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Swiss Observer

Pläne für Asylunterkunft in Kandersteg nach lokalem Widerstand aufgegeben

Bern hat Pläne aufgegeben, in Kandersteg eine Asylunterkunft für bis zu 120 Personen zu eröffnen, nachdem der Eigentümer des Gebäudes sein Angebot angesichts des Widerstands vor Ort zurückgezogen hatte. Der Kanton sagt, dass er im Berner Oberland weiterhin zusätzliche Unterkünfte für Asylsuchende finden muss.

Pläne für Asylunterkunft in Kandersteg nach lokalem Widerstand aufgegeben
AISWI swissinfo.ch

Bern hat Pläne aufgegeben, in Kandersteg bis zu 120 Asylsuchende unterzubringen. Der Entscheid folgte auf den Rückzug des Angebots des Gebäudeeigentümers, nachdem der Widerstand gegen das Projekt im Bergdorf zugenommen hatte.

Die geplante Unterkunft sollte im ehemaligen Institut Kandersteg eingerichtet werden. Der Kanton Bern hatte dort eine Kollektivunterkunft vorgesehen, doch die Gemeinde stellte sich von Anfang an gegen das Projekt. Später teilte der Eigentümer dem kantonalen Amt für Gesundheit, Soziales und Integration mit, dass die Räumlichkeiten nicht mehr zur Verfügung stehen würden.

Der Kanton gab den Entscheid am 21. September 2026 bekannt und erklärte, er bedauere den Rückzug. Er führte den Entscheid des Eigentümers auf die angespannte Situation vor Ort und die zunehmende Feindseligkeit eines Teils der Bevölkerung zurück.

Das Scheitern der Pläne stellt Bern vor ein praktisches Problem. Der Kanton benötigt im Berner Oberland weiterhin zusätzliche Unterkünfte für Asylsuchende, und die Behörden sagen, sie müssten weiterhin nach Standorten suchen, die den gesetzlichen Anforderungen der Schweiz entsprechen. Kandersteg wird diese Kapazität nicht bereitstellen, obwohl ursprünglich eine Unterkunft für bis zu 120 Personen im ehemaligen Institut geplant war.

Lokaler Widerstand macht das Projekt zunichte

Das ehemalige Institut Kandersteg sollte Platz für bis zu 120 Personen bieten. Der Standort bot dem Kanton die Möglichkeit, eine Kollektivunterkunft in einer Region einzurichten, in der die Behörden nach eigenen Angaben weiterhin zusätzliche Kapazitäten benötigen.

Der Vorschlag stiess nicht ohne Widerstand auf die Bevölkerung. Laut dem Bericht von Keystone-SDA lehnte die Gemeinde Kandersteg die Unterkunft von Anfang an ab. Der Widerstand im Dorf nahm anschliessend zu und führte zu einer Situation, die der Kanton als angespannt bezeichnete.

Schliesslich zog der Eigentümer sein Angebot zurück. Damit kam der Standort nicht mehr infrage und der Kanton beendete seine unmittelbaren Pläne für Kandersteg. Das Amt für Gesundheit, Soziales und Integration erhielt die Mitteilung des Eigentümers, dass das Gebäude nicht mehr zur Verfügung gestellt werde.

Die verfügbaren Informationen nennen weder einzelne Gegnerinnen und Gegner noch beziffern sie das Ausmass des Widerstands oder erläutern, ob eine formelle Abstimmung der Einwohnerinnen und Einwohner stattfand. Sie belegen jedoch die Abfolge der Ereignisse: Widerstand der Gemeinde, zunehmende Feindseligkeit und der Entscheid des Eigentümers, das Projekt zu stoppen. Diese Abfolge zeigt, wie die Planung von Unterkünften von der Zusammenarbeit mit Eigentümern und lokalen Gemeinschaften abhängen kann, selbst wenn die kantonalen Behörden einen regionalen Bedarf feststellen.

Bern sucht einen neuen Standort

Der Kanton sagt, dass die Unterkunftslücke im Berner Oberland weiterhin besteht. Bern hat das Ende des Projekts in Kandersteg zur Kenntnis genommen und zugleich betont, dass sich an seiner übergeordneten Verantwortung nichts geändert hat.

Die Behörden müssen den gesetzlichen Anforderungen entsprechend geeignete Unterkünfte für Asylsuchende bereitstellen. Der Kanton plant deshalb, weiterhin Alternativen zu prüfen, darunter den Kauf von Liegenschaften in der Region. In der Mitteilung wurde weder ein Ersatzstandort genannt noch ein Zeitplan für dessen Sicherung festgelegt.

Die Suche findet vor dem Hintergrund einer gescheiterten Vereinbarung in Kandersteg statt. Der Kanton hatte ein Gebäude und eine mögliche Kapazität von 120 Bewohnerinnen und Bewohnern ausgemacht, verlor aber den Zugang zu den Räumlichkeiten, als der Eigentümer sein Angebot zurückzog. Jede neue Option setzt eine geeignete Liegenschaft und ein tragfähiges Verhältnis zur Standortgemeinde voraus.

Die Mitteilung des Kantons Bern enthält keine neuen Zahlen zur Anzahl Asylsuchender, die im Berner Oberland auf eine Unterkunft warten. Sie macht jedoch die administrative Priorität deutlich: Der Kanton muss zusätzliche Kapazitäten finden. In der nächsten Phase liegt der Fokus auf Liegenschaften, die erworben oder anderweitig gesichert werden können, statt auf einer Wiederaufnahme des Projekts in Kandersteg.

Die Kapazitätsfrage bleibt bestehen

Der Entscheid zu Kandersteg verlagert den Konflikt von einem Gebäude auf die übergeordnete Unterbringungspolitik des Kantons. Bern muss nun den regionalen Kapazitätsbedarf mit der Bereitschaft von Eigentümern und Gemeinden abwägen, Unterkünfte für Asylsuchende aufzunehmen.

Der Kanton sagt, er bedauere den Rückzug des Eigentümers, akzeptiere aber, dass das ehemalige Institut nicht zur Verfügung gestellt wird. Als Reaktion darauf will er Liegenschaften im ganzen Berner Oberland auf einen möglichen Kauf prüfen. Dieser Ansatz könnte den Behörden mehr Kontrolle über künftige Standorte geben. Im Ausgangsbericht wird jedoch nicht angegeben, welche Liegenschaften geprüft werden oder wie viel Geld dafür nötig wäre.

Für Kandersteg bedeutet der unmittelbare Ausgang die Absage einer Unterkunft, die für bis zu 120 Personen geplant war. Für Bern bleibt die Unterbringungskapazität ungelöst. Die nächsten Entscheide des Kantons werden bestimmen, wo diese Kapazität geschaffen wird und wie die Gemeinden einbezogen werden.

Der aufgegebene Plan rückt den lokalen Widerstand zudem ins Zentrum der Schweizer Migrationsdebatte. Der Fall zeigt die praktischen Folgen, wenn einem Projekt sowohl die politische Unterstützung auf Gemeindeebene als auch der Zugang zu den vorgesehenen Räumlichkeiten entzogen wird. Bern muss seine Suche nun in einer Region neu aufnehmen, in der der Bedarf nach Angaben des Kantons weiterhin besteht.