körperliche Einsatz fällt nicht weg, sondern wird optimiert. Die Nutzerinnen und Nutzer beanspruchen weiterhin Rumpf- und Beinmuskulatur, doch das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag verändert sich deutlich.
Statt eines anstrengenden Aufstiegs mit anschliessender einzelner Abfahrt könnte eine Skifahrerin oder ein Skifahrer nun im selben Zeitraum zwei oder drei Runden absolvieren. Der Berg wird so von einem gewaltigen Hindernis zu einem zugänglichen Spielplatz. Auch wenn sich Puristinnen und Puristen mit diesem Wandel schwertun mögen, bleibt die Tatsache bestehen, dass ein leichterer Zugang das Wachstum der Branche antreibt. Indem E-skimo die Einstiegshürde für das Skifahren bergauf senkt, kann das Unternehmen ein Marktsegment erschliessen, das die Abfahrt liebt, den Aufstieg aber scheut.
Globale Ambitionen und künftige Technologien
E-skimo will sich nicht damit begnügen, die Schweizer Alpen zu erobern. Das Unternehmen hat den riesigen nordamerikanischen Markt ins Visier genommen, wo die Nachfrage nach Erkundungen im freien Gelände gross ist. Zudem geht das Geschäftsmodell über den Direktverkauf hinaus. Das Unternehmen verhandelt derzeit über den Verkauf von OEM-Versionen seiner Antriebseinheiten an grosse Skihersteller. Das deutet darauf hin, dass «E-Touring» künftig weltweit zu einer festen Kategorie in Skigeschäften werden könnte.
Für die Zukunft sind leistungsstärkere Versionen geplant, die für Bergsteigerinnen und Bergsteiger entwickelt werden, die auf technisch anspruchsvollen Routen unterwegs sind. Das lässt auf eine Zukunft schliessen, in der elektrische Unterstützung nicht nur für mehr Komfort in der Freizeit sorgt, sondern in extremen Umgebungen auch ein wichtiges Hilfsmittel für Sicherheit und Geschwindigkeit ist. Während sich die Technologie weiterentwickelt, erleben wir den Beginn einer neuen Ära im Wintersport, in der nur noch die Akkulaufzeit und nicht mehr die Lungenkapazität die Grenze setzt.