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Swiss Observer

Betrug in der Schweiz beinahe verdoppelt

Eine neue Umfrage zeigt, dass Betrug zum am schnellsten wachsenden Kriminalitätsproblem in der Schweiz geworden ist: 15.9% der Befragten gaben an, 2025 Opfer geworden zu sein, verglichen mit 8.4% im Jahr 2022. Die Studie verzeichnet zudem wachsende Sorgen um die persönliche Sicherheit.

Betrug in der Schweiz beinahe verdoppelt
AISWI swissinfo.ch

15.9% der Befragten gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten Opfer von Betrug geworden zu sein, beinahe doppelt so viele wie die 8.4% im Jahr 2022. Damit ist Betrug die am schnellsten wachsende Kriminalitätskategorie in der jüngsten «Crime Survey», die am 15. Oktober 2026 von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und der Universität St. Gallen veröffentlicht wurde.

Die Studie stützt sich auf Antworten von 13’500 Einwohnerinnen und Einwohnern im Alter von 16 bis 80 Jahren aus der ganzen Schweiz. Sie erfasst sowohl Straftaten, die der Polizei gemeldet werden, als auch Vorfälle, die in keiner offiziellen Statistik auftauchen. So erhalten die Forschenden ein umfassenderes Bild davon, wie viele Menschen Opfer werden, als es die Polizeistatistik allein ermöglicht.

Der Anstieg hängt eng mit dem digitalen Alltag zusammen. Rund drei Viertel der von den Befragten gemeldeten Betrugsfälle ereigneten sich online, auch über soziale Medien. Die Umfrage nennt weder eine einzelne vorherrschende Betrugsmasche noch erstellt sie eine Rangliste der Kantone. Ihre Ergebnisse zeigen jedoch, wie schnell sich die Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden, auf Smartphones, Plattformen und Online-Transaktionen verlagert hat.

Auch die Eigentumskriminalität nahm zu. 4.3% der Befragten wurden 2025 persönliche Gegenstände gestohlen, gegenüber 3% im Jahr 2022. Diebstähle aus Autos haben sich von 1.2% auf 2.7% mehr als verdoppelt. Die Ergebnisse rücken alltägliche finanzielle Verluste und Eigentumsdelikte ins Zentrum des sich wandelnden Kriminalitätsbilds der Schweiz.

Mehr zählen als die Fälle, die die Polizei erfasst

Die Meldequoten blieben weitgehend unverändert, was die Schlussfolgerung der Forschenden stützt, dass der Anstieg auf mehr Betroffene zurückgeht und nicht auf einen plötzlichen Zuwachs bei den Meldungen an die Polizei. Dirk Baier, Co-Leiter des Projekts und Professor an der ZHAW, sagte, der Anstieg der registrierten Kriminalität sei «nicht in erster Linie auf eine grössere Bereitschaft zurückzuführen, Straftaten zu melden».

Diese Unterscheidung ist in der Schweiz wichtig, denn die offiziellen Polizeidaten erfassen nur Straftaten, die Opfer melden. Die Befragten schilderten Vorfälle, die möglicherweise nie in einer Polizeidatenbank landen, etwa Online-Betrug, den Betroffene als zu geringfügig, peinlich oder schwer zu verfolgen einstufen könnten.

Betrug war nicht die einzige Kategorie, die zunahm. Sexuelle Belästigung stieg von 4.3% im Jahr 2022 auf 6.2% im Jahr 2025, während bei der sexuellen Gewalt kein Anstieg der Betroffenheit festgestellt wurde. Die Forschenden verzeichneten auch keinen Anstieg bei der Gesamtrate der in der Umfrage untersuchten Sexualdelikte.

Die Ergebnisse deuten auf eine breit angelegte Veränderung der Kriminalitätsgefährdung hin, auch wenn das Ausmass je nach Straftat unterschiedlich ist. Polizeistatistik und Umfrageantworten entwickelten sich während eines Grossteils des Zeitraums in dieselbe Richtung. Die Studie liefert damit zusätzliche Erkenntnisse für die nationale Debatte darüber, wie viel Kriminalität in den offiziellen Zahlen sichtbar wird und wie viel ungemeldet bleibt.

Den Rückgang des Sicherheitsgefühls bei Dunkelheit verfolgen

Nur 83.1% der Befragten gaben an, sich 2025 nach Einbruch der Dunkelheit in ihrer Nachbarschaft eher oder sehr sicher zu fühlen, gegenüber 87.6% drei Jahre zuvor. Auch die Angst, Opfer eines Strassendelikts zu werden, nahm im selben Zeitraum zu.

Parallel dazu veränderte sich die Wahrnehmung der Polizeipräsenz. Der Anteil der Befragten, die die Polizeipräsenz im öffentlichen Raum als ungenügend bezeichneten, stieg von 28.9% auf 37.9%. Das Vertrauen in die Polizei blieb den Forschenden zufolge dennoch hoch. Dies deutet darauf hin, dass das Vertrauen in die Institution Bestand hat, während der Wunsch nach einer sichtbareren Präsenz wächst.

Die Umfrage bildet einen landesweiten Trend ab, nicht eine detaillierte Risikokarte. Aus den veröffentlichten Ergebnissen geht nicht hervor, dass sich die Lage in jeder Gemeinde, Stadt oder jedem Kanton gleich entwickelt hat. Sie zeigen auch nicht, dass die Angst allein auf direkte Opfererfahrungen zurückzuführen ist. Nachrichtenberichte, Warnungen im Internet und persönliche Erlebnisse können alle beeinflussen, wie die Bevölkerung ihre Umgebung einschätzt.

Nora Markwalder, Co-Direktorin des Projekts und Professorin an der Universität St. Gallen, sagte, der Rückgang müsse ernst genommen, aber nicht übertrieben dargestellt werden. Die Befragten beschrieben die Schweiz weiterhin mehrheitlich als sicheres Land, auch wenn ihr Sicherheitsgefühl nach Einbruch der Dunkelheit nachgelassen hat.

Häusliche Gewalt weiterhin im Blick behalten

Frauen meldeten häusliche Gewalt mehr als doppelt so häufig wie Männer: 5.4% der Frauen und 2.2% der Männer gaben an, innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren mindestens eine Form häuslicher Gewalt erlebt zu haben. Ein Zusatzbericht untersuchte das Thema ergänzend zur Hauptstudie «Crime Survey».

Der Gesamtanteil der Personen, die häusliche Gewalt meldeten, veränderte sich gegenüber 2022 nicht signifikant. Die Geschlechterkluft blieb in der Umfrage deutlich und entspricht laut Dirk Baier dem Muster der offiziellen Statistiken. Er sagte, die Ergebnisse erfassten auch Fälle, die nie den Behörden gemeldet würden, und bestätigten, wie wichtig Präventionsmassnahmen gegen Gewalt an Frauen seien.

Von den einzelnen untersuchten Gewaltformen waren häusliche Hassdelikte die einzige Kategorie, bei der im Vergleich zu 2022 ein statistisch signifikanter Anstieg festgestellt wurde. Die vorliegenden Umfrageergebnisse enthalten keine Aufschlüsselung nach Kanton. Daher lässt sich nicht feststellen, ob sich die Veränderung auf bestimmte Teile der Schweiz konzentrierte.

Insgesamt erschweren die Ergebnisse zu häuslicher Gewalt eine einheitliche Deutung des landesweiten Kriminalitätstrends. Betrug und mehrere Eigentumsdelikte nahmen stark zu, während die Fünfjahresprävalenz häuslicher Gewalt weitgehend stabil blieb. Die Zahlen beschreiben verschiedene Formen von Schaden, die unterschiedliche Reaktionen von Polizei, Beratungsstellen und Präventionsprogrammen erfordern.

Die nächste Schutzschicht aufbauen

Digitaler Betrug betrifft inzwischen jedes Jahr beinahe eine von sechs befragten Personen. Damit zeichnet sich für die Schweizer Behörden ein klarer Ansatzpunkt für Präventionsarbeit ab, während das Bild der öffentlichen Sicherheit insgesamt gemischt bleibt. Die Umfrage zeigt, dass Online-Plattformen eine zentrale Rolle spielen. Warnungen von Banken, Polizei und Konsumentenorganisationen gehören damit zur alltäglichen Kriminalprävention.

Die unveränderte Meldequote stellt die Institutionen zudem vor eine praktische Herausforderung. Opfer benötigen leicht zugängliche Möglichkeiten, Betrugsfälle zu melden, Beweise zu sichern und Rat einzuholen, besonders wenn eine Straftat mehrere Plattformen oder Länder betrifft. Eine bessere Meldung kann Ermittlungen unterstützen, wird den von der Umfrage festgestellten Anstieg aber nicht allein erklären.

Der Rückgang des Sicherheitsgefühls nach Einbruch der Dunkelheit setzt eine zweite Priorität. Die Bevölkerung wünscht sich eine sichtbare Polizeipräsenz im öffentlichen Raum. 37.9% halten die aktuelle Präsenz für ungenügend. Gleichzeitig bietet das hohe Vertrauen in die Polizei den Behörden eine starke Grundlage für gezielte Kommunikation und lokale Präventionsarbeit.

Die nächste «Crime Survey» wird zeigen, ob diese Muster anhalten. Die Ergebnisse von 2025 zeichnen vorerst das Bild eines Landes, das weiterhin weithin als sicher gilt, dessen Bevölkerung aber mit mehr Betrug und Eigentumskriminalität sowie einem messbaren Rückgang des Sicherheitsgefühls nach Einbruch der Dunkelheit konfrontiert ist.