Wirtschaft
Klaus Schwab tritt als WEF-Vorsitzender zurück
Der Gründer des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, tritt im Alter von 87 Jahren nach einer ausserordentlichen Sitzung des Stiftungsrats als Vorsitzender zurück. Damit endet eine Ära für die 1971 von ihm gegründete Organisation.

In einer bedeutenden Entwicklung, die in der internationalen Geschäftswelt für Aufsehen gesorgt hat, ist Klaus Schwab, der 87-jährige Gründer und Vorsitzende des Weltwirtschaftsforums (WEF), nach einer ausserordentlichen Sitzung des Stiftungsrats am 20. April 2025 von seinem Amt zurückgetreten. Die Ankündigung markiert das Ende einer Ära für die renommierte Organisation, die seit ihrer Gründung 1971 eng mit Schwabs Führung verbunden ist.
In einer offiziellen Mitteilung bestätigte das WEF, dass der ehemalige Nestlé-CEO Peter Brabeck-Letmathe einstimmig zum interimistischen CEO ernannt wurde, während die Organisation mit der Suche nach einer dauerhaften Nachfolge beginnt.
Vermächtnis und Erfolge
Während seiner bemerkenswerten 54-jährigen Amtszeit machte Klaus Schwab aus dem Weltwirtschaftsforum eine bescheidene europäische Managementkonferenz zur weltweit wichtigsten Plattform für die Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor. Unter seiner Führung wurde der jährliche Gipfel in Davos zum wichtigsten Treffen der globalen Elite. Dort kamen Staatsoberhäupter, Wirtschaftsführer und einflussreiche Denker zusammen, um drängende globale Fragen zu erörtern.
Schwabs Vorstellung eines Stakeholder-Kapitalismus und seine Fähigkeit, einflussreiche Entscheidungsträger zusammenzubringen, haben den globalen wirtschaftspolitischen Dialog nachhaltig geprägt. Unter seiner Führung begleitete das WEF mehrere weltweite Krisen, vom Ende des Kalten Krieges über die Finanzkrise von 2008 bis zur COVID-19-Pandemie.
Kontroversen und Vorwürfe
Schwabs Rücktritt erfolgt unter turbulenten Umständen. Die Organisation sieht sich mit schwerwiegenden Vorwürfen finanziellen und ethischen Fehlverhaltens konfrontiert. Anonyme Whistleblower haben Bedenken geäussert, Schwab und seine Frau könnten WEF-Ressourcen zu ihrem persönlichen Vorteil missbraucht haben. Schwab hat diese Vorwürfe entschieden zurückgewiesen und seinerseits Strafanzeige eingereicht. Die Angelegenheit hat jedoch einen Schatten auf seine letzten Tage bei der Organisation geworfen.
Eine externe Untersuchung, die im vergangenen Jahr durchgeführt wurde, stellte zwar keine direkten Gesetzesverstösse fest, wies aber auf uneinheitliche Governance-Standards innerhalb der Organisation hin. Die Familie Schwab zeigte sich enttäuscht darüber, dass Klaus keine Gelegenheit erhielt, sich gegenüber dem Stiftungsrat zu diesen Angelegenheiten zu äussern.
Übergang und Ausblick
Die Ernennung von Peter Brabeck-Letmathe zum interimistischen CEO läutet für das Weltwirtschaftsforum ein neues Kapitel ein. Die Organisation steht vor der Herausforderung, ihren globalen Einfluss und ihre Glaubwürdigkeit ohne ihren Gründer an der Spitze zu bewahren. Wie SRF-Wirtschaftsredaktorin Isabel Pfaff festhielt, steht das WEF derzeit vor Reputationsproblemen, was diesen Übergang besonders wichtig macht.
Die Suche nach einer dauerhaften Nachfolge wird von der internationalen Gemeinschaft aufmerksam verfolgt werden. Die neue Führung muss sowohl die unmittelbaren Kontroversen angehen als auch die langfristige strategische Ausrichtung der Organisation festlegen. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob das WEF sich an diesen bedeutenden Wandel anpassen und zugleich seine Rolle als führende Plattform für den globalen Dialog bewahren kann.