Sunrise
Sunrise prüft bis zu 450 weitere Stellenstreichungen
Sunrise prüft bis zu 450 weitere Stellenstreichungen. Das entspricht fast 16 % der aktuellen Belegschaft. Das Unternehmen überprüft sein Geschäftsmodell. Zusammen mit den bereits Anfang dieses Jahres angekündigten Kürzungen könnte der Telekommunikationsanbieter 2026 bis zu 600 Stellen abbauen.

Bis zu 450 Mitarbeitende von Sunrise könnten ihre Stelle verlieren. Damit kommt es in der Schweizer Telekommunikationsbranche zu einer weiteren grossen Restrukturierungsrunde. Der in Glattbrugg bei Zürich ansässige Anbieter teilte am 21. September 2026 mit, dass er sein Betriebsmodell überprüft und den Abbau von fast 16 % seiner 2900 Mitarbeitenden prüft.
Der geplante Abbau käme zu den 147 Stellen hinzu, die Sunrise Anfang Jahr angekündigt und im Sommer umgesetzt hat. Setzt das Unternehmen den gesamten Plan um, könnten 2026 bis zu 600 Stellen wegfallen.
Sunrise, der zweitgrösste Telekommunikationsanbieter der Schweiz, begründete den Schritt mit veränderten Marktbedingungen und technologischen Entwicklungen. Die Restrukturierung soll mittelfristig zu «substanziellen Einsparungen» führen. Ein finanzielles Ziel hat das Unternehmen jedoch nicht genannt.
Die Ankündigung setzt Mitarbeitende und ihre Vertretungen unter Druck, während Sunrise im vierten Quartal das gesetzlich vorgeschriebene Konsultationsverfahren einleiten will. Das Unternehmen hat noch keine detaillierte Aufschlüsselung der betroffenen Stellen vorgelegt. Damit ist das Ausmass der möglichen Auswirkungen klar, ihre Verteilung bleibt jedoch offen.
Kostensenkungen als Antrieb für die Überprüfung des Betriebsmodells
Die mögliche Gesamtzahl von 600 Stellenstreichungen ist Teil eines zweistufigen Kostensenkungsprogramms und keine einzelne, isolierte Ankündigung. Sunrise schloss im Sommer den Abbau von 147 Stellen ab. Nun prüft das Unternehmen im Zuge einer Neugestaltung seiner Betriebsabläufe den Abbau von bis zu 450 weiteren Vollzeitstellen.
Finanzchef Jany Fruytier sagte der Nachrichtenagentur AWP im August, dass die bereits umgesetzten Kürzungen die Personalkosten voraussichtlich um rund 5 % senken würden. Sunrise hat nicht mitgeteilt, wie viel zusätzliche Einsparungen der neue Plan bringen könnte.
Das Unternehmen hat auch nicht geklärt, ob alle Stellen der neuesten Zahl zusätzlich zu den zuvor genannten 147 Stellen anfallen. Keystone-SDA berichtete von einer weiteren grossen Abbaurunde. Zusammengerechnet könnten die beiden Massnahmen die Gesamtzahl bei Sunrise auf 600 erhöhen.
Die Überprüfung spiegelt den Kostendruck wider, dem etablierte Telekommunikationsanbieter ausgesetzt sind. Netze erfordern kontinuierliche Investitionen, während sich Kundenerwartungen, digitale Dienste und Automatisierung weiterentwickeln und die Anforderungen an die Arbeit im Unternehmen verändern. Sunrise will nach eigenen Angaben angesichts dieser Entwicklungen die operative Umsetzungskraft und die Marktposition stärken.
Filialen und Kundendienst weitgehend verschont
Nach den bisherigen Angaben von Sunrise dürften die meisten vorgeschlagenen Kürzungen die Teams mit direktem Kundenkontakt nicht betreffen. Mitarbeitende in Filialen, im Verkauf und im Kundendienst sollen weitgehend verschont bleiben. Auch Lernende seien nicht betroffen, teilte das Unternehmen mit.
Damit dürfte sich der mögliche Abbau auf andere Bereiche der Organisation konzentrieren. Sunrise hat jedoch keine bestimmten Abteilungen oder Berufsgruppen genannt. Diese Unterscheidung ist in einem Unternehmen wichtig, das kundennahe Tätigkeiten mit Netzmanagement, Technologie, Administration und Unternehmensfunktionen verbindet. Die Mitarbeitenden dieser Bereiche warten nun auf weitere Einzelheiten im Konsultationsverfahren.
Sunrise will im vierten Quartal 2026 wie vom Schweizer Arbeitsrecht vorgeschrieben die Arbeitnehmervertretungen und Syndicom konsultieren. Die Gewerkschaft wird den Mitarbeitenden damit einen formellen Weg bieten, den Plan anzufechten, Alternativen vorzuschlagen und Informationen zu Auswahlkriterien und Unterstützungsmassnahmen einzuholen.
Bis das Verfahren beginnt, bleibt die genannte Zahl ein Höchstwert und keine endgültige Bilanz. Sunrise könnte weniger Stellen abbauen, die betroffenen Funktionen anpassen oder den Zeitplan nach Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretungen ändern. Das Unternehmen hat keine weiteren Angaben zur regionalen Verteilung gemacht. Daher lässt sich noch nicht abschätzen, welche Auswirkungen Zürich und andere Schweizer Standorte treffen werden.
Eine Bewährungsprobe für die Schweizer Telekommunikationsbranche
Die Ankündigung von Sunrise reiht sich in eine grössere Welle geplanter Stellenkürzungen in der Schweiz ein. Unternehmen aus mehreren Branchen haben Kürzungen angekündigt oder vorbereitet. Damit stehen Beschäftigung und Restrukturierungen wieder im Zentrum der nationalen Wirtschaftsdiskussion.
Der Telekommunikationssektor steht besonders unter dem Druck des technologischen Wandels. Syndicom hat kürzlich die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf ICT-Berufe untersucht und darauf hingewiesen, dass neue Werkzeuge bereits zum Arbeitsalltag der Branche gehören. Sunrise führte die geplanten Kürzungen nicht direkt auf künstliche Intelligenz zurück, nannte neue Technologietrends aber als einen Grund für die Überprüfung des Betriebsmodells.
Der nächste entscheidende Schritt ist das für das vierte Quartal geplante Konsultationsverfahren. Mitarbeitende und Syndicom werden Klarheit darüber verlangen, welche Funktionen betroffen sind, nach welchen Kriterien Sunrise Stellen auswählt und welche Unterstützung das Unternehmen austretenden Mitarbeitenden bietet. Das Ergebnis wird darüber entscheiden, ob der angekündigte Höchstwert zur endgültigen Zahl wird.
Für den Schweizer Arbeitsmarkt zeigt dieser Fall konkret, wie grosse Dienstleistungsunternehmen sich auf den digitalen Wettbewerb und den Kostendruck einstellen. Sunrise ist weiterhin ein bedeutender Anbieter in der Schweiz und bedient seine Kundschaft über Filialen, Verkaufsteams, Servicekanäle und technische Infrastruktur. Eine endgültige Restrukturierung wird sich deshalb nicht nur auf die interne Lohnliste des Unternehmens auswirken, sondern auch auf die Gemeinden, in denen es tätig ist.