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Swiss Observer

Euclid-Teleskop entdeckt mit Schweizer Beteiligung die ältesten bekannten Quasare

Die Euclid-Weltraummission, an der die Schweiz massgeblich beteiligt ist, hat 31 neue Quasare aus dem frühen Universum entdeckt, darunter die beiden ältesten, die je beobachtet wurden. Diese Entdeckungen gewähren beispiellose Einblicke in die kosmische Geschichte und reichen bis in eine Zeit zurück, als das Universum erst 670 Millionen Jahre alt war.

Euclid-Teleskop entdeckt mit Schweizer Beteiligung die ältesten bekannten Quasare
AISWI swissinfo.ch

Das Weltraumteleskop Euclid hat alle Erwartungen übertroffen und 31 neue Quasare aus den Anfängen der Zeit entdeckt, darunter die beiden ältesten, die je mit menschlicher Technologie erfasst wurden. Diese Himmelsleuchtfeuer stammen aus einer Zeit, als das Universum gerade einmal 670 Millionen Jahre alt war, ein gewaltiger Sprung zurück in die kosmische Vergangenheit. Diese Entdeckung erweitert nicht einfach eine Liste, sondern verdoppelt auf einen Schlag die Zahl der bekannten Quasare aus dieser frühen Epoche. Euclid wurde 2023 gestartet und erweist sich als ultimative Zeitmaschine: Das Teleskop fängt Licht ein, das mehr als 13 Milliarden Jahre unterwegs war, bevor es seine Sensoren erreichte. Während frühere Missionen Mühe hatten, diese Nadeln im kosmischen Heuhaufen zu finden, kartiert Euclid das «dunkle Universum» dank seiner Weitwinkel-Beobachtungsmöglichkeiten nun systematisch und mit beispielloser Effizienz. Das ist keine schrittweise Entdeckung, sondern ein Frontalangriff auf unser Unwissen über den frühen Kosmos.

Schweizer Präzision ermöglicht die Erforschung des tiefen Weltraums

Die Schweiz steht im Zentrum dieses Durchbruchs. Vier grosse nationale Institutionen tragen entscheidend zum technischen und wissenschaftlichen Erfolg der Mission bei. Die Universität Genf, die Universität Zürich, die EPFL und die Fachhochschule Nordwestschweiz bilden das Rückgrat der Fähigkeiten von Euclid. Schweizer Ingenieurinnen, Ingenieure und Forschende wirkten nicht nur mit, sie prägten entscheidende Bereiche wie Instrumentierung, Datenverarbeitung und komplexe Simulationen. Dieses Engagement festigt den Ruf der Schweiz als weltweit führend in der Weltrauminnovation und geht über eine reine Vermittlerrolle hinaus hin zu einer aktiven wissenschaftlichen Führungsrolle mit hohen Einsätzen. Während Grossmächte um die politische Kontrolle des Orbits ringen, konzentrieren sich Schweizer Forschende auf die grundlegende Physik des Universums. Ihr Beitrag stellt sicher, dass die gewaltigen Datenströme von Euclid in die bahnbrechenden Entdeckungen umgesetzt werden, die wir heute erleben. Ohne Schweizer Fachwissen im Umgang mit den hochentwickelten Sensoren des Teleskops wären diese uralten Quasare möglicherweise im Rauschen des Weltraums verborgen geblieben.

Die Kraft von einer Billion Sonnen

Eine Billion Sonnen, so gross ist die gemeinsame Leuchtkraft der beiden ältesten von Euclid entdeckten Quasare. Diese Objekte sind nicht einfach hell, sondern gehören zu den energiereichsten Phänomenen im bekannten Universum. Sie überstrahlen ihre gesamten Muttergalaxien um das 100- bis 1000-Fache. Quasare stehen für eine gewaltige, kurze Phase im Leben einer Galaxie, in der Materie in ein zentrales supermassereiches Schwarzes Loch stürzt und dabei ein Inferno aus Energie über das gesamte elektromagnetische Spektrum freisetzt. Die schiere Grösse dieser Objekte stellt aktuelle astrophysikalische Modelle infrage. Wie konnten Schwarze Löcher so schnell eine derartige Masse erreichen? Solche Giganten nur 670 Millionen Jahre nach dem Urknall zu finden, ist, als würde man in einer Kinderstube voller Neugeborener einen vollständig ausgewachsenen Erwachsenen entdecken. Diese Daten zwingen dazu, die Vorstellungen davon grundlegend zu überdenken, wie sich Materie im frühen Universum zusammenballte. Die von diesen Quasaren freigesetzte Energie ist so intensiv, dass sie über die gewaltige Distanz von 13 Milliarden Lichtjahren sichtbar ist. Sie dient Forschenden, die die Epoche der «Reionisierung» des Kosmos untersuchen, als Leuchtturm.

Die Zeitlinie des Universums wird neu geschrieben

Wäre die Geschichte des Universums auf eine einzige Stunde verkürzt, hätten diese Quasare bereits zu leuchten begonnen, bevor die Uhr die Drei-Minuten-Marke erreicht hätte. Diese von der ESA vermittelte Perspektive unterstreicht die Dringlichkeit der Euclid-Mission. Wir beobachten die allerersten Strukturen des Universums, während sie sich aus dem Chaos des Urknalls formten. Die Folgen für die künftige Forschung sind tiefgreifend: Indem Euclid die bekannte Population früher Quasare verdoppelt, stellt die Mission eine statistisch aussagekräftige Stichprobe bereit, mit der sich Theorien über dunkle Materie und dunkle Energie prüfen lassen. Für die Schweiz ist diese Mission ein Beweis für die Kraft der internationalen Zusammenarbeit und technischer Exzellenz. Während Euclid seine sechsjährige Himmelsdurchmusterung fortsetzt, dürfte die Entdeckung dieser 31 Quasare erst der Anfang einer Datenflut sein, die unseren Platz im Kosmos neu bestimmen wird. Nun beginnt die Suche nach noch älteren Objekten. Schweizer Forschende verschieben die Grenzen des Sichtbaren und suchen nach dem allerersten Licht, das jemals die Dunkelheit des frühen Universums durchdrang.