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Swiss Observer

Treffen in Genf soll Friedensbemühungen im Sudan koordinieren

Die UNO und die Schweiz bringen in Genf 27 Delegationen zusammen, um diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Kriegs im Sudan zu koordinieren. Im Mittelpunkt des Treffens stehen die Verringerung der Kampfhandlungen und die Abstimmung internationaler Initiativen. Die sudanesischen Konfliktparteien werden jedoch nicht teilnehmen.

Treffen in Genf soll Friedensbemühungen im Sudan koordinieren
AISWI swissinfo.ch

27 Delegationen treffen sich im Genfer Palais des Nations, während die Schweiz und die Vereinten Nationen versuchen, die zahlreichen diplomatischen Bemühungen rund um den Krieg im Sudan zu koordinieren. Das für Mittwoch angesetzte Treffen soll sich auf die Verringerung der Kampfhandlungen und die Unterstützung eines politischen Prozesses nach fast drei Jahren Krieg konzentrieren.

Naila Hajjar, die mit dem UNO-Sondergesandten für den Sudan, Pekka Haavisto, zusammenarbeitet, sagte, die Teilnehmenden müssten beurteilen, wie bestehende Initiativen einander stärken können. Das Treffen ist das sechste Koordinationstreffen; frühere Zusammenkünfte fanden in anderen Ländern statt.

In Genf werden hochrangige Vertreterinnen und Vertreter von Regierungen und internationalen Organisationen erwartet, die im Sudan aktiv sind. Die Delegationen sollen von Ministerinnen und Ministern, Vizeministerinnen und Vizeministern oder hochrangigen Amtsträgerinnen und Amtsträgern geleitet werden. Die Rolle der Schweiz spiegelt ihre etablierte Stellung als Gastgeberin internationaler Verhandlungen und humanitärer Diplomatie wider.

Die Organisatoren streben eine gemeinsame Erklärung der Teilnehmenden an. Zudem wollen sie nach dem Treffen Informationen an die Konfliktparteien im Sudan weiterleiten. Damit liegt der Schwerpunkt zunächst auf der Koordination zwischen externen Akteuren, bevor es zu einem direkten Austausch mit den im Sudan kämpfenden Kräften kommt.

Die Vermittler aufeinander abstimmen

Die sudanesische Regierung und die Rapid Support Forces werden nicht im Raum sein. Das Treffen ist den Vermittlern vorbehalten. Keine der Konfliktparteien wird in Genf vertreten sein.

Diese Einschränkung begrenzt, worüber die Zusammenkunft entscheiden kann. Die Teilnehmenden können Vorschläge vergleichen, den Druck koordinieren und den Zugang für humanitäre Einsätze erörtern. Sie können jedoch keinen Waffenstillstand im Namen der bewaffneten Parteien unterzeichnen. Die Organisatoren wollen beiden Seiten nach der Sitzung Informationen übermitteln, auch über die von den Delegationen erwartete gemeinsame Erklärung.

Die Vereinigten Staaten, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und Saudi-Arabien nehmen als Mitglieder des Quad teil, einer Gruppe, die sich an den diplomatischen Bemühungen zum Sudan beteiligt. Auch Katar, die Türkei, Deutschland und Norwegen werden erwartet. Die ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats und internationale Organisationen, die im Sudan tätig sind, werden ebenfalls teilnehmen.

Den Nachbarstaaten gilt besondere Aufmerksamkeit, da der Krieg Millionen Sudanesinnen und Sudanesen über die Landesgrenzen getrieben und die regionale Sicherheit beeinträchtigt hat. Wenn diese Regierungen in denselben Koordinationsprozess einbezogen werden, könnte dies dazu beitragen, widersprüchliche Botschaften zu vermeiden. Aus den vorliegenden Informationen geht jedoch nicht hervor, dass das Treffen eine ausgehandelte Lösung hervorbringen wird.

Das Ausmass der humanitären Krise angehen

Fast 13 Millionen Menschen wurden durch den Krieg im Sudan vertrieben, darunter 4 Millionen Flüchtlinge. Zehntausende wurden getötet, während Dutzende Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Das geht aus den Informationen hervor, die im Vorfeld des Genfer Treffens präsentiert wurden.

Die Vertreibungszahlen zeigen, dass die Krise weit über die Frontlinien des Sudan hinausreicht. Menschen sind innerhalb des Landes geflohen oder in Nachbarstaaten über die Grenze gegangen. Damit sind die Regierungen der Region direkte Beteiligte an jedem Versuch, die Kämpfe zu beenden. Ihre Anwesenheit in Genf soll diese regionale Dimension in die diplomatischen Gespräche einbringen.

Darfur bleibt ein zentrales Anliegen. Eine internationale Untersuchungskommission verurteilte, was sie als Völkermordkampagne der RSF zur Einnahme von El-Fasher vor einem Jahr bezeichnete. Die Erkenntnisse der Kommission haben den Druck erhöht, für Rechenschaft zu sorgen, während die Vermittler einen politischen Prozess vorantreiben.

Auch die Lage in El-Obeid in Kordofan hat international Aufmerksamkeit erregt. Auf Ersuchen des UNO-Menschenrechtsrats wird die Kommission dort eine dringende Untersuchung durchführen. Diese Untersuchungen werden parallel zu den diplomatischen Bemühungen weitergeführt. Der Schutz der Zivilbevölkerung und die Rechenschaftspflicht bleiben damit fest auf der Tagesordnung.

Konkurrierende Initiativen zusammenführen

Das Genfer Treffen wird zeigen, ob die getrennten diplomatischen Kanäle zusammenarbeiten können. Der Konflikt im Sudan hat Initiativen regionaler Mächte, der Vereinigten Staaten, europäischer Regierungen, der Vereinten Nationen und weiterer internationaler Akteure ausgelöst. Ziel des Treffens ist es laut den Organisatoren, zu prüfen, wie sich diese Bemühungen gegenseitig verstärken können.

Die teilnehmenden Staaten haben unterschiedliche Beziehungen zum Sudan und unterschiedliche Prioritäten. Ägypten und Saudi-Arabien engagieren sich stark in der Region. Die Vereinigten Arabischen Emirate und die Vereinigten Staaten gehören dem Quad an. Auch Katar, die Türkei, Deutschland und Norwegen haben sich an der Sudan-Diplomatie beteiligt. Ihre Präsenz verleiht dem Treffen eine grosse Reichweite, macht aber auch deutlich, wie schwierig es ist, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln.

Hajjar sagte, auf der Tagesordnung stünden die Verringerung der Kampfhandlungen und die Förderung des politischen Prozesses. Die Delegationen werden von Ministerinnen und Ministern, Vizeministerinnen und Vizeministern oder hochrangigen Amtsträgerinnen und Amtsträgern geleitet. Dies signalisiert eine stärkere politische Aufmerksamkeit als bei einer technischen Hilfskonferenz.

Eine gemeinsame Erklärung würde dem Treffen ein öffentliches Ergebnis geben. Ihre praktische Bedeutung hängt davon ab, ob die Teilnehmenden ihre Botschaften abstimmen, den Zugang für humanitäre Hilfe unterstützen und ihren jeweiligen Einfluss nutzen, um die Konfliktparteien zu Gesprächen zu bewegen.

Genfs Einfluss messen

Die Schweiz stellt den Veranstaltungsort bereit, während die UNO eine gemeinsame diplomatische Linie anstrebt. Für Genf unterstreicht das Treffen die Rolle der Stadt als Zentrum für Konfliktvermittlung, humanitäre Koordination und internationales Recht. Im Palais des Nations wurden Verhandlungen über Krisen weit ausserhalb der Schweizer Grenzen geführt. Nun bringt der Sudan eine der grössten Vertreibungskrisen der Welt in die Konferenzräume der Stadt.

Der Beitrag der Schweiz geht über die Ausrichtung von Gesprächen hinaus. Im April 2026 kündigte die Schweiz zusätzliche 23 Millionen CHF an humanitärer Hilfe für den Sudan an, wie aus einem entsprechenden Bericht von Swissinfo hervorgeht. Diese Hilfe ergänzt die diplomatischen Bemühungen und spiegelt das doppelte Engagement des Landes in den Bereichen Nothilfe und internationale Zusammenarbeit wider.

Die unmittelbare Bewährungsprobe besteht darin, ob die Delegationen eine koordinierte Botschaft formulieren können, die sowohl die sudanesische Regierung als auch die RSF erreicht. Die Organisatoren erwarten, die Schlussfolgerungen des Treffens nach der Sitzung am Mittwoch den Parteien zu übermitteln, obwohl keine von ihnen teilnehmen wird.

Für Schweizer Amtsträgerinnen und Amtsträger wird sich der Wert Genfs daran messen, ob es konkrete Fortschritte gibt: weniger Kampfhandlungen, besserer Zugang für humanitäre Hilfe und Bewegung hin zu einem politischen Prozess. Das Treffen bietet ein Forum für die Abstimmung. Ob diese Abstimmung die Lage vor Ort verändert, entscheiden die Konfliktparteien.