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Swiss Observer

Rekordjahr für die Rettung von Rehkitzen mit Drohnen in der Schweiz

Schweizer Freiwillige retten mithilfe von Drohnentechnologie eine Rekordzahl von 6’451 Rehkitzen und zeigen damit innovative Wege des Wildtierschutzes auf.

Rekordjahr für die Rettung von Rehkitzen mit Drohnen in der Schweiz
AISWI swissinfo.ch

Dieses Jahr sind unglaubliche 6’451 Rehkitze den Landwirtschaftsmaschinen entrissen worden. Das ist ein bedeutender Erfolg für den Schweizer Wildtierschutz. Die Zahl übertrifft alle bisherigen Rekorde deutlich und läutet eine neue Ära im Kampf für den Schutz der gefährdeten Rehkitzpopulation des Landes ein. Laut Rehkitzrettung Schweiz waren landesweit 722 Freiwilligenteams im Einsatz, die mit beispiellosem Engagement Felder absuchten.

Das ist nicht bloss ein geringfügiger Zuwachs, sondern ein deutlicher Effizienzsprung. 2024 retteten Freiwillige 5’159 Rehe. Der Anstieg auf fast 6’500 Rettungen im Jahr 2025 zeigt, wie schnell diese von der Zivilgesellschaft getragene Initiative wächst und sich weiterentwickelt. Während der entscheidenden Mähsaison waren die Freiwilligen unermüdlich im Einsatz. So wurden landwirtschaftliche Felder, die für Jungtiere oft zu Todesfallen werden können, zu Orten der Rettung. Die hohe Zahl geretteter Tiere unterstreicht, wie dringend diese Massnahme nötig ist. Sie zeigt: Wenn Technologie auf Mitgefühl trifft, sind die Ergebnisse geradezu historisch.

Hightech-Schutz: Die Drohnenrevolution

Das Ausmass des diesjährigen Einsatzes ist beeindruckend: Drohnen überflogen insgesamt 62’693 Hektaren Schweizer Landwirtschaftsland. Zum Vergleich: Die Hightech-Helfer scannten eine Fläche von rund 620 Quadratkilometern, deutlich mehr als die 42’389 Hektaren im Vorjahr. Diese massive Ausweitung um über 20’000 Hektaren zeigt, dass Drohnentechnologie im Naturschutz längst keine Neuheit mehr ist, sondern das Rückgrat des modernen Wildtierschutzes bildet.

Mit Wärmebildkameras ausgestattet, durchdringen die Drohnen den Sichtschutz hohen Grases und erkennen die Wärmesignaturen versteckter Tiere. Dieser Vorteil aus der Luft kann über Leben und Tod entscheiden. Die 722 Teams, die die Geräte einsetzen, haben eine Art digitalen Schutzschirm über die Schweizer Wiesen gespannt. Indem sie die Felder systematisch absuchen, bevor die Mähmaschinen kommen, liefern sie den Landwirten die nötigen Informationen, um Katastrophen zu vermeiden. Die Technologie ist ausgereift, die abgedeckte Fläche stark gewachsen und die Ergebnisse sind eindeutig: Der Himmel ist nun der sicherste Ort, um den Boden im Blick zu behalten.

Das Spiel der Natur: Wetterlagen verändern die Strategie

Die Sonne erwies sich 2025 als wichtigste Verbündete und schuf ideale Voraussetzungen für effiziente Rettungseinsätze. Ein besonders milder und sonniger Frühling hob nicht nur die Stimmung der Drohnenpilotinnen und -piloten, sondern veränderte auch das Verhalten der Rehe grundlegend. In regnerischen Jahren ziehen sich die Geissen zum Gebären in den Schutz des Waldes zurück. Die warmen, trockenen Bedingungen im Jahr 2025 führten hingegen dazu, dass die Mütter ihre Jungen auf den offenen, üppig bewachsenen Wiesen zurückliessen.

Dadurch befanden sich mehr Rehkitze direkt im Weg der Mähmaschinen. Gleichzeitig waren sie für Wärmebilddrohnen besser auffindbar, die bei klarem Wetter besonders effizient arbeiten. Der Zusammenhang ist offensichtlich: Klarer Himmel bedeutete bessere Flugbedingungen und mehr Tiere, die gerettet werden konnten. Das Wetter erhöhte zwar das potenzielle Risiko, weil es die Tiere auf landwirtschaftliche Flächen zog. Dank der Einsatzbereitschaft der Rettungsteams wurde aus einer möglichen Tragödie jedoch eine Erfolgsgeschichte mit Rekordzahlen. Das zeigt eindrücklich, dass sich Schutzstrategien ebenso dynamisch entwickeln müssen wie die Wetterlagen, von denen das Verhalten der Tiere abhängt.

Die stille Gefahr: Instinkt gegen Maschine

Trotz der 6’451 erfolgreichen Rettungen bleibt eine ernüchternde Tatsache bestehen: Der uralte Instinkt, regungslos zu verharren, wird den Rehkitzen zum Verhängnis. Die Evolution hat die Tiere gelehrt, sich im hohen Gras geduckt und unbeweglich zu halten, um Fressfeinden zu entkommen. Gegen die unerbittlichen Messer moderner Landwirtschaftsmaschinen ist dieser Schutzmechanismus ein Todesurteil. Offizielle Zahlen legen nahe, dass beim Mähen jährlich noch immer 1’500 Rehkitze getötet werden. Rehkitzrettung Schweiz warnt jedoch, dass die tatsächliche Zahl wahrscheinlich deutlich höher liegt.

Die Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Jägern und Drohnenpilotinnen und -piloten ist ein verzweifelter Wettlauf gegen dieses biologische Programm. Landwirte wollen vermeiden, Wildtiere zu verletzen und dadurch traumatische Erlebnisse und Verunreinigungen zu verursachen. Auch den Jägern liegt die Gesundheit des Wildbestands am Herzen. Die diesjährigen Rekordzahlen sind zwar ein Grund zur Freude, doch die Tausenden geretteten Tiere machen deutlich, wie gross die Gefahr im hohen Gras ist. Solange Maschinen auf die Natur treffen, bleibt höchste Wachsamkeit unerlässlich.