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Swiss Observer

Führende Wirtschaftsverbände unterstützen Initiative zur Begrenzung der Personalkosten des Bundes

Mit Verweis auf den Fachkräftemangel in der Privatwirtschaft unterstützt eine Koalition führender Schweizer Wirtschaftsverbände, darunter economiesuisse, eine Volksinitiative, die eine Begrenzung der Personalausgaben des Bundes verlangt.

Führende Wirtschaftsverbände unterstützen Initiative zur Begrenzung der Personalkosten des Bundes
AISWI swissinfo.ch

Der Wirtschaftsmotor Schweiz schlägt Alarm: Eine mächtige Koalition von Wirtschaftsverbänden fordert, den Ausbau des Bundes umgehend zu stoppen. Economiesuisse, der Schweizerische Gewerbeverband und der Schweizerische Arbeitgeberverband unterstützen offiziell eine radikale Volksinitiative: die «Verwaltungsbremse». Dieser Schritt markiert einen kritischen Wendepunkt für die Privatwirtschaft, die den Staat inzwischen nicht mehr als Partner, sondern als räuberischen Konkurrenten um Fachkräfte betrachtet. Monika Rühl, Direktorin von economiesuisse, betont, dass die Wirtschaft dringend Entlastung brauche, um ihre globale Stellung zu behaupten. Die Initiative sieht eine strikte Obergrenze für die Personalausgaben vor, sodass die Kosten des Bundes nie stärker steigen als das Medianlohnwachstum der Schweizer Erwerbsbevölkerung. Es geht nicht mehr nur um eine politische Debatte, sondern um den strukturellen Zusammenhalt des Schweizer Marktes.

Ein enormer Lohnunterschied von 12 Prozent verzerrt den Wettbewerb um Talente

Der Bund zahlt derzeit für Stellen, mit denen die Privatwirtschaft schlicht nicht mithalten kann, einen massiven Lohnaufschlag von 12 Prozent. Diese alarmierende Zahl, auf die Roland Müller vom Schweizerischen Arbeitgeberverband hinweist, zeigt einen verzerrten Arbeitsmarkt, in dem KMU bei der Suche nach Talenten zunehmend das Nachsehen haben. Während private Unternehmen mit einem chronischen Fachkräftemangel kämpfen, lockt der öffentliche Sektor Spitzenfachkräfte weiterhin mit steuerfinanzierten Leistungen und überhöhten Löhnen. Urs Furrer vom Schweizerischen Gewerbeverband warnt, dass dieses Ungleichgewicht für die Tausenden kleiner Unternehmen, die das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft bilden, nicht tragbar sei. Die Befürworter argumentieren, eine Personalbremse werde den Staat zwingen, endlich unter gleichen Bedingungen zu konkurrieren und die Ära der «goldverzierten» Arbeitsverträge im öffentlichen Dienst zu beenden, die der Privatwirtschaft die Vitalität entziehen.

Explosives Wachstum: 5'600 neue Stellen belasten das System

Zwischen 2010 und 2024 wuchs die Belegschaft der Bundesverwaltung um beachtliche 17 Prozent. Damit kamen mehr als 5'600 Vollzeitstellen hinzu. Noch erstaunlicher sind die Kosten: Die Ausgaben für Personal und externe Beratungsleistungen stiegen um 32 Prozent auf insgesamt 7,1 Milliarden Franken. Jonas Lüthy, Präsident der Jungfreisinnigen, bezeichnet dies als «ungesundes Wachstum», das zu einem strukturellen Ungleichgewicht im Bundeshaushalt geführt habe. Diese rasche Ausdehnung erfolgte trotz der digitalen Revolution, von der man erwartet hatte, dass sie Abläufe verschlankt und nicht aufbläht. Die vorgeschlagene Initiative soll sich an der erfolgreichen Schweizer «Schuldenbremse» orientieren und dieselbe strenge Haushaltsdisziplin auf die Personalpolitik anwenden. Die Befürworter argumentieren, dass die Bundesbürokratie ohne diesen Eingriff weiterhin Ressourcen beanspruchen werde, die Innovation und Privatwirtschaft zugutekommen sollten.

Die Zukunft begrenzen: Der Kampf um 100'000 Unterschriften

Für die Initiantinnen und Initianten läuft nun die Zeit: Bis zum 14. Oktober 2027 müssen sie 100'000 gültige Unterschriften sammeln, damit die Vorlage zur nationalen Abstimmung kommt. Diese Kampagne ist ein entscheidender Moment für die direkte Demokratie der Schweiz. Sie wird zeigen, ob die Bevölkerung einem schlankeren Staat oder einem wachsenden Verwaltungsapparat den Vorrang gibt. Bei einem Erfolg wird die Initiative das Parlament und die Verwaltung zwingen, ihre Arbeitsabläufe neu zu gestalten und Effizienz statt Stellenzahl in den Vordergrund zu stellen. Die Bewegung hat bereits Unterstützung aus verschiedenen politischen Lagern erhalten. Das deutet auf einen breiten Konsens hin, dass der derzeitige Kurs finanzpolitisch unverantwortlich ist. Mit zunehmender Intensität der Unterschriftensammlung dürfte sich die Debatte auf die grundlegende Rolle des Staates in einer modernen Wirtschaft konzentrieren. Für die Wirtschaft ist die Botschaft klar: Das ungebremste Wachstum des Bundes muss enden, damit die Schweiz der wettbewerbsfähigste Wirtschaftsstandort der Welt bleibt.