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Swiss Observer

Zweiter Ertrinkungsunfall am Caumasee wirft Fragen zur Wassersicherheit auf

Ein zweiter Ertrinkungsunfall innert weniger Tage am Caumasee wirft dringende Fragen zum Schwimmen zwischen Ufer und Insel im See auf.

Zweiter Ertrinkungsunfall am Caumasee wirft Fragen zur Wassersicherheit auf
AISWI swissinfo.ch

Innerhalb weniger Tage sind zwei Menschen im Caumasee ums Leben gekommen, wodurch die Risiken beim Schwimmen zwischen dem Ufer und der kleinen Insel im Bündner See erneut in den Fokus rücken.

Der jüngste Vorfall ereignete sich laut der Kantonspolizei Graubünden am Montag, 31. August 2026, gegen 19 Uhr. Ein 27-jähriger Deutscher versuchte, zur Insel zu schwimmen, um einem Freund zu helfen, der in Schwierigkeiten geraten war. Dann geriet der Mann selbst in Not.

Anwesende zogen ihn aus dem Wasser, darunter auch der Freund, dem er hatte helfen wollen. Sofort wurden Wiederbelebungsmassnahmen eingeleitet, doch der Mann starb noch vor Ort. Das Opfer hielt sich für einen Sommerkurs in der Region Surselva auf.

Am Rettungseinsatz beteiligt waren die Rega, Rettungsteams aus der Surselva, die Feuerwehr Flims, die Kantonspolizei Graubünden und das Care Team Grischun. Die Vielzahl der Rettungsdienste zeigt die Schwere des Vorfalls, während der Polizeibericht lediglich den grundlegenden Ablauf bestätigt. Die Ermittler und die Staatsanwaltschaft Graubünden untersuchen die Umstände.

Der Todesfall ereignete sich wenige Tage nach einem weiteren tödlichen Unfall am Donnerstag, 27. August, bei dem ein 17-jähriger britischer Tourist beim Versuch starb, von der Insel ans Ufer zu schwimmen. Die beiden Fälle sind auseinanderzuhalten. Die Polizei hat nicht erklärt, dass sie auf dieselbe Ursache zurückzuführen sind.

Die Strecke vor dem Einstieg einschätzen

Die Strecke zwischen Ufer und Insel erfordert mehr als eine beiläufige Einschätzung der Distanz. Im offenen Wasser fehlt die unmittelbare Unterstützung, die Schwimmende in Ufernähe haben. Wer ermüdet oder in Panik gerät, kann rasch Hilfe benötigen. Die beiden Todesfälle zeigen, wie eine kurze Freizeitüberquerung zum Notfall werden kann, auch wenn die verfügbaren Polizeiangaben keine gemeinsame konkrete Ursache belegen.

Der jüngste Fall macht zudem die Gefahr deutlich, ins Wasser zu gehen, um einer anderen Person zu helfen. Der Deutsche wollte einem Freund helfen und geriet dann selbst in Schwierigkeiten. Der Freund und weitere Anwesende konnten ihn bergen, doch die Wiederbelebungsmassnahmen retteten sein Leben nicht.

Besucherinnen und Besucher sollten ihre Fähigkeiten einschätzen, bevor sie eine Überquerung versuchen, nicht allein schwimmen und ihre Kräfte so einteilen, dass sie auch für den Rückweg ausreichen. Eine Begleitperson kann Alarm schlagen, sollte aber nicht selbst zum zweiten Opfer werden, indem sie ohne die nötigen Fähigkeiten zu einer Rettung ins Wasser geht. Eine Schwimmhilfe zuzuwerfen oder den Rettungsdienst zu alarmieren, ist sicherer als ein unüberlegter Rettungsversuch.

Kaltes Wasser, Müdigkeit, wechselndes Wetter und eine falsch eingeschätzte Distanz können die Sicherheitsreserve beim Schwimmen verringern. Das Ausgangsmaterial enthält keine Angaben zur Temperatur, Tiefe oder Strömung des Caumasees. Aus diesen Vorfällen allein lassen sich daher keine Aussagen über solche Bedingungen ableiten.

Den Caumasee im nationalen Kontext betrachten

Laut Swissinfo ertrinken in der Schweiz jedes Jahr rund 50 Menschen, obwohl Schwimmen, Bootfahren und Freizeitaktivitäten an Seen im Land stark verbreitet sind. Die beiden Todesfälle am Caumasee ereigneten sich in einer Zeit, in der Besucherinnen und Besucher in der ganzen Schweiz zur Erholung und in der Freizeit ans offene Wasser strömen.

Aus dieser nationalen Zahl geht weder hervor, wie viele Todesfälle an Bergseen geschehen, noch lässt sich daraus ableiten, dass der Caumasee gefährlicher ist als andere Badeorte. Sie bildet jedoch einen breiteren Rahmen für die Vorfälle in Graubünden. Die Wassersicherheit bleibt überall dort ein öffentliches Anliegen, wo Menschen ausserhalb eines kontrollierten Schwimmbeckens ins Wasser gehen.

Die Umgebung kann zu Selbstüberschätzung verleiten. Ein klarer See, eine gut sichtbare Insel und ein belebter Badebereich können eine Überquerung machbar erscheinen lassen. Die Sicht sagt jedoch wenig über die Kräfte einer schwimmenden Person aus, sobald Müdigkeit einsetzt. Der Rückweg kann schwieriger sein als der Hinweg, insbesondere nach einem kräftigen Start oder dem Versuch, einer anderen Person zu helfen.

Für Besucherinnen und Besucher sind einfache Vorsichtsmassnahmen sinnvoll und nicht übertrieben: lokale Hinweise beachten, mit jemandem schwimmen, der Hilfe alarmieren kann, Kinder und weniger geübte Schwimmende in Reichweite behalten und eine kurze Distanz nicht mit einer einfachen Überquerung gleichsetzen. Wer eine Person in Not sieht, sollte die Rettungskräfte oder den Rettungsdienst alarmieren und, wo vorhanden, eine Schwimmhilfe einsetzen.

Erkenntnisse abwarten, Sicherheit überprüfen

Die Behörden haben zwei Todesfälle bestätigt, während wichtige Fragen offenbleiben. Ermittler aus Graubünden und die Staatsanwaltschaft untersuchen die Umstände des jüngsten Vorfalls. Ihre Erkenntnisse sind nötig, bevor sich sagen lässt, ob die Bedingungen, die Schwimmfähigkeit, medizinische Faktoren oder eine andere Ursache eine Rolle spielten.

Die bestätigten Berichte weisen bereits auf unterschiedliche Umstände hin. Der 17-jährige Brite versuchte, von der Insel ans Ufer zu schwimmen. Der 27-jährige Deutsche schwamm zur Insel, als er einem Freund helfen wollte. Die Schwimmrichtungen sind relevant, weil sie zeigen, dass die beiden Todesfälle trotz desselben Gebiets zwischen Ufer und Insel nicht denselben Ablauf hatten.

Betreibende des Sees, lokale Behörden und Tourismusunternehmen könnten nun unter Druck geraten, die Verständlichkeit ihrer Hinweise zu den Risiken zu überprüfen. Sinnvolle Massnahmen könnten gut sichtbare Informationen zu Überquerungen im offenen Wasser, deutlich gekennzeichnete Rettungsausrüstung und Hinweise gegen Rettungsversuche durch ungeschulte Personen umfassen. Ob solche Änderungen geplant sind, geht aus den verfügbaren Polizeiangaben nicht hervor.

Besucherinnen und Besucher sollten sich auf bestätigte Hinweise statt auf Spekulationen stützen. Bis die Ermittler weitere Einzelheiten veröffentlichen, ist es am sichersten, die Überquerung zur Insel als Schwimmen im offenen Wasser zu behandeln und nicht als kurzen Gang durchs Wasser, und die eigenen Grenzen zu beachten. Die Todesfälle haben unmissverständlich gezeigt, dass dieser Unterschied nicht übersehen werden darf.