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Swiss Observer

Graubünden siedelte während der Dürre 5’000 Fische um

Graubünden teilt mit, dass der Kanton während der schweren Dürre dieses Sommers rund 5’000 Fische aus kleinen Gewässern umgesiedelt hat. Trotz der Rettungsbemühungen verendeten mehrere Hundert. Der Kanton meldete in den meisten Flussgebieten historisch tiefe Wasserstände sowie erhebliche Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die alpine Wirtschaft.

Graubünden siedelte während der Dürre 5’000 Fische um
AISWI swissinfo.ch

Rund 5’000 Fische wurden in sicherere Gewässer umgesiedelt, als die Dürre diesen Sommer kleine Gewässer in ganz Graubünden austrocknete. Der Kanton führte fast zwei Dutzend Noteinsätze durch, um Fische aus kleineren Bächen zu retten, teilte die Kantonsregierung in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des Grossrats Martin Kreiliger mit. Die Antwort wurde am Montag, 2. November, veröffentlicht.

Nicht alle Fische konnten gerettet werden. Trotz der Rettungsarbeiten verendeten mehrere Hundert. Die Einsätze fanden statt, als die Wasserstände in weiten Teilen des Kantons sanken und Fische in kleinen Gewässern immer weniger Lebensraum hatten. Die Bündner Regierung erklärte, dass die Pegelstände in den Gewässern und im Grundwasser in den meisten Flussgebieten historische Tiefststände erreicht hätten. Eine Ausnahme bildete das Oberengadin.

Die Zahlen zeigen zwei Seiten der Dürre: eine gross angelegte Rettungsaktion, bei der Fische aus gefährdeten Gewässerabschnitten umgesiedelt wurden, und Verluste, die trotz des Eingreifens anhielten. Die Regierung bezeichnete den Sommer als ausserordentlich trocken und sagte, die Auswirkungen reichten weit über das Leben im Wasser hinaus und beträfen auch die Landwirtschaft und die alpine Wirtschaft.

Die Wasserkrise in den Tälern verfolgen

In den meisten Flussgebieten Graubündens wurden historisch tiefe Wasserstände verzeichnet, während das Oberengadin eine Ausnahme bildete. Die Kantonsregierung erklärte, die Dürre habe die Pegelstände sowohl in den Gewässern als auch im Grundwasser sinken lassen und Flüsse sowie unterirdische Wasservorkommen in weiten Teilen der Region beeinträchtigt.

Die Rettungsteams konzentrierten sich auf kleinere Gewässer, in denen nach Angaben des Kantons fast zwei Dutzend Noteinsätze nötig waren. Rund 5’000 Fische wurden umgesiedelt, mehrere Hundert verendeten jedoch. Die Regierung teilte zudem mit, dass keine Fischsterben infolge übermässig hoher Wassertemperaturen registriert worden seien. Laut ihrer Darstellung waren die Verluste auf die Dürre und die ausgetrockneten Gewässer zurückzuführen, nicht auf hitzebedingtes Sterben.

Die regionalen Unterschiede sind für das Gesamtbild wichtig. Die Regierung bezeichnete die Lage in Graubünden als weniger kritisch als in anderen Kantonen, betonte aber, dass sie angespannt bleibe. Wasserstände und Niederschläge in den kommenden Monaten könnten beeinflussen, wie stark die Wasserversorgung, die Landwirtschaft und die Schutzwälder unter Druck geraten. Das Oberengadin war laut den Angaben die Ausnahme von den historischen Tiefstständen, die in den meisten Flussgebieten verzeichnet wurden.

Die Verluste auf Bauernhöfen und Alpen messen

Die Futtererträge sanken um 10 bis über 30 Prozent, was die ohnehin von Trockenheit betroffenen Landwirtschaftsbetriebe zusätzlich belastete. Die Bündner Regierung erklärte, die Dürre habe sich stark auf die Landwirtschaft und die alpine Wirtschaft ausgewirkt, wobei die Folgen je nach Region erheblich unterschiedlich gewesen seien.

Mehr als 30 Alpen brachten ihr Vieh frühzeitig ins Tal und beendeten die sommerliche Weidezeit vorzeitig. Eine ungefähr gleich grosse Zahl von Alpen beantragte eine Verlängerung der Weidezeit, um zumindest einen Teil der Produktionsverluste im Talgebiet auszugleichen. Die beiden Reaktionen zeigen, wie unterschiedlich sich die Dürre auf die Landwirtschaft auswirkte: Einige Herden mussten die Alpweiden früh verlassen, während andere Betriebe mehr Zeit auf dem Berg gewinnen wollten.

Der Bericht des Kantons beschreibt eine Kette von Folgen während der Landwirtschaftssaison, von der geringeren Futterproduktion bis hin zu veränderten Zeitpunkten für die Viehverschiebungen. Diese Verluste trugen neben den in den meisten Flussgebieten Graubündens gemeldeten tiefen Wasserständen zur allgemeinen Belastung der alpinen Wirtschaft bei.

Niederschläge beobachten und die Lebensgrundlagen der Landwirtschaft schützen

Die Schweizer Behörden lockerten Unterstützungsmassnahmen für Landwirtschaftsbetriebe, als sich die Folgen der Dürre in der Landwirtschaft ausbreiteten. Der Bund und die Kantone lockerten die Bedingungen für Direktzahlungen, senkten die Zölle auf Futtermittel und erhöhten die für Darlehen an Landwirtschaftsbetriebe vorgesehenen Mittel.

Die Bündner Regierung erklärte, die Lage im Kanton sei weniger kritisch als in anderen Kantonen, warnte jedoch, sie bleibe angespannt. Die künftigen Niederschläge könnten darüber entscheiden, ob sich die Lage in der Landwirtschaft, in den Schutzwäldern und bei der Wasserversorgung verschlechtert. Je nach Niederschlagsverteilung in den kommenden Monaten könne sich die Situation erheblich verschärfen, sagte die Regierung.

Damit beobachtet der Kanton mehrere miteinander verbundene Belastungen: die Verfügbarkeit von Wasser, die landwirtschaftliche Produktion und den Zustand der Schutzwälder. Die Fischrettungen dieses Sommers zeigten, wie schnell kleine Gewässer während der Dürre zum Problem wurden. Gleichzeitig wirkten sich die geringeren Futtererträge und die frühzeitigen Abzüge von den Alpen auf die alpine Wirtschaft aus. Die Warnung der Regierung richtet sich auf die kommenden Monate, in denen die Niederschläge die weitere Entwicklung dieser Belastungen beeinflussen werden.