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Swiss Observer

«Problemwölfe» in der Schweiz sollen nach Parlamentsentscheid ganzjährig abgeschossen werden

Das Schweizer Parlament hat dafür gestimmt, den Abschuss sogenannter «Problemwölfe» das ganze Jahr über zu erlauben und damit die Jagdzeit auszuweiten. Der Entscheid soll Nutztiere schützen, stösst jedoch auf Widerstand bei jenen, die der Ansicht sind, dass dem kürzlich revidierten Jagdrecht mehr Zeit gegeben werden sollte.

«Problemwölfe» in der Schweiz sollen nach Parlamentsentscheid ganzjährig abgeschossen werden
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz dürfte bei ihrer Wolfspolitik künftig einen strengeren Kurs verfolgen, nachdem das Bundesparlament dafür gestimmt hat, den Abschuss sogenannter «Problemwölfe» das ganze Jahr über zu erlauben. Damit wird die bisher eingeschränkte Jagdzeit ausgeweitet, um Nutztiere besser zu schützen. Die Abstimmung hat jedoch die Debatte zwischen den Interessen der Landwirtschaft und dem Schutz der Wildtiere verschärft. Viele halten die Massnahme für verfrüht.

Der Parlamentsentscheid

Der Vorstoss zur Ausweitung der Abschusszeit wurde vom Nationalrat mit 109 zu 76 Stimmen deutlich angenommen. Zuvor hatte der Ständerat im September zugestimmt und damit den Weg für die neue Regelung geebnet. Die Änderung hebt die saisonalen Einschränkungen für die Jagd auf Wölfe auf, die als Gefahr eingestuft werden. Bisher war diese nur vom Beginn des Juni bis Ende Januar erlaubt. Der Parlamentsentscheid bedeutet eine deutliche Verschärfung der Schweizer Wolfsmanagementstrategie.

Schutz der Nutztiere

Hauptgrund für den Vorstoss ist der Schutz von Nutztieren. Die Befürworterinnen und Befürworter, die vor allem die Landwirtschaft und ländliche Gemeinden vertreten, argumentierten, die bisherige Wartezeit zu Jahresbeginn sei «unvorstellbar», wenn Nutztiere angegriffen würden. Sie sind der Ansicht, dass es eine raschere Reaktion brauche, um «Problemwölfe» zu kontrollieren und die wirtschaftlichen Verluste der Landwirtinnen und Landwirte zu begrenzen. Diese Sichtweise unterstreicht die Herausforderungen, vor denen alpine Landwirtschaftsbetriebe stehen, wenn sie mit einer wachsenden Wolfspopulation zusammenleben müssen.

Widerstand und Bedenken zum Artenschutz

Der Entscheid ist auf erheblichen Widerstand gestossen. Der Bundesrat hatte sich gegen die Änderung ausgesprochen und empfohlen, dem kürzlich revidierten Jagdrecht mehr Zeit zu geben, damit sich dessen Wirksamkeit zeigen könne. Naturschutzorganisationen und eine Minderheit im Parlament teilen diese Ansicht. Sie argumentieren, der Schwerpunkt sollte auf nicht tödlichen Präventionsmassnahmen liegen und die Ausweitung der Abschüsse sei eine unverhältnismässige Reaktion. Sie befürchten, dass dadurch die Erholung der Schweizer Wolfspopulation gefährdet werden könnte. Die Art war in der Schweiz einst ausgestorben.

Nächste Schritte: Umsetzung durch den Bundesrat

Nach der Zustimmung des Parlaments geht der Vorstoss nun an den Bundesrat zur Umsetzung. Die Landesregierung hat die Aufgabe, den Parlamentsentscheid in konkrete rechtliche und administrative Massnahmen umzusetzen. Der Rahmen ist zwar festgelegt, doch wie «Problemwölfe» definiert und wie die ganzjährigen Abschüsse in der Praxis gehandhabt werden, wird in der nächsten Phase bestimmt. Die weitere Entwicklung wird von allen Beteiligten in dieser komplexen und emotionalen Frage aufmerksam verfolgt werden.