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Swiss Observer

Schweizer Banken bauen Personalrekrutierung ab, Stelleninserate gehen zurück

Die Stelleninserate bei den zehn führenden Banken der Schweiz gingen im August um 10% zurück und liegen rund ein Drittel unter dem Stand vor drei Jahren. Der Rückgang zeigt, wie Umstrukturierungen, Automatisierung und eine zurückhaltendere Personalrekrutierung den Arbeitsmarkt im Finanzsektor verändern.

Schweizer Banken bauen Personalrekrutierung ab, Stelleninserate gehen zurück
AISWI swissinfo.ch

Die Schweizer Banken schrieben im August 524 Stellen aus, 10% weniger als im Juli. Der monatliche Rückgang zeigt erneut, wie vorsichtig die grössten Finanzarbeitgeber des Landes bei der Personalrekrutierung vorgehen. Die Zahlen stammen aus einer Analyse des Stellenportals Indeed, die im Auftrag der Nachrichtenagentur AWP durchgeführt wurde, und umfassen Stellen, die auf den Schweizer Websites der zehn führenden Banken des Landes ausgeschrieben waren.

Der Rückgang ist bedeutsam, weil die Personalrekrutierung bei Banken seit Langem ein nützlicher Indikator für die Lage des Schweizer Finanzplatzes ist. Weniger Inserate bedeuten weniger offene Stellen für Hochschulabsolventinnen und -absolventen, erfahrene Fachkräfte und Arbeitnehmende, die zwischen Instituten wechseln möchten. Sie deuten auch darauf hin, dass der Sektor seine Belegschaft straffer steuert, während Umstrukturierungen, Automatisierung und eine schwächere Nachfrage den Arbeitsalltag verändern.

Auf längere Sicht ist der Rückgang ausgeprägter. Die Zahl der offenen Stellen bei den zehn Banken liegt inzwischen rund ein Drittel unter dem Stand vor drei Jahren. Dieser Rückgang erfolgte, während die Arbeitslosenquote im Finanzsektor laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft 3,6% erreicht hat. Die Daten erfassen nicht jede Bankstelle in der Schweiz, und die Zahl der Inserate kann von Monat zu Monat schwanken. Sie zeigen jedoch einen anhaltenden Rückgang der öffentlich ausgeschriebenen Stellen bei grossen Kreditinstituten.

Für Stellensuchende bedeutet die August-Zahl einen engeren Einstieg in eine der sichtbarsten Branchen der Schweiz.

Raiffeisen schränkt die Personalrekrutierung ein

Raiffeisen verzeichnete den stärksten gemeldeten monatlichen Rückgang: Die Zahl der offenen Stellen sank um 16% auf 174. Die Zahlen wurden bekannt, nachdem die Genossenschaftsbank einen umfangreichen Stellenabbau angekündigt hatte. Damit stehen die Rekrutierungsdaten im Zusammenhang mit umfassenderen Bemühungen, Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern.

Raiffeisen meldete, dass der Gewinn im ersten Halbjahr 2026 um fast ein Fünftel gestiegen sei. Dennoch plant die Bank gemäss einem separaten Bericht vom 26. August den Abbau von bis zu 180 Stellen. Höhere Erträge haben den Druck nicht beseitigt, Personalbestand, Prozesse und die Kosten für die Erbringung von Bankdienstleistungen in der Schweiz zu überprüfen.

Diese Kombination ist für den Arbeitsmarkt bedeutsam. Eine Bank kann höhere Gewinne erzielen und gleichzeitig weniger neue Stellen schaffen, wenn sie Routineaufgaben automatisiert, Teams neu organisiert oder Tätigkeiten an weniger Standorten bündelt. Die Zahlen zu den offenen Stellen zeigen nicht, welche Funktionen weggefallen sind, und beziffern weder interne Wechsel noch nicht ausgeschriebene Einstellungen. Sie zeigen jedoch, dass sich Raiffeisens öffentlich sichtbare Rekrutierungspipeline verengt hat, während das Umstrukturierungsprogramm konkreter wurde.

Raiffeisen ist in zahlreichen Schweizer Kantonen präsent und betreut eine grosse inländische Kundschaft. Veränderungen bei der Gruppe wirken sich deshalb über den grossen Finanzplatz Zürich hinaus aus. Sie betreffen regionale Arbeitsmärkte, in denen eine lokale Bank für Kundenberaterinnen und Kundenberater, Mitarbeitende im operativen Geschäft, Technologiespezialistinnen und -spezialisten sowie Lernende ein wichtiger Arbeitgeber bleibt.

UBS bietet Bewerbenden weniger Möglichkeiten

UBS verzeichnete einen leichten Anstieg der offenen Stellen, doch insgesamt gab es nur rund 60 Inserate für Stellen in der Schweiz. Laut der August-Auswertung ist das nur ein Bruchteil der Möglichkeiten, die die Bank noch vor ein paar Jahren ausgeschrieben hatte. UBS zeichnet damit ein gemischteres monatliches Bild, fügt sich aber weiterhin in den längerfristigen Rückgang bei den führenden Instituten ein.

Das Ergebnis der Bank zeigt auch, weshalb ein einzelner Monat vorsichtig beurteilt werden sollte. Die Personalrekrutierung verläuft bei den grossen Schweizer Kreditinstituten nicht im Gleichschritt. Ein Institut kann Stellen in den Bereichen Technologie, Compliance oder Vermögensverwaltung ausschreiben, während ein anderes Stellen einfriert oder den Personalbestand reduziert. Der Gesamttrend ist aussagekräftiger als die monatliche Entwicklung bei einer einzelnen Bank.

Die in der Erhebung erfassten Stelleninserate bezogen sich ausschliesslich auf Stellen in der Schweiz. Die Zahl umfasst weder alle offenen Stellen im internationalen Geschäft noch interne Ernennungen oder über andere Kanäle besetzte Funktionen. Trotz dieser Einschränkungen weist der Vergleich über drei Jahre auf eine wesentliche Veränderung beim Umfang der externen Personalrekrutierung hin.

Die Schweizer Banken benötigen weiterhin Fachkräfte, insbesondere um ihre Plattformen zu modernisieren, regulatorische Anforderungen zu erfüllen und internationale Kundinnen und Kunden zu betreuen. Der Markt wird selektiver. Bewerberinnen und Bewerber finden weniger öffentlich ausgeschriebene Stellen, und Arbeitgeber können technisches Fachwissen, digitale Kompetenzen, Risikokontrollen sowie die Fähigkeit, mit zunehmend automatisierten Systemen zu arbeiten, stärker gewichten.

Automatisierung erhöht die Anforderungen an neue Bankstellen

Die Zahl der offenen Stellen bei den zehn Banken liegt inzwischen rund ein Drittel unter dem Stand vor drei Jahren. Dieser Rückgang bildet einen strukturellen Wandel auf dem Arbeitsmarkt des Schweizer Finanzsektors ab und nicht bloss einen schwachen Monat bei der Personalrekrutierung. Die Banken überprüfen, wie viele Mitarbeitende sie benötigen, wo die Arbeit ausgeführt werden soll und welche Aufgaben die Technologie übernehmen kann.

Die Automatisierung hat die Verarbeitung, den Kundendienst und die Backoffice-Abläufe in der gesamten Branche verändert. Umstrukturierungen können zudem Aufgaben zwischen Teams oder Standorten verlagern, ohne dass eine neue Stelle öffentlich ausgeschrieben wird. Die verfügbaren Daten unterscheiden nicht zwischen Automatisierung und anderen Ursachen wie der Geschäftslage, Fusionen, Kosteneinsparungen oder Nachfrageveränderungen. Sie belegen jedoch, dass die Zahl der ausgeschriebenen Stellen im Laufe der Zeit zurückgegangen ist.

Für die Schweiz hat dies Folgen für die Ausbildung und die Karriereplanung. Das Bankwesen ist in Zürich, Genf, Basel und vielen regionalen Zentren ein bedeutender Arbeitgeber. Eine kleinere Zahl von Hochschulabsolventinnen und -absolventen, die eingestellt werden, kann sich auf Lehrstellen, den Berufseinstieg und den Wechsel erfahrener Arbeitskräfte zwischen Instituten auswirken. Junge Menschen, die eine Tätigkeit im Bankwesen in Betracht ziehen, müssen möglicherweise auch die veränderten Kompetenzanforderungen der Branche und einen stärker umkämpften Bewerbungsprozess berücksichtigen.

Die Zahlen deuten auf einen Arbeitsmarkt hin, in dem Banken weiterhin Personal rekrutieren, jedoch mit strengeren Vorgaben für den Personalbestand und gezielterem Bedarf. Öffentlich ausgeschriebene Stellen verlangen zunehmend spezifische Kompetenzen, statt eine breite Expansion über verschiedene Abteilungen hinweg abzubilden.

Ein kleinerer Arbeitsmarkt stellt Beschäftigte im Schweizer Finanzwesen auf die Probe

Die Arbeitslosenquote im Finanzsektor liegt bei 3,6%, während die Banken weniger Stellen ausschreiben. Die vom Staatssekretariat für Wirtschaft gemeldete Zahl setzt den Rückgang der offenen Stellen in einen breiteren Beschäftigungskontext. Schweizer Banken schreiben weniger Stellen aus, während mehr Personen im Sektor bei der Suche nach ihrer nächsten Stelle vor grösseren Herausforderungen stehen.

Die August-Erhebung kann nicht vorhersagen, wie viele weitere Entlassungen in der Branche folgen werden. Sie zeigt auch nicht, ob Mitarbeitende, die Grossbanken verlassen, Stellen bei kleineren Kreditinstituten, Versicherungen, Fintech-Unternehmen oder Finanzdienstleistern finden werden. Das hängt vom Tempo der Umstrukturierungen und von der Nachfrage nach Kompetenzen ab, die Banken weiterhin benötigen.

Das unmittelbare Signal für Arbeitgeber und Bewerbende ist klar. Die zehn führenden Banken schrieben im August 524 Stellen aus, weniger als im Juli und deutlich weniger als vor drei Jahren. Raiffeisens 174 Inserate und die rund 60 von UBS veranschaulichen die unterschiedlichen monatlichen Entwicklungen innerhalb desselben enger werdenden Marktes.

Der Schweizer Finanzplatz bleibt eine wichtige Quelle für spezialisierte Arbeitsplätze, doch sein Rekrutierungsmodell verändert sich. Künftiges Wachstum dürfte gezielte Einstellungen in den Bereichen Technologie, Risikomanagement, Compliance und Kundenbetreuung begünstigen. Für Arbeitnehmende belohnt der Bankenarbeitsmarkt nun Mobilität und Weiterbildung ebenso stark wie traditionelle Erfahrung im Finanzwesen. Für Politik und Bildungswesen ist der Trend bei den Stelleninseraten ein Frühindikator dafür, wohin sich die Finanzbelegschaft des Landes entwickelt.