Zum Inhalt springen
Swiss Observer

Zwei Tote in Mailand nach Entgleisung einer Schweizer Stadler-Tram

Ein tragischer Unfall mit einer entgleisten Tram in Mailand hat zwei Todesopfer und mehrere Verletzte gefordert. Das Fahrzeug war ein modernes Tramlink-Modell des Schweizer Unternehmens Stadler Rail. Das Unternehmen hat bestätigt, die Untersuchung der Unfallursache zu unterstützen.

Zwei Tote in Mailand nach Entgleisung einer Schweizer Stadler-Tram
AISWI swissinfo.ch

Am Freitag brach im Herzen Mailands Chaos aus: Bei der katastrophalen Entgleisung einer Tram kamen zwei Menschen ums Leben, weitere 40 wurden verletzt. Der Unfall ereignete sich gegen 16 Uhr und verwandelte eine belebte Kreuzung in der Stadt in einen Ort der Verwüstung. Während die Stadt den Zustrom von Besucherinnen und Besuchern zur Fashion Week und zu den kürzlich zu Ende gegangenen Olympischen Winterspielen bewältigt, hat diese Tragödie einen dunklen Schatten auf die Metropole mit 1,3 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern geworfen. Einsatzkräfte strömten zum Unfallort, wo das mit Pendlerinnen und Pendlern voll besetzte Fahrzeug aus den Schienen sprang und mit voller Wucht in ein Gebäude prallte.

Unter den Todesopfern sind ein 60-jähriger italienischer Staatsangehöriger und ein Mann aus Senegal. Für das öffentliche Verkehrsnetz der Stadt ist dies ein trauriger Tag. Während die Verletzten, bei denen es sich grösstenteils um Fahrgäste handelt, dringend medizinisch versorgt werden, reichen die Schockwellen des Ereignisses bereits bis in die Schweiz. Das Fahrzeug, das im Zentrum dieser Katastrophe steht, ist keine gewöhnliche Tram, sondern eine hochmoderne Maschine. Das wirft unmittelbar dringende Fragen dazu auf, wie ein derart modernes System so katastrophal versagen konnte.

Schweizer Ingenieurskunst unter Beobachtung

Stadler Rail, ein Aushängeschild der Schweizer Transportindustrie, steht im Zentrum der laufenden Ermittlungen. Das Unternehmen hat bestätigt, dass es sich bei dem Wrack um eines seiner Tramlink-Milano-Fahrzeuge handelt, ein hochmodernes Modell, das erst seit wenigen Monaten im Einsatz war. Dies ist ein schwerer Rückschlag für das Image der Schweizer Präzisionsingenieurskunst, denn die Marke steht weltweit für Sicherheit und Zuverlässigkeit. «Wir bestätigen, dass sich der tragische Unfall in Mailand mit einem Fahrzeug vom Typ Tramlink Milano ereignet hat», erklärte ein Sprecher von Stadler und reagierte damit rasch auf die Krise.

Das Unternehmen steht nun in «engem Kontakt» mit dem Betreiber Azienda Trasporti Milanesi und hat seine umfassende Unterstützung bei der Untersuchung der Unfallursache zugesagt. Für den im Kanton Thurgau ansässigen Hersteller steht sehr viel auf dem Spiel. Da die Tram praktisch neu war, werden die Ermittler sorgfältig prüfen, ob ein katastrophaler mechanischer Defekt oder menschliches Versagen vorlag. Während die Untersuchung weitergeht, steht der Ruf eines der Schweizer Industriegiganten auf dem Spiel.

Aufprall mit hoher Geschwindigkeit verwüstet Stadtzentrum

Augenzeugenberichte zeichnen ein erschütterndes Bild der Momente vor dem Unfall. Die Tram der Linie 9 war voll besetzt, als sie Berichten zufolge mit hoher Geschwindigkeit von der Fahrbahn abkam. Statt wie vorgesehen geradeaus zu fahren, bog das schwere Fahrzeug abrupt und ungeplant nach links ab, entgleiste und krachte in den Eingangsbereich eines Restaurants. Durch die Wucht des Aufpralls wurde das Führerhaus schwer beschädigt. Der Fahrer wurde darin eingeklemmt und anschliessend ins Spital gebracht.

Berichten zufolge kam es zu einem schwerwiegenden Fehler im Betrieb: Der Fahrer soll kurz vor dem Unglück ein Haltesignal missachtet haben. Dieses Detail lenkt den Fokus deutlich auf menschliches Versagen, doch ein mechanischer Defekt kann weiterhin nicht ausgeschlossen werden. Der Zusammenstoss war so heftig, dass die Tram erst zum Stillstand kam, nachdem sie die Gebäudestruktur durchbrochen hatte. In einer Stadt, die derzeit Haute Couture und internationalen Sport feiert, führen die verbogenen Metallteile und die zerborstenen Scheiben auf brutale Weise vor Augen, wie wichtig die Sicherheit im städtischen Raum ist.

Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen wegen Tötungsdelikts ein

Die Behörden verlieren keine Zeit, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat offiziell Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung aufgenommen. Diese juristische Eskalation unterstreicht die Schwere des Vorfalls. Wie in solchen schweren Fällen üblich, wurden dem hospitalisierten Fahrer Blutproben entnommen, um sie auf Alkohol und Drogen zu untersuchen. Die Ermittlungen werden gründlich sein und jede Sekunde der Tram-Telemetrie sowie das Verhalten des Fahrers untersuchen.

Für Stadler Rail und den Schweizer Transportsektor sind die kommenden Wochen entscheidend. Auch wenn erste Anzeichen auf einen Fahrfehler hindeuten, erfordert der Einsatz eines in der Schweiz hergestellten Fahrzeugs bei einem tödlichen Unfall im Ausland vollständige Transparenz. Während Mailand um die Todesopfer trauert, stehen die Ermittler unter Druck, eindeutige Antworten zu liefern. Diese Tragödie erinnert eindringlich daran, dass selbst die fortschrittlichste Ingenieurskunst den Unwägbarkeiten menschlichen Handelns unterliegt.