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Swiss Observer

Schweizer Schokoladenbranche sieht vorsichtige Erholung nach Kakaokrise

Schweizer Schokoladenhersteller könnten das Schlimmste der Kakaokrise überstanden haben: Die Preise sinken von Rekordhöhen und die Nachfrage zeigt Anzeichen einer Erholung. Analysten warnen jedoch, dass die Trendwende nach schlechten Ernten, Pflanzenkrankheiten und alternden Bäumen, die die Versorgung beeinträchtigten, weiterhin fragil ist.

Schweizer Schokoladenbranche sieht vorsichtige Erholung nach Kakaokrise
AISWI swissinfo.ch

Die Kakaopreise sind von ihrem Höchststand um 60% gefallen. Damit bietet sich den Schweizer Schokoladenherstellern nach zwei schwierigen Jahren erstmals eine klare Chance. Der Kakaopreis liegt derzeit bei rund £4'500 pro Tonne, gegenüber mehr als £10'000 im Jahr 2024, als Versorgungsengpässe und Spekulationen den Markt auf einen historischen Höchststand trieben.

Analysten von Vontobel zufolge könnte der Schweizer Sektor beim Absatzvolumen den Tiefpunkt erreicht haben. In ihrem am Mittwoch veröffentlichten Bericht bezeichneten sie eine Erholung als möglich, aber noch in einem frühen Stadium. Diese vorsichtige Einschätzung ist für die Schweiz wichtig, wo Schokolade sowohl ein bedeutendes Exportprodukt als auch ein viel beachteter Teil der Lebensmittelindustrie ist.

Die Krise machte sich für die Konsumentinnen und Konsumenten in Supermärkten, Touristengeschäften und an den Theken für Premium-Süsswaren bemerkbar. Die Hersteller erhöhten die Preise, um die Kakaokosten aufzufangen, während Haushalte zunehmend zu günstigeren Eigenmarken griffen. Niedrigere Kakaopreise könnten den Druck auf die Produzenten mindern, haben die während des Preisschocks verlorene Kaufkraft jedoch noch nicht wiederhergestellt.

Erste Anzeichen einer wieder anziehenden Nachfrage zeigen sich in den globalen Verarbeitungsdaten. Die Kakaovermahlung nahm im zweiten Quartal 2026 zu und beendete damit sechs Quartale in Folge mit Rückgängen. Schweizer Unternehmen müssen nun dafür sorgen, dass sich dieses Signal in anhaltenden Bestellungen niederschlägt.

Preiserhöhungen dämpfen die Nachfrage in der Schweiz

Das Absatzvolumen von Schweizer Schokolade sank 2025 um 7.9%, während der Branchenumsatz um 11.8% stieg. Die Zahlen von Chocosuisse zeigen, wie stark die Preiserhöhungen den Markt verzerrten. Die Unternehmen erzielten höhere Umsätze, verkauften aber weniger Produkte und erreichten weniger Konsumentinnen und Konsumenten.

Die Exporte verzeichneten einen noch stärkeren Rückgang und sanken im Jahresverlauf um 9.3%. Schweizer Hersteller konkurrieren weltweit mit Qualität, Markenreputation und einer Premiumpositionierung. Diese Vorteile konnten sie jedoch nicht vollständig vor den höheren Vorleistungskosten schützen. Auch der Pro-Kopf-Konsum von Schokolade ging um 2.7% zurück. Das bestätigt, dass der Druck auch die einheimischen Käuferinnen und Käufer erreichte.

Die führenden Anbieter haben ihre Produktpreise laut Vontobel seit 2024 kumuliert um 25% bis 50% erhöht. Lindt & Sprüngli veranschaulicht die Auswirkungen. Das Unternehmen meldete im ersten Halbjahr 2026 ein organisches Umsatzwachstum von 4.3%, doch die Preise stiegen um 11.8% und das Volumen blieb unter Druck.

Die Konsumentinnen und Konsumenten haben sich rasch angepasst. Einige sind zu Eigenmarken der Supermärkte gewechselt, andere kaufen seltener oder kleinere Mengen. Für eine nachhaltige Erholung müssen die Hersteller das Absatzvolumen wieder steigern, ohne jede Kostensteigerung sofort an die Kundschaft weiterzugeben.

Volumenwachstum bei Barry Callebaut als Signal

Barry Callebaut verzeichnete erstmals seit zwei Jahren wieder ein Wachstum des Absatzvolumens: Im dritten Quartal des Geschäftsjahrs 2025/26 betrug der Zuwachs 5.7%. Der in Zürich ansässige Kakao- und Schokoladenlieferant beliefert Hersteller weltweit. Seine Zahlen sind deshalb ein wichtiger Indikator für die gesamte Branche.

Das Ergebnis macht die während der Krise aufgelaufenen Verluste nicht wett. Es zeigt jedoch, dass sich Unternehmen und Kundschaft möglicherweise an ein höheres Preisniveau gewöhnen. Hersteller haben Produktgrössen angepasst, Rezepturen überprüft, ihre Lagerbestände genauer gesteuert und sich auf Marken konzentriert, die einen Aufpreis erzielen können.

Für Schweizer Produzenten hängt die Erholung auch von ihrer Sichtbarkeit und der Kostenkontrolle ab. Villars-CEO Nicolas Forget sagte, der in Freiburg ansässige Hersteller wolle trotz steigender Kosten in der Schweiz bleiben, seine Sichtbarkeit erhöhen und die Effizienz sichern.

Auch Lindt & Sprüngli bereitet sich auf erneutes Wachstum vor. Die Geschäftsleitung richtet den Blick auf 2027. Die Umsatzentwicklung im ersten Halbjahr war positiv, doch das Unternehmen stützte sich weiterhin vor allem auf Preiserhöhungen und nicht auf höhere Absatzvolumen. Dieser Unterschied bleibt entscheidend. Ein Markt, der allein von Preisen angetrieben wird, kann den Umsatz eine Zeit lang steigern. Ein gesünderer Markt muss die Konsumentinnen und Konsumenten dazu bewegen, wieder mehr Produkte zu kaufen.

Wetter in Westafrika macht Erholung fragil

Vier westafrikanische Länder produzieren rund drei Viertel des weltweiten Kakaos. Dadurch bleibt der Markt einem weiteren Versorgungsschock ausgesetzt. Die Elfenbeinküste, Ghana, Nigeria und Kamerun waren mit schlechten Ernten, Pflanzenkrankheiten und alternden Bäumen konfrontiert. Diese strukturellen Probleme trugen zur Krise bei und lassen sich nicht so schnell beheben, wie die Preise sinken können.

Die Analysten von Vontobel haben auch vor dem Wetterphänomen El Niño gewarnt, das dieses und nächstes Jahr besonders stark ausfallen dürfte. Höhere Temperaturen und weniger Niederschläge könnten das Dürrerisiko in Westafrika erhöhen, die Erträge gefährden und die Kakaopreise hoch halten.

Die Konzentration der Produktion begrenzt, wie viel alternative Lieferanten zur Absicherung beitragen können. Brasilien strebt eine grössere Rolle auf dem Kakaomarkt an und will mehr Bohnen in die Schweiz liefern. Der Ausbau der Produktion braucht jedoch Zeit. Die Landwirte müssen neue Bäume pflanzen, die Krankheitsbekämpfung verbessern und zuverlässige Lieferketten aufbauen, bevor zusätzliche Mengen die globalen Marktverhältnisse wesentlich verändern können.

Die Erholung bleibt für Schweizer Schokoladenhersteller daher fragil. Niedrigere Preise verbessern die Beschaffungsbedingungen, doch die zugrunde liegenden landwirtschaftlichen Risiken bestehen weiter. Die Unternehmen müssen beim Einkauf diszipliniert vorgehen und längerfristige Beziehungen zu den Kakaobauern pflegen, während sie zugleich den Kostendruck für die Konsumentinnen und Konsumenten bewältigen.

Schweizer Hersteller brauchen Volumen, nicht nur Umsatz

Die Schweizer Schokoladenbranche geht mit einer anziehenden Nachfrage in die nächste Phase, doch die Absatzvolumen liegen weiterhin hinter dem Umsatz zurück. Der jüngste Anstieg der Kakaovermahlung und das Volumenwachstum von 5.7% bei Barry Callebaut deuten darauf hin, dass die Käuferinnen und Käufer zurückkehren könnten. Schweizer Hersteller werden mehrere Quartale mit ähnlichen Daten benötigen, bevor sie die Veränderung als Trend werten können.

Für die Haushalte könnte ein Rückgang der Kakaopreise den Druck auf die Schokoladenpreise mit der Zeit mindern. Die Produkte sind jedoch nach wie vor teurer als vor der Krise. Detailhändler und Hersteller müssen entscheiden, wie viel der Kostenentlastung sie weitergeben, und gleichzeitig ihre Margen in einer Branche schützen, die bereits mit Versorgungsstörungen und einem schwächeren Konsum zu kämpfen hatte.

Auch die Exportentwicklung der Branche wird entscheidend sein. Schweizer Schokoladenhersteller sind stark auf Kundinnen und Kunden im Ausland angewiesen. Der Exportrückgang von 9.3% im Jahr 2025 zeigte, wie rasch Konsumentinnen und Konsumenten weltweit auf Preiserhöhungen reagieren. Premium-Marken könnten sich zuerst erholen, während Produkte für den Massenmarkt weiterhin mit günstigeren Alternativen konkurrieren.

Das Fazit von Vontobel fällt zurückhaltend aus: Der Tiefpunkt beim Absatzvolumen könnte erreicht sein, doch die Erholung steht noch am Anfang. Für die Schweiz wird sich als Nächstes zeigen, ob niedrigere Kakaopreise zu einer stärkeren Nachfrage führen oder lediglich die Finanzergebnisse bei rückläufigem Absatz verbessern.