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Swiss Observer

Raubüberfall in Le Locle: Diebe stehlen Wertgegenstände aus Schweizer Uhrenmuseum

Vier vermummte Personen verübten am frühen Montagmorgen einen schnellen Raubüberfall auf das Uhrenmuseum in Le Locle im Kanton Neuenburg. Die Täter verschafften sich gewaltsam Zutritt, zerschlugen Vitrinen und entkamen mit weniger als zehn Gegenständen, hauptsächlich Uhren. Der Überfall dauerte weniger als fünf Minuten. Eine grenzüberschreitende Fahndung läuft, da die Diebe vermutlich in Richtung Frankreich geflohen sind.

Raubüberfall in Le Locle: Diebe stehlen Wertgegenstände aus Schweizer Uhrenmuseum
AISWI swissinfo.ch

Das uhrmacherische Herz der Schweiz setzte an diesem Montag für einen Moment aus, als eine präzise geplante kriminelle Aktion das renommierte Uhrenmuseum in Le Locle zum Ziel hatte. Punkt 6.15 Uhr wurde die Stille der UNESCO-Welterbestätte jäh unterbrochen. Dies war kein willkürlicher Akt von Vandalismus, sondern ein kalkulierter Angriff auf das Schweizer Kulturerbe. Das Château des Monts, in dem Jahrhunderte mechanischer Meisterschaft bewahrt werden, wurde zum Schauplatz eines Raubzugs, der die wachsende Verletzlichkeit wertvoller Sammlungen deutlich macht. Während das Museum als Denkmal der Zeitlosigkeit gilt, bewiesen die Diebe, dass jede Sekunde zählt: Sie setzten ihren Plan mit einer beunruhigenden Effizienz um, die den Uhrwerken gleicht, die sie stehlen wollten. Die Dreistigkeit des Überfalls am helllichten Tag, während die Stadt gerade erwachte, konfrontiert die Branche mit einer harten Realität: Kein Tresor ist wirklich unangreifbar.

Fünf Minuten Chaos im Château des Monts

Dreihundert Sekunden genügten vier vermummten Personen, um das Museum seiner Schätze zu berauben. Laut der Kantonspolizei Neuenburg zwangen die Täter den Nordeingang mit brutaler Gewalt auf und umgingen die Sicherheitsvorkehrungen, um in zwei bestimmte Ausstellungsräume zu gelangen. Dort zerschlugen sie die verstärkten Glasvitrinen und liessen die Alarmanlagen ausser Acht, um weniger als zehn wertvolle Gegenstände an sich zu nehmen. Dieser «Smash-and-grab»-Überfall wurde zu einer professionellen Kunstform erhoben. Die Geschwindigkeit des Überfalls, der weniger als fünf Minuten dauerte, deutet darauf hin, dass die Täter den Grundriss und die genauen Standorte der am leichtesten transportierbaren, wertvollsten Objekte genau kannten. Die Höhe des finanziellen Schadens wird noch berechnet, doch der Schaden an der Integrität des Museums und der psychologische Schlag für die Gemeinschaft sind unermesslich. Das Museum bleibt geschlossen, damit die Ermittler zwischen den Scherben der zerbrochenen Geschichte nach forensischen Beweisen suchen können.

Grenzüberschreitende Fahndung nach der Flucht der Diebe

Ein leistungsstarker Limousinenwagen steht derzeit im Zentrum einer intensiven internationalen Fahndung, während die Schweizer und französischen Behörden gemeinsam eine grossangelegte Suche koordinieren. Die Verdächtigen verschwanden im Morgennebel und fuhren unmittelbar nach dem Überfall westwärts in Richtung französische Grenze. Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit wurde in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt und arbeitet mit der französischen Polizei zusammen, um das Fahrzeug abzufangen. Diese Fluchtroute ist eine klassische Taktik von Banden, die im Jura operieren: Sie nutzen die Nähe zur Grenze, um innerhalb weniger Minuten in einem anderen Zuständigkeitsgebiet unterzutauchen. Die Neuenburger Polizei wertet derzeit Überwachungsaufnahmen aus der Umgebung aus, um Hinweise auf das für die Flucht verwendete «leistungsstarke» Fahrzeug zu finden. Bei den Ermittlungen kommt es nun darauf an, ob die Diebe gefasst werden können, bevor die gestohlenen Uhren auf dem zwielichtigen internationalen «Grauen Markt» für Sammler auftauchen, auf dem gestohlene Schweizer Kulturgüter oft jahrzehntelang verschwinden.

Uhrenkriminalität weltweit erreicht mehr als eine Milliarde Dollar

Der Raubüberfall in Le Locle ist ein Symptom einer erschreckenden weltweiten Entwicklung: Der Gesamtwert der als gestohlen gemeldeten Luxusuhren übersteigt inzwischen 1,1 Milliarden US-Dollar. Mit dem explosionsartigen Wachstum des Sekundärmarkts für seltene Zeitmesser steigt auch der Anreiz für organisierte kriminelle Banden, Museen und Boutiquen ins Visier zu nehmen. Allein 2023 verzeichnete die Branche einen beispiellosen Anstieg der Diebstähle. Marken wie Rolex und Patek Philippe wurden dabei für Kriminelle zu leicht handelbarer Währung. Dieser jüngste Vorfall in Neuenburg ist eine deutliche Warnung an die Schweizer Uhrenindustrie. Sicherheitsvorkehrungen, die vor fünf Jahren noch ausreichten, werden heute von Banden mit militärischer Präzision umgangen. Während sich das Uhrenmuseum Le Locle auf die Wiedereröffnung in den kommenden Tagen vorbereitet, muss sich die Diskussion einer nationalen Strategie zum Schutz des Erbes «Swiss Made» zuwenden. Es geht nicht mehr nur um Handwerkskunst, sondern darum, die Geschichte der Zeit selbst gegen jene zu verteidigen, die sie durch Kriminalität zur Ware machen wollen.