Wirtschaft
Richemont stellt Schweizer Montblanc-Geschäft um und baut Stellen ab
Richemont versetzt 17 Mitarbeitende von Montblanc innerhalb des Konzerns und hat beim Schweizer Uhrenhersteller angesichts der schwächeren Nachfrage sechs Stellen abgebaut.

Bei Montblancs Schweizer Uhrengeschäft sind sechs Stellen weggefallen, während Richemont angesichts der schwächeren Nachfrage seinen Betrieb in Le Locle neu aufstellt. Die Entlassungen wurden Ende September abgeschlossen, wie Unia Neuchâtel mitteilte, die die Mitarbeitenden am Standort vertritt.
Die Veränderungen betreffen eine Belegschaft von 45 Personen bei der 1997 gegründeten Marke, die heute zum Genfer Luxusgüterkonzern gehört. Richemont verschiebt zudem Mitarbeitende innerhalb seines Portfolios. Laut Unia haben 23 Mitarbeitende Versetzungen zu anderen Konzernunternehmen angenommen oder verhandeln darüber. Separat wird berichtet, dass das Unternehmen die Versetzung von 17 Mitarbeitenden organisiert, was unterschiedliche Phasen des Prozesses widerspiegelt.
Cartier gehört zu den möglichen neuen Arbeitsorten. Eine kleinere Zahl könnte zu Minerva wechseln, der auf das Hochpreissegment spezialisierten Manufaktur von Richemont in Villeret im Berner Jura. Die Versetzungen könnten für einige Mitarbeitende den Arbeitsplatz erhalten, bringen jedoch praktische Kosten mit sich. Die Unia-Sekretärin Solenn Ochsner sagte, die Bedingungen würden nicht identisch sein und für einige Mitarbeitende verlängere sich der tägliche Arbeitsweg.
Richemont hatte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichts noch nicht auf Anfragen um Stellungnahme reagiert. Die Umstrukturierung verbindet einen lokalen Personalentscheid mit einem umfassenderen Umbau der Schweizer Luxusuhrenindustrie.
Versetzungen sichern Stellen, haben aber ihren Preis
Die Mitarbeitenden sollen innerhalb von Richemont wechseln, statt den Konzern ganz zu verlassen, doch dadurch ändern sich ihr Arbeitsort und ihre Arbeitsweise. Das Unternehmen hat Stellen bei anderen Konzerngesellschaften angeboten, darunter Cartier. Einige Mitarbeitende haben Stellen bei Minerva in Villeret angenommen oder ziehen diese in Betracht.
Für Mitarbeitende aus der Region Neuenburg spielt die geografische Lage eine Rolle. Le Locle liegt im Herzen des jurassischen Uhrenclusters, während Villeret jenseits der Kantonsgrenze im Berner Jura liegt. Eine Versetzung kann deshalb neben Änderungen bei Arbeitsabläufen, Aufgaben und Anstellungsbedingungen auch einen längeren täglichen Arbeitsweg bedeuten.
Ochsner sagte, die Bedingungen für die versetzten Mitarbeitenden würden nicht ganz denjenigen bei Montblanc entsprechen. Der Bericht nennt keine Angaben zu Lohn, Arbeitszeiten oder anderen Vertragsdetails. Damit bleibt es der Gewerkschaft überlassen, im Namen der betroffenen Mitarbeitenden zu verhandeln.
Die Zahlen zeigen auch das Ausmass der Anpassung. Laut Unia haben sechs von 45 Montblanc-Mitarbeitenden ihre Stelle verloren, während 23 Versetzungen angenommen haben oder darüber verhandeln. Die gemeldeten Zahlen beschreiben einen noch laufenden Prozess und nicht einen einzelnen, abgeschlossenen Personalwechsel. Für die Mitarbeitenden zeigt sich der Unterschied zwischen einer konzerninternen Versetzung und einer Entlassung in den Arbeitsverträgen, der Pendelzeit und der Sicherheit der nächsten Stelle.
Die Mittelklasse spürt den Marktdruck
Einsteiger- und Mittelklasseuhren stehen laut Unia Neuchâtel unter dem stärksten Druck. Die Gewerkschaft bringt die Umstrukturierung bei Montblanc mit der allgemeinen Abschwächung der Uhrenindustrie in Verbindung. Die Nachfrage ist in jenen Segmenten zurückgegangen, die besonders stark von vorsichtigen Konsumentinnen und Konsumenten sowie schwächeren internationalen Märkten abhängig sind.
Der Druck entsteht, obwohl Richemont insgesamt ein stärkeres Quartal meldet. Der Konzernumsatz stieg im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2026/27 um 17 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. Einen grossen Teil dieses Zuwachses trieb das Schmuckgeschäft, was die unterschiedliche Entwicklung des Luxusmarkts in den einzelnen Kategorien zeigt.
Auch Richemonts Uhrenmarken kehrten nach zwei Jahren des Rückgangs auf den Wachstumspfad zurück. Ihr Umsatz stieg um 6 Prozent auf 873 Millionen Euro. Diese Erholung auf Konzernebene hat einzelne Marken oder Standorte jedoch nicht davor bewahrt, Kosten zu senken. Ein positives Ergebnis über ein grosses Portfolio hinweg kann mit einer schwachen Nachfrage nach bestimmten Produkten einhergehen, insbesondere wenn Produktion, Vertriebsnetze und Personalbestand nicht mehr zur Zahl der Bestellungen passen.
Der Fall Montblanc veranschaulicht den Unterschied zwischen einer finanziellen Erholung und stabilen Arbeitsplätzen. Richemont kann Wachstum im Uhrengeschäft melden und gleichzeitig Mittel auf stärkere Marken, höhere Preissegmente oder widerstandsfähigere Märkte umlenken. In Neuenburg wirken sich diese Entscheide direkt auf die Mitarbeitenden aus, durch Entlassungen, Versetzungen und veränderte tägliche Arbeitswege.
Minerva zeigt, wo Richemont Stärken sieht
Minervas Positionierung im Hochpreissegment bietet innerhalb von Richemonts Uhrenportfolio eine deutlichere Quelle für Zuversicht. Die Manufaktur befindet sich in Villeret, wo Richemont historische, bis ins 19. Jahrhundert zurückreichende Werkstätten zu einem Kompetenzzentrum ausgebaut hat. Der Konzern übernahm Minerva 2006.
Ochsner sagte, bei Minerva «laufe es sehr gut» und führte dies auf die Spezialisierung des Unternehmens auf das absolute Hochpreissegment zurück. Die Aussage verdeutlicht die Kluft zwischen den Märkten, mit der Schweizer Uhrenunternehmen konfrontiert sind. Tradition, komplizierte Uhrwerke und eine limitierte Produktion können die Nachfrage wohlhabender Kundinnen und Kunden stützen, während erschwinglichere Preissegmente stärker auf die Wirtschaftslage und veränderte Konsumprioritäten reagieren.
Die geplanten Versetzungen verbinden diese beiden Bereiche von Richemonts Geschäft. Mitarbeitende von Montblanc könnten Stellen bei Minerva antreten, auch wenn dies voraussichtlich nur für eine Minderheit gilt. Solche Wechsel können technisches Know-how im Konzern halten und Mitarbeitenden Zugang zu einem Geschäftsfeld verschaffen, das Unia als gesünder einschätzt.
Sie zeigen auch, wie Konzerneigentum Fachkräfte zwischen den Schweizer Uhrenregionen umverteilen kann. Eine Stelle, die bei Richemont bleibt, kann dennoch zu einer anderen Stelle in einem anderen Kanton werden. Für das Unternehmen erleichtert diese Flexibilität die Umstrukturierung. Für die Mitarbeitenden kann sie neue Aufgaben, neue Vertragsbedingungen und einen längeren Arbeitsweg bedeuten.
Eine lokale Umstrukturierung mit Auswirkungen im ganzen Land
Die Veränderungen bei Montblanc werden in den Schweizer Uhrenregionen aufmerksam verfolgt, weil sie Stellenabbau und interne Versetzungen miteinander verbinden. Die unmittelbaren Auswirkungen konzentrieren sich auf Le Locle, doch der Entscheid steht für Entwicklungen, die Marken, Fabriken und Fachkräfte entlang des Jurabogens betreffen.
Richemonts jüngste Zahlen schaffen Spielraum für Investitionen: Der Konzernumsatz erreichte 6,3 Milliarden Euro, wobei das Schmuckgeschäft das Wachstum anführte. Die Umstrukturierung bei Montblanc zeigt jedoch, dass starke konsolidierte Ergebnisse keine stabilen Personalbestände an jedem Standort garantieren. Die Geschäftsleitung kann Arbeit auf Marken und Standorte verlagern, die den widerstandsfähigsten Bereichen des Luxusmarkts dienen.
Für den Kanton Neuenburg geht es um mehr als sechs Entlassungen. Die Uhrenindustrie sichert spezialisierte Arbeitsplätze, Zuliefernetzwerke und Gemeinden, die auf industriellem Fachwissen aufgebaut sind. Wenn Mitarbeitende zu Cartier oder Minerva wechseln, kann ihr Fachwissen im Konzern erhalten bleiben. Wenn Stellen wegfallen, verliert der lokale Arbeitsmarkt Positionen, die möglicherweise nicht rasch ersetzt werden.
Als Nächstes wird sich zeigen, wie Richemont die Versetzungen abschliesst und ob die neuen Stellen nachhaltige Bedingungen bieten. Laut Unia laufen für einige Mitarbeitende weiterhin Verhandlungen. Eine öffentliche Stellungnahme von Richemont wird, sobald sie vorliegt, dazu beitragen, den Zeitplan, die vertraglichen Vereinbarungen und die längerfristigen Pläne für Montblanc in Le Locle zu klären. Vorerst reduziert das Unternehmen seine Abhängigkeit von der schwächeren Nachfrage und bündelt Kapazitäten in seinen stärksten Luxusgeschäften.