Schweizer Wirtschaft
KOF-Ökonominnen und -Ökonomen heben Schweizer Wachstumsprognose deutlich an
Das KOF Institut hat seine Prognose für das Schweizer Wirtschaftswachstum 2026 deutlich angehoben, von 0.9% auf 1.7%. Die Ökonominnen und Ökonomen rechnen zudem mit höheren Investitionen und einem anhaltenden Wachstum von 1.7% im Jahr 2027. Das deutet trotz anhaltender internationaler Risiken auf bessere Aussichten hin.

Schweizer Ökonominnen und Ökonomen haben ihre Wachstumsprognose für 2026 nahezu verdoppelt und von 0.9% auf 1.7% angehoben. Damit verbessern sich die Erwartungen für die Schweizer Wirtschaft deutlich gegenüber dem schwächeren Ausblick im Juni. Die jüngste KOF Consensus Forecast, die auf den Antworten von 17 Ökonominnen und Ökonomen beruht, geht für dieses Jahr von einem saisonbereinigten realen BIP-Wachstum von 1.7% aus. Für 2027 wird derselbe Wert erwartet.
Die Umfrage wurde zwischen dem 3. und 23. September durchgeführt. Dabei überprüften die Ökonominnen und Ökonomen ihre Einschätzungen zu Investitionen, Handel und Binnenwirtschaft. Die Revision bietet Schweizer Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern eine konstruktivere Ausgangslage für die kommenden Monate, beseitigt jedoch nicht die Risiken, denen eine exportorientierte Wirtschaft ausgesetzt ist.
Die aktualisierten Zahlen des KOF kommen zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Schweiz mit wechselnden globalen Handelsbedingungen, einem starken Franken und Unsicherheit in wichtigen Auslandsmärkten auseinandersetzt. Die Ökonominnen und Ökonomen des Instituts haben auch ihre Erwartungen für den Aussenhandel nach oben korrigiert, was die höhere BIP-Prognose insgesamt stützt.
Die Prognose beschreibt keinen Boom. Sie deutet auf eine stetige Expansion hin, die durch Investitionen und den Bau gestützt wird, während die Inflation verhalten bleibt. Für Haushalte, Arbeitgebende und Behörden signalisiert die Veränderung eine allgemeine Verbesserung des Wirtschaftsklimas und eine solidere Planungsgrundlage für 2026 und 2027.
Investitionen rücken ins Zentrum des Aufschwungs
Investitionen sind zur stärksten Triebkraft hinter der verbesserten Prognose geworden. Die KOF-Ökonominnen und -Ökonomen erwarten nun, dass die realen Bruttoanlageinvestitionen 2026 um 1.5% zunehmen. In ihrer Einschätzung vom Juni waren sie noch von 0.9% ausgegangen. Für 2027 rechnen sie mit einem Wachstum von 2.2%, gegenüber der früheren Schätzung von 1.8%.
Die Veränderung deutet darauf hin, dass Unternehmen und Investorinnen und Investoren trotz unsicherer internationaler Bedingungen bereit sein könnten, mehr Kapital zu investieren. Bruttoanlageinvestitionen umfassen Ausgaben zur Erweiterung oder Erneuerung der Produktionskapazitäten. Damit ist die Prognose besonders für Schweizer Hersteller, Technologieunternehmen und Dienstleistungsbetriebe von Bedeutung.
Auch der Bau dürfte stärker zum Wachstum beitragen. Das KOF hat seine Prognose für die Bauinvestitionen 2026 von 1.2% im Juni auf 2.4% angehoben. Die Schätzung für 2027 stieg von zuvor 1.6% auf 1.9%.
Die Zahlen beziehen sich auf die gesamte Schweiz und enthalten keine Aufschlüsselung nach Kantonen. Sie deuten dennoch auf Aktivität bei Projekten hin, die von der gewerblichen Entwicklung bis zu Infrastruktur und Gebäudesanierungen reichen. Höhere Investitionen können Bauunternehmen, Zulieferbetriebe und Fachkräfte im ganzen Land unterstützen und zugleich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auf längere Sicht verbessern. Die Prognose bleibt eine Schätzung. Das Tempo wird von den Finanzierungsbedingungen, der Nachfrage und dem Vertrauen der Schweizer Unternehmen abhängen.
Tiefe Inflation hält den Preisdruck in Grenzen
Die Inflation dürfte trotz des stärkeren Wachstums tief bleiben. Die KOF-Ökonominnen und -Ökonomen prognostizieren für den Schweizer Landesindex der Konsumentenpreise 2026 einen Anstieg um 0.6%, etwas weniger als die im Juni veröffentlichte Prognose von 0.7%. Für 2027 erwarten sie eine Inflation von 0.8%, nach zuvor 0.9%.
Die Kombination aus höherer Wirtschaftsleistung und moderatem Preisdruck könnte Haushalten und Unternehmen kurzfristig mehr Stabilität bieten. Eine tiefere Inflation kann die Kaufkraft schützen, während berechenbare Kosten Unternehmen bei der Festlegung von Löhnen, Investitionsbudgets und Preisen helfen. Die Prognose bedeutet nicht, dass die Preise in der gesamten Wirtschaft sinken. Sie deutet auf einen verhaltenen Preisanstieg hin.
Der Ausblick für den Arbeitsmarkt hat sich kaum verändert. Das KOF erwartet für 2026 eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 3.1% und für 2027 von 3%. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass die bessere Wirtschaftslage für anhaltende Stabilität bei der Beschäftigung sorgen dürfte, nicht aber für eine dramatische Veränderung der Arbeitsmarktbedingungen.
Auch beim Aussenwert des Frankens werden keine grösseren Veränderungen erwartet. Die Ökonominnen und Ökonomen rechnen damit, dass die Währung in drei Monaten bei rund 0.93 Franken pro Euro und in zwölf Monaten bei 0.92 notiert. Gegenüber dem US-Dollar erwarten sie einen leichten Rückgang auf 0.81 Franken in drei Monaten und 0.80 in einem Jahr. Für Schweizer Exporteure bleibt der starke Franken ein wichtiger Wettbewerbsfaktor.
Globale Risiken überschatten die bessere Prognose weiterhin
Trotz der revidierten Zahlen bleibt die Schweiz internationalen Schocks ausgesetzt. Die bessere Prognose des KOF stützt sich teilweise auf optimistischere Erwartungen für den Aussenhandel. Das Land bleibt jedoch eng an die globale Nachfrage gebunden. Schweizer Exporteure sind mit wechselnden Handelsregeln, Währungsschwankungen und einem uneinheitlichen Wachstum bei wichtigen Handelspartnern konfrontiert.
Der Franken bleibt dabei ein zentraler Faktor. Eine starke Währung verbilligt Importgüter und Komponenten und trägt so dazu bei, die Inflation zu dämpfen. Gleichzeitig kann sie die Preiswettbewerbsfähigkeit Schweizer Produkte im Ausland beeinträchtigen. Die Wechselkursannahmen des KOF zeigen, dass sich der Aussenwert des Frankens im kommenden Jahr kaum verändern dürfte. Für Exporteure gibt es damit wenig Grund, auf eine Entlastung vom Währungsdruck zu hoffen.
Auch jüngste Ereignisse haben die verschiedenen Risiken für die Binnenwirtschaft verdeutlicht. Eine Hitzewelle im Sommer 2026 verursachte Schätzungen zufolge in der Schweiz einen wirtschaftlichen Schaden von 400 Millionen Franken, wie aus einem dazugehörigen, von Swissinfo zitierten Bericht hervorgeht. Wetterbedingte Störungen können Landwirtschaft, Tourismus, Bauwirtschaft und Energienachfrage beeinträchtigen und so zusätzliche Unsicherheit schaffen, auch wenn sich die allgemeinen Wirtschaftsindikatoren verbessern.
Die KOF-Umfrage beziffert nicht die Auswirkungen aller internationalen und klimabedingten Risiken. Die revidierte Prognose liefert ein Basisszenario, keine Garantie. Höhere Investitionen und ein stärkerer Handel könnten das Wachstum weiter ankurbeln. Eine schwächere Auslandsnachfrage oder ein neuer Schock könnte die Aussichten hingegen rasch verändern.
Ein soliderer Wachstumspfad bis 2027
Die Schweiz geht mit einer Wachstumsprognose von 1.7%, höheren Investitionen und einer Inflation von unter 1% ins Jahr 2027. Die Zahlen schaffen für Politik und Unternehmen ein günstigeres Planungsumfeld als noch drei Monate zuvor. Sie deuten zudem darauf hin, dass die Wirtschaft wachsen kann, ohne dass die Konsumentenpreise stark steigen oder sich die Beschäftigung deutlich verschlechtert.
Die Fortschritte hängen davon ab, ob Investitionspläne in abgeschlossene Projekte und zusätzliche Produktionskapazitäten münden. Die Bauinvestitionen dürften 2027 um 1.9% steigen, während für die Bruttoanlageinvestitionen insgesamt ein Wachstum von 2.2% prognostiziert wird. Dieser Unterschied zeigt, wo die Ökonominnen und Ökonomen eine Ausweitung der Dynamik über die Bautätigkeit hinaus erwarten.
Für Haushalte verbindet der Ausblick ein moderates Wachstum mit einer für das kommende Jahr prognostizierten Arbeitslosenquote von 3%. Unternehmen profitieren teilweise von stabilen Wechselkurserwartungen und optimistischeren Annahmen zum Handel. Die Höhe des Frankens wird jedoch weiterhin die Margen in den Exportbranchen beeinflussen. Für den Bund, die Kantone und die Gemeinden bieten die Prognosen eine Grundlage, um Einnahmen, den Infrastrukturbedarf und den Personalbedarf einzuschätzen.
Die Septemberumfrage des KOF zeigt einen bemerkenswerten Stimmungsumschwung: von der Vorsicht im Juni hin zu festeren Erwartungen im Frühherbst. Die nächsten Prognosen werden zeigen, ob dieses Vertrauen dem äusseren Druck standhält und ob die Investitionen den verbesserten Wachstumspfad stützen können.