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Swiss Observer

Glencore startet Zweitkotierung an australischer Börse

Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore hat den Handel an der australischen Börse ASX über Hinterlegungsscheine aufgenommen, die seine Aktien repräsentieren. Die Zweitkotierung soll dem Unternehmen Zugang zu Australiens erfahrenem Anlegerstamm im Rohstoffsektor verschaffen.

Glencore startet Zweitkotierung an australischer Börse
AISWI swissinfo.ch

Glencores Debüt am australischen Markt begann am Mittwoch, 14. Oktober 2026, ohne unmittelbare grössere Kursbewegungen. Der Schweizer Rohstoffkonzern nahm den Handel an der Australian Securities Exchange über CHESS Depositary Interests, kurz CDIs, auf. Jeder CDI bildet wirtschaftlich eine Glencore-Aktie ab. Damit erhalten australische Anleger ein lokales Handelsinstrument, ohne dass eine separate Klasse zugrunde liegender Glencore-Aktien geschaffen wird.

Die Wertpapiere wurden zu A$11.25 ausgegeben. Nach Handelsbeginn stieg der Kurs kurzzeitig, kehrte rund eine Stunde später, gegen Mittag Ortszeit, aber zum Ausgabepreis zurück. Der ruhige Auftakt lieferte Anlegern zunächst keinen Hinweis auf eine grundlegende Neubewertung, markierte jedoch eine bedeutende Veränderung darin, wie sich Glencore am australischen Kapitalmarkt präsentiert.

Der Schritt verschafft dem in Baar ansässigen Konzern neben seiner bisherigen Marktpräsenz einen zweiten Handelsplatz. Glencore ist seit mehr als 25 Jahren in Australien tätig. Das Land ist damit ein etablierter Teil des Geschäfts und kein neues geografisches Experiment. Die Präsenz in Australien bringt das Unternehmen zudem in die Nähe eines grossen Pools an Fachwissen im Bergbau- und Rohstoffsektor, sowohl bei börsenkotierten Unternehmen als auch bei institutionellen Anlegern.

Für die Schweiz erweitert die Kotierung die Reichweite eines der international bekanntesten Unternehmen des Landes, während dessen strategisches Zentrum im Schweizer Rohstoffsektor bleibt.

Lokalen Zugang erleichtern

Die neuen australischen Wertpapiere sollen lokalen Anlegern den Zugang erleichtern. CHESS Depositary Interests werden an der ASX gehandelt und bilden den wirtschaftlichen Anteil an einer zugrunde liegenden Glencore-Aktie ab. Diese Struktur ermöglicht Glencore den Auftritt im australischen Handelssystem und wahrt zugleich die Verbindung zu den Namenaktien des Unternehmens.

Bestehende Aktionäre werden ihre Glencore-Aktien künftig in CDIs umwandeln können, sofern die erforderlichen regulatorischen und technischen Voraussetzungen erfüllt sind. Die Regelung schafft somit einen Weg zur Teilnahme am australischen Markt, ohne dass sich die zugrunde liegende Aktienstruktur des Unternehmens sofort ändert.

Der Zugang ist in einem Land von Bedeutung, in dem Anleger, Fondsmanager und Analysten Bergbau- und Rohstoffunternehmen aufmerksam verfolgen. Glencores Portfolio umfasst Rohstoffe, die für industrielle Lieferketten zentral sind. In der ursprünglichen Mitteilung wird jedoch nicht angegeben, welche australischen Anlegergruppen oder Fonds bereits über das neue Instrument Positionen eingegangen sind.

Die Kotierung eröffnet dem Unternehmen zudem einen weiteren Kommunikationskanal zum Markt. Eine lokale Notierung kann den Austausch mit Anlegern während der australischen Handelszeiten unterstützen und in einer Region, in der Rohstoffunternehmen einen wichtigen Teil des Anlageumfelds ausmachen, einen Referenzkurs bieten. Die erste Handelssitzung verlief stabil; grössere Schwankungen wurden nicht gemeldet. Die künftige Beteiligung wird davon abhängen, wie viele Anleger das Angebot nutzen, wie liquide die CDIs sind und wie einfach sich Glencore-Aktien in CDIs und zurück umwandeln lassen.

Australiens spezialisierte Anleger ansprechen

Glencore rechnet damit, dass die Handelsvolumen in Australien mit der Zeit steigen und schliesslich ein ähnliches Niveau wie die derzeitigen Aktivitäten in Südafrika erreichen. Das Unternehmen hat die Zweitkotierung als strategischen Schritt dargestellt und nicht als kurzfristigen Versuch, eine dramatische Marktreaktion auszulösen.

CEO Gary Nagle sagte vor dem Start, Australien biete einen Anlegerstamm mit «ausgewiesener Fachkenntnis im Rohstoffsektor». Zudem nannte er zwei weitere Ziele: Glencores Präsenz in einem seiner wichtigsten Märkte zu stärken und die finanzielle Flexibilität zu erhöhen.

Diese Ziele gehen über den Eröffnungskurs hinaus. Eine Zweitkotierung kann einem Unternehmen Zugang zu Anlegern verschaffen, die nicht regelmässig an seinem Hauptmarkt oder an bestehenden ausländischen Handelsplätzen handeln. Sie kann auch die Möglichkeiten erweitern, über die Analysten das Unternehmen beurteilen, und möglicherweise die Widerstandsfähigkeit des Aktionärsstamms stärken. Die Quelle nennt weder einen Zeitplan für das Erreichen des Vergleichswerts für Südafrika noch eine Prognose zu zusätzlichem Kapital, das durch den Schritt aufgenommen werden soll.

Glencores Wahl Australiens spiegelt die Rolle des Landes in der globalen Rohstofffinanzierung wider. Die ASX bietet Anlegern, die mit Bergbauzyklen, Produktionsrisiken und Rohstoffpreisen vertraut sind, ein etabliertes Umfeld. Für einen in der Schweiz ansässigen Konzern mit Aktivitäten auf internationalen Märkten ist dieses Fachpublikum für die Beweggründe hinter der Kotierung zentral.

Liquidität und Reichweite bei Anlegern beobachten

Die Kotierung an der ASX erweitert Glencores internationales Profil um eine weitere Ebene, während der Konzern die Erwartungen der Anleger in mehreren Märkten steuert. Der Handel in Australien wird parallel zum bestehenden Aktionärsstamm des Unternehmens laufen. Die CDI-Struktur bietet berechtigten Inhabern einen möglichen Zugang zum lokalen Markt.

Glencores Geschichte in Australien bildet die Grundlage für diese Expansion. Das Unternehmen gibt an, seit mehr als 25 Jahren im Land tätig zu sein. In dieser Zeit sind seine Aktivitäten in einem Markt verankert worden, der eng mit Bergbau- und Rohstoffinvestitionen verbunden ist. Mit der Zweitkotierung erhält die operative Präsenz nun auch eine formelle lokale Handelspräsenz.

Der Schritt folgt auf ein starkes erstes Halbjahr des Schweizer Rohstoffkonzerns. Swissinfo.ch berichtete im August, Glencore habe in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 einen Gewinn von 4,41 Milliarden US-Dollar erzielt. Dieses Ergebnis bildet einen Teil des umfassenderen finanziellen Kontexts, in dem Anleger Glencores Debüt in Australien beurteilen werden. In der Mitteilung zur Kotierung wird die Gewinnzahl jedoch nicht direkt mit dem Schritt an die ASX in Verbindung gebracht.

Die nächsten Indikatoren sind praktischer Natur: die Liquidität der CDIs, die Umwandlungsaktivität und die Frage, ob sich die australischen Handelsvolumen dem von Glencore genannten Vergleichswert für Südafrika annähern. Für Schweizer Anleger und politische Entscheidungsträger zeigt die Kotierung zudem, wie ein Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz seine Beziehungen zu einem strategisch wichtigen ausländischen Kapitalmarkt vertiefen kann, ohne seinen Unternehmenssitz zu verlegen.