Cannabis
Schweizer Cannabis-Pilotprojekte deuten auf risikoärmeren Konsum ohne Mehrkonsum hin
Die Schweizer Cannabis-Pilotprojekte zeigen erste Vorteile für die Schadensminderung: Der legale Zugang über Apotheken hat den Konsum nicht erhöht, während sich mehr Konsumierende für risikoärmere Methoden wie das Dampfen entscheiden. Die Erkenntnisse könnten die nächste Revision des Bundesgesetzes über Cannabisprodukte beeinflussen.

Der legale Zugang über Apotheken hat den Konsum nicht erhöht, wie eine Zwischenbewertung der Schweizer Cannabis-Pilotprojekte zeigt. Die am 7. September 2026 in Bern vorgestellten Erkenntnisse liefern den Bundesgesetzgebern erste Hinweise darauf, dass ein regulierter Zugang die Art des Cannabiskonsums verändern kann, ohne die konsumierte Menge zu erhöhen.
Die Bewertung umfasst Pilotprojekte in Bern, Biel und Luzern. Das Vorhaben ermöglicht registrierten Teilnehmenden, Cannabis über regulierte Kanäle, darunter Apotheken, zu beziehen, während Forschende den Konsum und gesundheitsbezogenes Verhalten beobachten. Das Projekt startete 2024 und wurde bisher ohne Sicherheitsvorfälle durchgeführt.
Das Ergebnis ist bedeutsam, weil die Schweiz die nächste Revision des Bundesgesetzes über Cannabisprodukte vorbereitet. Die politischen Entscheidungsträger prüfen, ob ein kontrollierter Zugang Konsumierende mit Produktinformationen und gesundheitlichen Empfehlungen in Kontakt bringen kann. Die ersten Erkenntnisse stützen diesen Ansatz, lassen jedoch weitergehende Fragen zu langfristigen gesundheitlichen Folgen, zur Teilnahme und zur Durchsetzung unbeantwortet.
Der Bund hat das Pilotprojekt bis Oktober 2028 verlängert. So erhalten die Forschenden mehr Zeit, um zu prüfen, ob sich das anfängliche Muster bestätigt. Vorläufig weisen die Erkenntnisse aus den drei teilnehmenden Städten eher auf eine Veränderung der Konsumgewohnheiten als auf eine Ausweitung des Konsums hin.
Konsumierende ändern Methoden und geben Ratschläge weiter
Das Dampfen wird unter den Teilnehmenden häufiger, und gehört zu den deutlichsten Verhaltensänderungen, die in der Zwischenbewertung festgestellt wurden. Laut den Forschenden entscheiden sich Konsumierende zunehmend für Methoden, die als risikoärmer als das Rauchen gelten. Damit rückt die Schadensminderung ins Zentrum des Schweizer Experiments.
Diese Unterscheidung ist wichtig. Regulierte Verkäufe können Konsumierenden Zugang zu Beratung über Zubereitung, Dosierung und mögliche Gesundheitsrisiken verschaffen. Die zugrunde liegende Bewertung beziffert weder den Anteil der Teilnehmenden, die dampfen, noch behauptet sie, dass Dampfen risikofrei sei. Sie beschreibt eine Entwicklung: Menschen, die Cannabis über die Pilotprojekte beziehen, wählen zunehmend Alternativen zum Rauchen.
Diese Informationen können über die offiziellen Verkaufsstellen hinaus Verbreitung finden. Rund 71% der Teilnehmenden gaben an, Ratschläge an Personen aus ihrem sozialen Umfeld weitergegeben zu haben. Die Zahl deutet darauf hin, dass die Wirkung des Pilotprojekts über die registrierten Käuferinnen und Käufer hinausreichen könnte. Aus den verfügbaren Erkenntnissen geht jedoch nicht hervor, wie genau diese Ratschläge befolgt werden oder wie weit sie sich verbreiten.
Der Schweizer Ansatz verbindet somit eine kontrollierte Versorgung mit Informationen. Die nächsten Bewertungen müssen zeigen, ob die Veränderung der Konsummethode anhält, ob sie die Gesundheitsrisiken langfristig senkt und wie sie sich auf Personen auswirkt, die nicht an den Pilotprojekten teilnehmen.
Weitere Städte erweitern den Schweizer Versuch
Drei Städte haben die ersten Zwischenergebnisse geliefert, doch das Schweizer Experiment reicht inzwischen weit über Bern, Biel und Luzern hinaus. Cannabis-Pilotversuche laufen auch in Zürich, Basel, Lausanne, Genf, St. Gallen und Basel-Landschaft. Damit entsteht eine breitere Grundlage, um den regulierten Zugang in unterschiedlichen lokalen Kontexten zu vergleichen.
Die Pilotprojekte bilden kein einheitliches nationales Verkaufssystem. Jedes Projekt wird im Rahmen des Bundesrechts durchgeführt und richtet sich an klar definierte Gruppen von Teilnehmenden. So können Forschende und lokale Behörden beobachten, wie der Zugang in Apotheken und anderen zugelassenen Einrichtungen funktioniert, während die Teilnahmeberechtigung, die Versorgung und die Überwachung kontrolliert werden.
Dass es seit 2024 keine Sicherheitsvorfälle gab, ist ein weiterer erster Befund. Damit sind nicht alle Bedenken im Zusammenhang mit der Weitergabe von Cannabis, dem Konsum im öffentlichen Raum oder den Auswirkungen von Cannabis auf besonders gefährdete Personen ausgeräumt. Diese Aspekte müssen weiterhin beobachtet werden, insbesondere wenn weitere Gemeinden Erfahrungen mit dem Modell sammeln.
Regionale Erkenntnisse werden für die Revision des Bundesgesetzes besonders relevant sein. Ergebnisse aus grösseren Städten können sich von jenen aus kleineren städtischen Gebieten oder kantonalen Kontexten unterscheiden. Ein Vergleich der Teilnahme, der Konsummuster und der gemeldeten Schäden kann den Gesetzgebern dabei helfen, zu entscheiden, welche Schutzvorkehrungen in einen künftigen nationalen Rahmen gehören und welche weiterhin lokal geregelt werden sollten.
Erkenntnisse fliessen in die Bundesgesetzgebung ein
Oktober 2028 ist nun der zentrale Stichtag für die Erkenntnisgrundlage zu Cannabis in der Schweiz. Die Verlängerung durch den Bund gibt den Pilotprojekten zusätzliche Zeit, um zu messen, ob der regulierte Zugang weiterhin keinen höheren Konsum bewirkt und gleichzeitig risikoärmere Praktiken fördert.
Die Erkenntnisse werden in die Revision des Bundesgesetzes über Cannabisprodukte einfliessen. Die Gesetzgeber müssen die ersten Ergebnisse gegen die nach wie vor unvollständige Beweislage abwägen. Die aktuelle Bewertung stellt keinen Anstieg des Konsums, eine häufigere Nutzung von E-Zigaretten und keine Sicherheitsvorfälle in den teilnehmenden Pilotprojekten fest. Sie liefert weder eine nationale Schätzung des Cannabiskonsums noch eine langfristige Beurteilung der Gesundheit oder einen vollständigen Vergleich zwischen Teilnehmenden und Nichtteilnehmenden.
Diese Unterscheidung wird die politische Debatte prägen. Befürworterinnen und Befürworter eines regulierten Zugangs können auf ein kontrolliertes System verweisen, das Konsumierende mit Beratung in Kontakt bringt und keinen Anstieg des Konsums verursacht hat, den manche Kritiker befürchteten. Gegnerinnen und Gegner werden weiterhin die Wirkstoffstärke, den Zugang für junge Menschen, das Fahren unter Drogeneinfluss und die Möglichkeit prüfen, dass Cannabis ausserhalb der zugelassenen Kanäle weitergegeben wird.
Wie die Schweiz weiter vorgeht, hängt von den gesammelten Erkenntnissen aus allen teilnehmenden Regionen ab. Die Zwischenbewertung hat eine klare Entwicklung in den Pilotprojekten aufgezeigt. Nun muss geklärt werden, ob diese Entwicklung eine ausreichende Grundlage für das Bundesgesetz bietet.