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Swiss Observer

Studie aus Freiburg: LSD könnte motorisches Lernen verbessern

Eine kontrollierte Studie der Universität Freiburg ergab, dass Teilnehmende, die eine einzelne Dosis von 100 Mikrogramm LSD erhielten, im Vergleich zur Placebogruppe eine um 32,8 % bessere Konsolidierung des motorischen Lernens zeigten. Die Forschenden betonen, dass der Befund aus einer kleinen Stichprobe stammt und weiter untersucht werden muss.

Studie aus Freiburg: LSD könnte motorisches Lernen verbessern
AISWI swissinfo.ch

Eine einzelne Dosis von 100 Mikrogramm LSD war mit einer um 32,8 % stärkeren Konsolidierung des motorischen Lernens verbunden als ein Placebo. Zu diesem Ergebnis kommt eine kontrollierte Studie unter Leitung von Forschenden der Universität Freiburg, die am 25. September 2026 veröffentlicht wurde. Im Experiment untersuchten die Forschenden, was geschah, nachdem die Teilnehmenden eine kurze Klaviertastenfolge gelernt hatten. Diese klar definierte Aufgabe ermöglichte es, den Erhalt und die Verbesserung einer neu erlernten Bewegung genau zu messen.

Das Ergebnis zeigte sich nach der ersten Lerneinheit und nicht während des anfänglichen Übens. Achtzig Minuten nach dem Training war der Fortschritt der Personen, die am Vortag LSD eingenommen hatten, um 32,8 % grösser als der Fortschritt unter Placebobedingungen.

Der Befund bringt eine bekannte psychedelische Substanz in ein klar eingegrenztes neurowissenschaftliches Experiment ein. Er belegt nicht, dass LSD die alltägliche Koordination, die musikalischen Fähigkeiten oder die sportliche Leistung verbessert. Die Studie untersuchte eine Form des motorischen Lernens bei einer kleinen Gruppe gesunder Teilnehmender. Die Forschenden sagen, dass weitere Untersuchungen nötig sind, bevor sich Schlussfolgerungen zu Behandlung oder Rehabilitation ziehen lassen.

Für die Schweiz ergänzt die Arbeit die Forschung an einer Universität mit starker Präsenz in der Psychiatrie und den Neurowissenschaften. Sie wirft zudem eine Frage von unmittelbarer klinischer Bedeutung erneut auf: Können veränderte Bewusstseinszustände beeinflussen, wie das Gehirn neu erlernte Bewegungen speichert?

Eine Klaviertastenfolge machte den Lerneffekt sichtbar

An der Studie nahmen 43 Personen teil, die unter LSD- und Placebobedingungen dieselbe Klaviertastenfolge lernten. Alle Teilnehmenden sollten die Folge einmal nach der Einnahme einer einzelnen Dosis von 100 Mikrogramm LSD und ein weiteres Mal nach der Einnahme eines Placebos spielen. Dank dieses Versuchsaufbaus konnten die Forschenden die Wirkung der Substanz innerhalb des Experiments mit einer Kontrollbedingung vergleichen.

Während der Lernphase stellten die Forschenden keinen messbaren Vorteil fest. Der Unterschied zeigte sich bei der Konsolidierung, jener Phase, in der das Gehirn eine neu erlernte Fähigkeit stabilisiert und festigt. Im Experiment war der spätere Fortschritt unter LSD 32,8 % grösser als unter Placebo. Die Tests fanden 80 Minuten nach der Trainingseinheit statt.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Das Ergebnis deutet auf eine mögliche Wirkung darauf hin, wie das Gelernte nach dem Üben erhalten oder verfeinert wird. Es ist kein Beleg dafür, dass LSD eine Person unmittelbar besser darin macht, eine Aufgabe auszuführen. Die Klavierübung ermöglichte zudem eine kontrollierte Messung, anders als allgemeine Selbsteinschätzungen zu Kreativität, Konzentration oder Produktivität.

Der Bericht liefert weder ein umfassenderes klinisches Ergebnis noch einen Leistungsvorteil ausserhalb der Aufgabe oder Hinweise darauf, dass die Teilnehmenden die Fähigkeit im Alltag wirksamer einsetzen konnten. Diese offenen Fragen begrenzen die Aussagekraft des Ergebnisses, weisen künftigen Studien aber eine klare Richtung.

Forschende prüfen Plastizität, Aufmerksamkeit und Erwartungen

Die Forschenden haben nicht ermittelt, warum LSD den berichteten Vorteil bewirkte. Abigail Calder, die leitende Forscherin der Studie am Labor für Molekulare Psychiatrie der Universität Freiburg, sagte, die Arbeit sei ihres Wissens die erste kontrollierte Studie, die nach der Einnahme einer psychedelischen Substanz eine Verbesserung des motorischen Lernens aufzeige.

Mehrere Erklärungen sind möglich. Calder und ihre Kolleginnen und Kollegen verweisen auf eine erhöhte Plastizität des Gehirns nach der Einnahme von LSD sowie auf Veränderungen der Aufmerksamkeit oder Motivation. Die Plastizität des Gehirns beschreibt die Fähigkeit neuronaler Systeme, sich durch Erfahrungen zu verändern. Wenn die Substanz diesen Prozess beeinflusst, könnte sie sich auf die Phase nach dem Üben auswirken, in der neue Bewegungen stabiler werden. Veränderungen der Aufmerksamkeit oder Motivation könnten ebenfalls beeinflusst haben, wie die Teilnehmenden die Aufgabe angingen und wie gleichmässig sie sie ausführten.

Mit dem aktuellen Experiment lassen sich diese Mechanismen nicht voneinander unterscheiden. Die Teilnehmenden wussten, wann sie LSD eingenommen hatten, was Erwartungen und Verhalten beeinflussen kann. Diese Einschränkung ist besonders wichtig, wenn Forschende subjektive Wirkungen untersuchen. Eine Woche nach dem Experiment berichteten die Teilnehmenden von weniger Stress und teilweise von grösserer geistiger Flexibilität. Die Autorinnen und Autoren warnten, dass Erwartungen diese Angaben beeinflusst haben könnten.

Das Ergebnis zum motorischen Lernen stammt aus einer konkreteren Leistungsaufgabe, muss aber dennoch mit grösseren Stichproben, einer besseren Verblindung und zusätzlichen Messungen der Hirnaktivität und des Verhaltens wiederholt werden.

Ein möglicher Ansatz für die Rehabilitation ist noch weit von einer Behandlung entfernt

Die Studie empfiehlt LSD nicht für Patientinnen und Patienten und untersuchte auch keine Personen, die sich von einer Krankheit oder Verletzung erholten. Calder sagte ausdrücklich, dass die Ergebnisse keine Empfehlung für eine klinische Anwendung darstellen. Die Teilnehmenden waren gesund. Das Experiment kann daher nicht zeigen, ob LSD Menschen dabei helfen würde, nach einem Schlaganfall, einem Schädel-Hirn-Trauma oder einer anderen neurologischen Erkrankung Bewegungen neu zu erlernen.

Der mögliche Bezug zur Rehabilitation liegt dennoch auf der Hand. Patientinnen und Patienten müssen oft sorgfältig strukturierte Bewegungen wiederholen, um die Kontrolle über einen Arm, eine Hand oder ein Bein zurückzugewinnen. Eine Substanz, die die Konsolidierung motorischer Fähigkeiten verändert, könnte künftig für die Rehabilitationsforschung relevant werden, sofern künftige Studien Sicherheit, Nutzen, Dosis, Zeitpunkt und die Rolle einer überwachten Therapie belegen.

Ein solcher Weg würde umfangreiche Schutzvorkehrungen erfordern. Forschende müssten feststellen, ob die Wirkung auch bei älteren Erwachsenen und bei Patientinnen und Patienten mit neurologischen Erkrankungen auftritt. Ausserdem müssten sie unerwünschte Reaktionen, Wechselwirkungen mit Medikamenten, den Einfluss von Erwartungen und die Frage untersuchen, ob eine Verbesserung über das kurze Testfenster des Freiburger Experiments hinaus anhält.

Vorerst stützen die Belege eine Forschungshypothese und keine medizinische Intervention. Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnen und Patienten in der Schweiz sollten die Zahl von 32,8 % als frühes Signal aus einer kleinen kontrollierten Studie verstehen, nicht als Beweis dafür, dass LSD zur üblichen Rehabilitation gehört.

Die Schweiz wartet auf die nächste Runde von Erkenntnissen

Der nächste Schritt zur Überprüfung des Freiburger Ergebnisses ist eine Wiederholung der Studie, nicht eine rasche Einführung. Grössere Studien könnten zeigen, ob der berichtete Vorteil bei der Konsolidierung bei verschiedenen Aufgaben, Altersgruppen und Graden an musikalischer oder motorischer Vorerfahrung regelmässig auftritt. Sie könnten zudem klären, ob die Wirkung vom Zeitpunkt der Dosis, der Übungseinheit oder der späteren Nachuntersuchung abhängt.

Die Forschenden müssen sich mit der Schwierigkeit auseinandersetzen, Studien mit psychedelischen Substanzen zu verblinden. Teilnehmende erkennen oft, ob sie LSD erhalten haben, was ihren Einsatz, ihre Erwartungen und ihre selbst berichteten Ergebnisse beeinflussen kann. Objektive Messungen der Motorik, unabhängige Beurteilende und sorgfältig konzipierte Kontrollbedingungen werden deshalb zentral bleiben.

Die Studie der Universität Freiburg bietet einen klar eingegrenzten Ausgangspunkt. Sie bringt eine einzelne Dosis mit der späteren Leistung bei einer bestimmten Klaviertastenfolge in Verbindung, berichtet während der Konsolidierung einen Vorteil von 32,8 % gegenüber Placebo und hält ihre Schlussfolgerungen eng gefasst. Diese Kombination macht das Ergebnis nützlich, ohne es als endgültig darzustellen.

Die Ergebnisse fügen sich auch in die längere Geschichte der LSD-Forschung in der Schweiz ein. Der Basler Chemiker Albert Hofmann entdeckte die Substanz 1938 und wurde später eng mit ihren psychedelischen Wirkungen verbunden. Jahrzehnte danach untersucht die Studie aus Freiburg eine andere Frage: Wie kann ein Psychedelikum die Abläufe des Lernens beeinflussen? Die Antwort hängt von Erkenntnissen aus grösseren und methodisch strengeren Studien ab.