Luftfahrt
Rauchende Powerbank zwingt weiteren SWISS-Flug zur Umleitung
Ein SWISS-Flug von Zürich nach Boston musste in Dublin notlanden, nachdem die Powerbank eines Passagiers zu rauchen begonnen hatte. Es ist bereits der zweite ähnliche Vorfall auf einem Flug in die USA innerhalb weniger Wochen. Damit wachsen die Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Geräten mit Lithiumbatterien an Bord von Flugzeugen.

Zwei Notlandungen innerhalb von gerade einmal 14 Tagen haben die Schweizer Luftfahrtbranche erschüttert. Die nationale Fluggesellschaft der Schweiz, SWISS, kämpft mit einem wiederkehrenden Albtraum: Lithium-Ionen-Batterien verwandeln gewöhnliche Transatlantikflüge in Notfälle mit hohem Risiko. Am 9. August musste Flug LX52 von Zürich nach Boston als jüngster Fall eines technischen Zwischenfalls über dem Atlantik eine dramatische Kehrtwende machen. Vorausgegangen war ein auffallend ähnlicher Vorfall am 27. Juli, als ein Flug nach New York in Bangor im US-Bundesstaat Maine am Boden bleiben musste. Die Häufung dieser Ereignisse ist nicht bloss eine statistische Anomalie, sondern ein deutliches Warnsignal für die Flugsicherheit im digitalen Zeitalter. Die Luftfahrtbranche warnt seit Langem vor der Unberechenbarkeit von Lithiumbatterien. Dass innerhalb von zwei Wochen zwei Flüge auf nahezu identischen Strecken umgeleitet wurden, deutet jedoch auf ein systematisches Problem bei der Einhaltung der Vorschriften durch Passagiere hin. SWISS steht nun vor einer zentralen Herausforderung: Wie lassen sich Sicherheitsvorschriften durchsetzen, wenn sich die Gefahr direkt in der Tasche eines Passagiers befindet?
Die Kehrtwende nach Dublin: 206 Reisen unterbrochen
Für 206 Passagiere endete die Reise nach Boston abrupt in der irischen Hauptstadt. Drei Stunden nach dem Start löste die Entdeckung von Rauch in der Kabine umgehend ein Gesuch um eine prioritäre Landung aus. Das Flugzeug setzte um 3.07 Uhr in Dublin auf. Hunderte Reisende mussten in Hotels untergebracht werden, während Techniker das Flugzeug untersuchten. Die Ursache? Eine rauchende Powerbank. Der Vorfall zeigt, wie erschreckend schnell eine kleinere Fehlfunktion eines elektronischen Geräts zu einem Notfall werden kann. Da die Piloten während des Sinkflugs die genaue Quelle nicht kannten, mussten sie den Rauch als akute Brandgefahr behandeln. Die logistischen Folgen sind erheblich: Hotelunterkünfte, Flugzeuginspektionen und der Einsatz von Ersatzcrews. Für SWISS belaufen sich die finanziellen Folgen einer solchen Umleitung, darunter Treibstoffablass, Landegebühren und Entschädigungen für Passagiere, auf mehr als hunderttausend Franken. Ausgelöst wurde all dies durch ein einzelnes tragbares Gerät, das gar nicht hätte in Betrieb sein dürfen.
Zerdrückte Technik: Der Vorfall in Maine im Detail
Die Umleitung nach Bangor im US-Bundesstaat Maine am 27. Juli machte eine beängstigende mechanische Schwachstelle sichtbar: den Flugzeugsitz selbst. Ermittler bestätigten, dass ein Ladeetui für Kopfhörer in die Sitzschienen gerutscht und zerdrückt worden war, als der Passagier seine Sitzposition veränderte. Durch die Beschädigung geriet die Lithiumbatterie in einen «thermischen Durchgehprozess», wodurch sich bei beissendem Rauch in der Business-Class-Kabine ausbreitete. Martin Pohl, Leiter der Schweizerischen Untersuchungsstelle für die Flugsicherheit, warnt, dass selbst diese «winzigen» Batterien eine hohe Energiedichte aufweisen und erhebliche, örtlich konzentrierte Hitze entwickeln können. Der Vorfall in Bangor führte zu einer achtstündigen Verspätung. Ein Ersatzflugzeug des Typs Airbus A330 wurde entsandt, um die gestrandeten Passagiere abzuholen. Der Vorfall erinnert eindringlich daran, dass die Gefahr nicht nur in der chemischen Zusammensetzung der Batterie liegt, sondern auch im Umgang mit solchen Geräten in der beengten, mechanisierten Umgebung einer modernen Flugzeugkabine. Ein einziges Gerät, das zwischen Sitzpolstern rutscht, kann den Unterschied ausmachen zwischen einem angenehmen Flug und einer erzwungenen Landung in einer abgelegenen Gegend von Neuengland.
Missachtung des Verbots: Fahrlässigkeit kann teuer werden
Seit dem 15. Januar 2026 gilt bei SWISS und ihrer Schwestergesellschaft Edelweiss ein striktes Verbot: Powerbanks dürfen an Bord weder verwendet noch geladen werden. Die jüngsten Umleitungen zeigen jedoch, dass Passagiere die Regeln offensichtlich missachten. Die Vorschriften sind klar: Geräte müssen am Körper oder im Stauraum unter dem Sitz aufbewahrt werden, niemals in den Gepäckfächern über den Sitzen oder im aufgegebenen Gepäck. Die Haltung der Fluggesellschaft ist eindeutig: Eine defekte Powerbank ist ein Brandrisiko, das nicht ignoriert werden darf. Da die Rechtslage zur Haftung von Passagieren noch kaum erprobt ist, werfen diese Vorfälle die Frage auf, ob die Fluggesellschaft Schadenersatz von fahrlässigen Reisenden verlangen könnte. Wer das Verbot wissentlich missachtet und dadurch eine Umleitung verursacht, könnte mit Forderungen in astronomischer Höhe für die entstandenen Kosten konfrontiert werden. Die Branche muss nun entscheiden, ob die bestehenden Warnungen ausreichen oder ob strengere Kontrollen nötig sind, damit diese «tickenden Zeitbomben» gar nicht erst in die Kabine gelangen. Vorerst ist die Botschaft aus Zürich klar: Halten Sie sich an die Regeln, sonst müssen Sie mit einem sehr teuren ungeplanten Zwischenstopp rechnen.