Zum Inhalt springen
Swiss Observer

SWISS führt kostenloses Starlink-Internet in ihrer Flotte ein

SWISS hat damit begonnen, kostenloses Starlink-Internet an Bord ihrer Flugzeuge einzuführen. Bis Ende 2029 soll die Technologie in der gesamten Flotte der Airline verfügbar sein.

SWISS führt kostenloses Starlink-Internet in ihrer Flotte ein
AISWI swissinfo.ch

SWISS hat kostenloses Satelliteninternet für Passagiere eingeschaltet, zunächst auf einem Airbus A320neo und auf einer Strecke von Zürich nach Thessaloniki. Das Flugzeug mit dem Namen «Iseltwald» ist das erste in der Flotte der Schweizer Airline, das im Linienverkehr Starlink-Verbindung anbietet. Der Start markiert den Beginn eines Programms, das SWISS bis Ende 2029 in der gesamten Flotte abschliessen will.

Der Dienst wird unter der Marke der Lufthansa Group «Lufthansa Group Wi-Fi powered by Starlink» eingeführt. SWISS plant, drei weitere Flugzeuge der Airbus-A320-Familie auszurüsten, bevor das System schrittweise auf andere Flugzeuge ausgeweitet wird.

Für Passagiere ist die unmittelbare Änderung einfach: In jeder Kabine wird der Internetzugang ohne Aufpreis verfügbar sein. Reisende müssen sich mit einer Travel ID oder der Servicekartennummer von Miles & More anmelden. Nach der Verbindung können sie Nachrichten senden, Fotos teilen und während des Flugs verschiedene Online-Dienste nutzen.

Der Start erfolgt, während Airlines darum wetteifern, die Konnektivität zum festen Bestandteil des Reiseerlebnisses zu machen. Bei SWISS beginnt dieser Anspruch nun auf Kurz- und Mittelstreckenflügen ab der Schweiz.

Passagiere melden sich an und halten sich an die Regeln an Bord

Die ersten Nutzerinnen und Nutzer verbinden sich mit ihren bestehenden Zugangsdaten der Lufthansa Group. Damit bleibt die Anmeldung an die Treue- und Reisesysteme von SWISS gekoppelt. Laut Airline wird das Internet für Passagiere in Economy, Business und den übrigen Reiseklassen kostenlos sein. Damit entfällt eine Preisbarriere, die Bord-Internetangebote bisher oft voneinander unterschieden hat.

Die Lösung bietet SWISS zudem eine direkte Möglichkeit, das Erlebnis an Bord mit Travel ID und Miles & More zu verknüpfen. Passagiere, die sich nicht mehr an ihre Zugangsdaten für das Treueprogramm erinnern, müssen möglicherweise einen zusätzlichen Schritt ausführen, bevor sie im Internet surfen können. Wie die Registrierung oder Unterstützung an Bord funktionieren wird, hat die Quelle jedoch nicht näher ausgeführt.

Zu den genannten Einsatzmöglichkeiten gehören alltägliche Aufgaben auf Reisen: der Familie Nachrichten senden, Fotos teilen und auf Online-Dienste zugreifen. Das könnte Schweizer Reisenden die Arbeit während des Flugs erleichtern, ebenso das Prüfen von Anschlussverbindungen, das Verfolgen von Nachrichten oder die Organisation von Transfers nach der Landung. Die tatsächliche Leistung kann je nach Flugzeug, Strecke, Nachfrage und Stand der Einführung variieren. SWISS hat ausser dem Ziel, die Einführung bis Ende 2029 abzuschliessen, keinen Zeitplan für die Ausrüstung der gesamten Flotte veröffentlicht.

Der Dienst unterliegt auch klaren Einschränkungen. Sprach- und Videoanrufe sowie Livestreams sind verboten, und für Videos oder Audio müssen Passagiere Kopfhörer verwenden. Laut Airline sollen Reisende die Privatsphäre anderer Passagiere und der Besatzung respektieren, wenn sie Bilder aufnehmen oder teilen.

Ein neuer Massstab für europäische Airlines

SWISS macht Konnektivität zu einer Standardleistung. Das dürfte die Erwartungen in der europäischen Luftfahrt erhöhen, noch bevor die Einführung alle Flugzeuge erreicht hat. Die Airline hat nicht angekündigt, dass alle Flugzeuge sofort verbunden sein werden. Wegen der schrittweisen Einführung können Passagiere je nach dem für ihren Flug eingesetzten Flugzeug unterschiedliche Erlebnisse an Bord haben.

Das wird für Reisende wichtig sein, die über Zürich, Genf und andere Schweizer Drehkreuze fliegen. Kundinnen und Kunden könnten in einem A320neo kostenloses Hochgeschwindigkeitsinternet erhalten, in einem anderen Flugzeug hingegen ein anderes System oder bis zum weiteren Fortschreiten des Programms keinen vergleichbaren Dienst vorfinden. Mit der Entscheidung, den Zugang in allen Klassen kostenlos anzubieten, setzt die Airline einen klaren Massstab für das Kundenerlebnis, insbesondere auf Strecken, auf denen Passagiere zunehmend erwarten, erreichbar zu bleiben.

Die Wettbewerbswirkung wird weniger vom Namen des Satellitendienstes als von der Zuverlässigkeit und Benutzerfreundlichkeit abhängen. Eine schnelle Verbindung, die durchgehend funktioniert, kann Arbeit, Nachrichten und die Reiseplanung unterstützen. Ein System, bei dem wiederholte Anmeldungen nötig sind oder das bei hoher Auslastung schlecht funktioniert, verliert schnell an Wert. SWISS hat in den für diesen Start verfügbaren Informationen keine öffentlichen Leistungsziele genannt.

Indem die Airline die Technologie unter der WLAN-Marke der Lufthansa Group anbietet, signalisiert sie ausserdem, dass Bord-Internet zu einem gruppenweiten Produkt wird und nicht länger nur eine einzelne Zusatzleistung auf ausgewählten Flugzeugen ist.

Die Kabine wird nützlicher, aber nicht lauter

Der Dienst wird den Alltag an Bord durch kleine, praktische Vorteile verändern und nicht durch unbegrenzten digitalen Zugang. Passagiere können nach dem Start eine Nachricht senden, eine Hotelbuchung bestätigen oder ein Foto teilen, ohne bis zur Landung warten zu müssen. Geschäftsreisende können auf einem kurzen Europaflug einfache Online-Arbeiten erledigen. Diese Nutzungsmöglichkeiten entsprechen den von SWISS angekündigten Einschränkungen und verhindern, dass die Kabine zu einem Ort für uneingeschränkte Anrufe oder Streaming wird.

Das Verbot von Sprach- und Videoanrufen schützt das gemeinsame Umfeld, für das Airlines in 30'000 Fuss Höhe sorgen müssen. Für Videos und Audio sind weiterhin Kopfhörer vorgeschrieben. Zudem gelten Erwartungen an die Privatsphäre, wenn Fotos und Videos andere Passagiere oder Besatzungsmitglieder zeigen. Diese Regeln setzen einem Dienst soziale Grenzen, der das Flugzeug stärker vernetzen soll.

Die langfristigen Auswirkungen hängen davon ab, wie schnell SWISS ihre Flugzeuge ausrüstet und wie die Passagiere das kostenlose Angebot annehmen. Das erste Flugzeug ist bereits im Einsatz, doch das Ziel, die gesamte Flotte auszustatten, reicht bis 2029. Während des Übergangs wird es daher noch mehrere Jahre lang unterschiedliche Möglichkeiten zur Internetnutzung geben.

Für die Schweiz verbindet die Einführung das Kundenerlebnis einer nationalen Airline mit einem breiteren Wandel hin zu zuverlässigem digitalem Zugang. Für manche Passagiere wird Bord-Internet neben Flugplänen, Tarifen, Gepäckbestimmungen und Treuevorteilen zu einem Kriterium bei der Reiseentscheidung. SWISS hat diesen Vergleich nun vereinfacht: Entscheidend ist, ob die Verbindung funktioniert, wenn Reisende sie brauchen.