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Swiss Observer

Schweizer Parlament befürwortet Obergrenze für den Wolfsbestand

Das Schweizer Parlament hat einem Vorstoss zugestimmt, der eine Obergrenze für den Wolfsbestand im Land festlegen soll. Wird der Grenzwert überschritten, sollen in den betroffenen Regionen Abschüsse möglich sein. Der Bundesrat muss nun einen Umsetzungsvorschlag ausarbeiten. Damit verschärft sich die Debatte zwischen den Interessen der Alpwirtschaft und dem Schutz der Wildtiere.

Schweizer Parlament befürwortet Obergrenze für den Wolfsbestand
AISWI swissinfo.ch

116 zu 73 Stimmen läuteten am Mittwoch, 23. September 2026, eine neue Phase in der Schweizer Wolfsdebatte ein. Der Nationalrat stimmte einem Vorstoss zu, der eine Obergrenze für den Wolfsbestand im Land verlangt. Sechs Mitglieder enthielten sich.

Der Ständerat hatte dem Vorstoss bereits in der Frühjahrssession zugestimmt. Nun muss der Bundesrat einen Umsetzungsvorschlag ausarbeiten. Wird der Bestand den künftigen Grenzwert überschreiten, könnten die Behörden in der betroffenen Region Abschüsse anordnen.

Fabio Regazzi, der Tessiner Mitte-Politiker und Urheber des Vorstosses, sagt, das Wachstum des Wolfsbestands setze die Alpwirtschaft zunehmend unter Druck. In seinem Vorstoss verweist er auf einen Anstieg von rund einem Dutzend Wölfen im Jahr 2010 auf heute mehr als 300 sowie auf mehr als 30 Rudel.

Mit der Abstimmung erhält das Parlament eine direkte Rolle bei der Festlegung, wie die Schweiz mit einem geschützten Raubtier umgeht, dessen Rückkehr die Beziehungen zwischen Berggemeinden, Landwirten und Naturschutzorganisationen verändert hat. Die genaue Obergrenze, die regionalen Regeln und die Schutzvorkehrungen für Abschüsse müssen noch festgelegt werden.

Ein Bestand, gemessen in Rudeln

Mehr als 300 Wölfe leben heute in der Schweiz, laut den Zahlen, auf die sich Regazzis Vorstoss bezieht. Demnach gibt es mehr als 30 Rudel. Ein damit zusammenhängender Bericht von Swissinfo.ch besagte, dass der Bestand 2025 weitergewachsen war und 43 Rudel erreichte.

Die Zahlen markieren eine deutliche Veränderung gegenüber 2010, als in der Schweiz rund 12 Wölfe gezählt wurden. Rudel haben sich in Teilen der Schweizer Alpen und anderen ländlichen Gebieten angesiedelt. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit von Begegnungen mit Nutztieren und Menschen, die auf Alpweiden arbeiten.

Der Vorstoss bringt diese Ausbreitung mit zunehmenden Schwierigkeiten für die traditionelle Weidewirtschaft in Verbindung. Alpbauern betreuen ihre Tiere oft in weitläufigem, unwegsamem Gelände. Zum Schutz der Herden können deshalb zusätzlicher Arbeitseinsatz, Hunde, Zäune und nächtliche Kontrollen nötig sein. Das Ausgangsmaterial beziffert weder die Verluste bei Nutztieren noch nennt es eine nationale Gesamtzahl der Wolfsangriffe. Die parlamentarische Begründung stützt sich hier daher auf das gemeldete Bestandswachstum und dessen angegebene Auswirkungen auf die Landwirtschaft.

Die Zahl der Rudel im Jahr 2025 zeigt auch, weshalb die Debatte über einzelne Vorfälle hinausgeht. Das Parlament erwägt ein Managementsystem mit einer nationalen Obergrenze und regionalen Massnahmen, sobald diese überschritten wird.

Der Bundesrat muss die Obergrenze gesetzlich verankern

Das heutige Bewilligungssystem steht nun in der Kritik des Parlaments. Regazzis Vorstoss bezeichnet das bestehende Verfahren, das auf fallweisen Abschussbewilligungen durch kantonale und eidgenössische Behörden beruht, als zu langsam, kompliziert und ineffektiv.

Nach dem Vorschlag würde ein Schwellenwert für den Wolfsbestand einen weiter gefassten Auslöser für Eingriffe schaffen. Der Bundesrat muss festlegen, wie dieser in der Praxis funktionieren soll. Dazu gehört, wie die Behörden Wölfe zählen, einen regionalen Bestand definieren und entscheiden, welche Tiere entfernt werden können. Im Ausgangsmaterial wird noch keine mögliche Zahl für die nationale Obergrenze genannt.

Mitglieder der Kommission des Nationalrats aus der Sozialdemokratischen Partei und den Grünen lehnten den Vorstoss ab. Sie erklärten, die jüngsten Änderungen beim Wolfsmanagement gäben den Behörden bereits neue Instrumente, die geprüft werden sollten, bevor es zu einer weiteren grundlegenden Gesetzesänderung komme. Sie setzen stattdessen auf raschere Bewilligungen und stärkere Unterstützung für die Alpwirtschaft.

Umweltminister Albert Rösti sagte, die Regierung werde den parlamentarischen Auftrag durch eine Gesetzesänderung umsetzen. Damit wäre später eine weitere Abstimmung im Parlament nötig. Ergreifen Gegner das Referendum, könnten auch die Schweizer Stimmberechtigten abschliessend über den rechtlichen Rahmen entscheiden.

Die nächste Auseinandersetzung verlagert sich in die Gesetzgebung

Die nächste Entscheidung wird bestimmen, wie die Schweiz einen wachsenden Raubtierbestand mit dem Leben auf den Alpweiden in Einklang bringt. Das Parlament hat sich grundsätzlich für eine Obergrenze ausgesprochen, doch die politisch schwierigen Einzelheiten sind noch offen. Der Bundesrat muss den Grenzwert und das Verfahren für regionale Abschüsse vorschlagen und anschliessend seine Gesetzesänderungen dem Parlament zur Prüfung vorlegen.

Für die Bergbauern verspricht der Vorstoss eine raschere Reaktion, wenn die Wolfszahlen die vereinbarte Obergrenze überschreiten. Die Befürworter um Regazzi sagen, das heutige Bewilligungsverfahren gehe nicht angemessen auf den Druck ein, dem die traditionelle Weidewirtschaft ausgesetzt sei. Für Sozialdemokraten, Grüne und Naturschutzorganisationen sollten die bestehenden Instrumente geprüft werden, bevor die Schweiz eine Bestandsobergrenze einführt.

Die Debatte hat auch eine föderale Dimension. Kantonale Behörden sind derzeit am Bewilligungssystem beteiligt, während der neue Vorschlag eine nationale Obergrenze festlegen und mit Massnahmen in bestimmten Regionen verknüpfen würde. Diese Aufgabenteilung wird beeinflussen, wie rasch die Behörden reagieren können und wie einheitlich sie die Regeln anwenden.

Röstis Gesetzesweg sieht eine weitere parlamentarische Phase vor. Ein Referendum könnte zusätzlich zu einer landesweiten Abstimmung führen und einen Streit verlängern, der mit der Rückkehr des Wolfs von lokalen Konflikten in den Alpen in die nationale Politik gelangt ist.