Schweiz
Schweizer Banken rekrutieren zurückhaltender, offene Stellen gehen zurück
Die Zahl der offenen Stellen bei den zehn grössten Banken der Schweiz sank im September im Jahresvergleich um 14 Prozent und lag deutlich unter dem Stand von 2023. Besonders ausgeprägt waren die Rückgänge bei der UBS, während die Branche ihren Personalbedarf weiter anpasst.

Die Schweizer Banken schrieben im September 515 Stellen aus, womit Jobsuchenden bei den führenden Finanzinstituten des Landes weniger offene Stellen zur Verfügung standen. Gegenüber August sank die Zahl laut einer Analyse des Jobportals Indeed für die Nachrichtenagentur Awp um 2 Prozent. Die Zahlen umfassen Stellen, die auf den Schweizer Websites der zehn grössten Unternehmen der Branche ausgeschrieben waren.
Der Rückgang im Jahresvergleich fällt deutlicher aus. Die Zahl der Stellenanzeigen sank gegenüber September 2025 um 14 Prozent, gegenüber September 2024 um 27 Prozent und gegenüber September 2023 um 72 Prozent. Im Vergleichszeitraum der Erhebung erreichte die Rekrutierung damit ihren tiefsten Stand.
Die Zahlen geben einen zeitnahen Einblick in die Arbeitskräftenachfrage im Schweizer Bankensektor. Banken schreiben weiterhin Stellen aus, jedoch deutlich weniger als in den drei Vorjahren. Die Analyse berücksichtigt nur Stellen in der Schweiz und lässt die internationale Rekrutierung derselben Gruppen ausser Acht.
Für Bewerbende in Zürich, Genf, Basel und anderen Finanzzentren verringert sich die Zahl der sichtbaren Einstiegsmöglichkeiten und Stellen für erfahrene Fachkräfte. Die Zahlen zeigen zudem die Nachfrage der Arbeitgeber zu einem Zeitpunkt, an dem immer mehr Menschen im gesamten Bankensektor Arbeit suchen.
Den Rückgang bei den grossen Banken verfolgen
Bei allen zehn untersuchten Banken war die Arbeitskräftenachfrage schwächer, wobei die UBS zu den Instituten mit den deutlichsten Rückgängen gehörte. Die Quellenanalyse weist keine separate Zahl offener Stellen pro Bank aus, beschreibt das Muster jedoch als breit abgestützt und nicht auf einen einzelnen Arbeitgeber beschränkt.
Das ist für den Schweizer Arbeitsmarkt im Finanzsektor von Bedeutung. Die UBS ist die grösste Bank des Landes, und ihre Rekrutierungsentscheide haben branchenweit Gewicht, insbesondere bei erfahrenen Mitarbeitenden in Bereichen wie Operations, Technologie, Compliance und Anlagedienstleistungen. Aus den verfügbaren Zahlen geht nicht hervor, bei welchen Stellen der Rückgang am stärksten war. Die Daten sind deshalb als Mass für die gesamte Rekrutierungstätigkeit zu verstehen und nicht als Aufschlüsselung der gefragten Kompetenzen.
Der Rückgang erfolgt zudem vor dem Hintergrund eines längerfristigen Abbaus ausgeschriebener Stellen. Gegenüber September 2023 ist die Zahl der offenen Stellen um 72 Prozent gesunken. Die monatliche Veränderung fiel mit 2 Prozent zwischen August und September geringer aus. Das deutet auf einen schrittweisen Rückgang und nicht auf einen Einbruch in einem einzelnen Monat hin.
Die Erhebung von Indeed erfasst ausgeschriebene Stellen, aber nicht jede Anstellungsentscheidung. Banken können Stellen intern besetzen, Personalvermittlungen beiziehen oder Personen direkt ansprechen. Trotz dieser Einschränkung deutet die übereinstimmende Entwicklung bei den zehn Instituten auf zurückhaltendere Rekrutierungspläne in der Schweiz hin.
Die Zahl der Stellensuchenden erfassen
Laut den jüngsten Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) waren im September 4638 ehemalige Bankangestellte als arbeitslos gemeldet. Das waren fast ein Fünftel mehr als im September 2025. Damit ist die Zahl der Stellensuchenden gestiegen, während die ausgeschriebenen Stellen zurückgegangen sind.
Im Monatsvergleich war die Entwicklung etwas stabiler. Die Zahl sank von August bis September um 0,5 Prozent. Diese Abnahme bietet nur begrenzt Entlastung, da der Jahreswert weiterhin deutlich über dem Vorjahresniveau liegt und gleichzeitig weniger neue Stellen ausgeschrieben werden.
Die Zahl des SECO umfasst Personen in der ganzen Schweiz, die zuvor bei einer Bank gearbeitet haben und als arbeitslos gemeldet sind. Sie zeigt nicht, wie lange die einzelnen Personen bereits Arbeit suchen, welche Funktionen sie innehatten oder ob sie eine Stelle innerhalb oder ausserhalb des Finanzsektors anstreben. Diese Angaben wären nötig, um beurteilen zu können, wie schnell der Sektor entlassene Mitarbeitende wieder aufnimmt.
Die Daten verknüpfen dennoch zwei Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt: Banken schreiben weniger Stellen aus, während mehr ehemalige Bankangestellte bei der Arbeitslosenversicherung gemeldet sind. Diese Kombination verschärft den Wettbewerb um verfügbare Stellen, insbesondere für Bewerbende, deren Erfahrung eng mit klassischen Bankfunktionen verbunden ist.
Sich auf einen umkämpfteren Bankenarbeitsmarkt einstellen
Die Septemberzahlen bedeuten für den Schweizer Bankensektor weniger ausgeschriebene Wege in den Beruf und mehr arbeitslos gemeldete Stellensuchende aus der Branche. Die Auswirkungen unterscheiden sich je nach Funktion, Erfahrung und Standort, denn aus den veröffentlichten Daten geht nicht hervor, in welchen Abteilungen oder Kantonen die grössten Veränderungen zu verzeichnen waren.
Für junge Menschen, die eine Karriere im Bankwesen erwägen, zeichnen die Zahlen ein Bild einer Branche im Wandel. Das traditionelle Bild grosser Banken als verlässliche Anbieter regelmässiger Einstiegsstellen gerät angesichts des starken Rückgangs ausgeschriebener Stellen seit 2023 unter Druck. Bewerbende müssen möglicherweise um weniger Stellen konkurrieren oder sich bei einem breiteren Kreis von Finanzarbeitgebern umsehen, darunter Versicherungen, Technologieunternehmen, Vermögensverwalter und öffentliche Institutionen. Die Quelldaten erfassen diese alternativen Möglichkeiten nicht, weshalb sich deren Umfang aus dieser Erhebung nicht ableiten lässt.
Für erfahrene Mitarbeitende unterstreicht die steigende Zahl arbeitslos gemeldeter ehemaliger Bankangestellter die Bedeutung übertragbarer Kompetenzen. Technologie, Risikomanagement, Regulierung und Kundenberatung sind weiterhin Teil einer breit aufgestellten Finanzwirtschaft, doch die Zahlen zu den offenen Stellen geben keinen Aufschluss über die Nachfrage in einzelnen Fachgebieten.
Die nächsten monatlichen Zahlen werden zeigen, ob sich der Rückgang von 2 Prozent im September fortsetzt. Vorerst ist die Richtung klar: Schweizer Banken rekrutieren zurückhaltender, und der Arbeitsmarkt bietet ehemaligen Bankangestellten weniger Spielraum für einen Stellenwechsel.