Wirtschaft
EU-Arbeitskräfte entscheidend für die Schweizer Wirtschaft, bestätigt SECO-Bericht
Ein neuer Bundesbericht zeigt, dass die Zuwanderung aus der EU/EFTA für die Besetzung von Fachkräftelücken entscheidend ist. Eine Nettozuwanderung von 53’700 Personen stützt wichtige Wirtschaftszweige.

53’700. Diese Zahl steht zwischen anhaltendem Wirtschaftswachstum und Stagnation. Der jüngste Bundesbericht des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) hat es in sich: Er bestätigt, dass die Nettozuwanderung aus der EU/EFTA im Jahr 2024 53’700 Personen erreichte. Obwohl dies einen deutlichen Rückgang bedeutet, 10’000 weniger als im Vorjahr, bleibt sie ein Lebenselixier der Schweizer Wirtschaft.
Es geht nicht einfach darum, Stellen zu besetzen, sondern ums Überleben. Die Analyse des SECO ist eindeutig: Der Schweizer Arbeitsmarkt muss offen bleiben. Während die einheimische Bevölkerung altert und die demografische Verlangsamung zunehmend spürbar wird, sind diese Arbeitskräfte kein Luxus, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Der leichte Rückgang der Zahlen sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Nachfrage nach hoch qualifizierten Fachkräften stark steigt. Ohne diesen stetigen Zustrom aus unseren europäischen Nachbarländern würden zentrale Motoren unseres Wohlstands ins Stottern geraten und zum Stillstand kommen.
Kritische Lücken: Wo die Wirtschaft unter Druck steht
Die Schilder «Personal gesucht» sind echt und überall zu sehen. Schweizer Unternehmen werben intensiv jenseits der Grenze um Arbeitskräfte, angetrieben von einer nüchternen Realität: Die einheimischen Arbeitskräfte können mit der Nachfrage schlicht nicht Schritt halten. Der SECO-Bericht hebt die verzweifelte Suche nach Fachkräften im Gastgewerbe, im Baugewerbe und in der Industrie hervor.
Es geht nicht um billige, sondern um verfügbare Arbeitskräfte. In diesen bestimmten Branchen ist der lokale Arbeitskräftepool erschöpft. Von den Küchen gehobener Alpenresorts bis zu den Baugerüsten neuer Zürcher Hochhäuser: Staatsangehörige aus der EU schliessen kritische Lücken. Die Daten zeigen eine gezielte Zuwanderung, wobei die Rekrutierung klar auf Bereiche ausgerichtet ist, in denen Schweizer Unternehmen mit gravierendem Personalmangel zu kämpfen haben. Wenn Sie dieses Jahr in einem Restaurant gegessen oder den Bau einer neuen Fabrik beobachtet haben, ist es gut möglich, dass Arbeitskräfte aus dem Ausland dies ermöglicht haben.
Mythen widerlegt: Ergänzung statt Konkurrenz
Es ist an der Zeit, die Alarmisten zum Schweigen zu bringen. Die Debatte über die Personenfreizügigkeit wird seit Langem von der hartnäckigen Befürchtung begleitet, ausländische Arbeitskräfte würden Schweizerinnen und Schweizer verdrängen. Der SECO-Bericht widerlegt diese Darstellung mit eindeutigen Daten. Das Fazit? Ergänzung statt Konkurrenz.
Die hohe Zuwanderung der vergangenen Jahre ging mit einer anhaltend tiefen Arbeitslosigkeit unter der Schweizer Erwerbsbevölkerung einher. Tatsächlich ist die Erwerbsquote sogar gestiegen. Staatsangehörige aus der EU übernehmen Tätigkeiten, für die sich im Inland keine Arbeitskräfte finden, und bringen so die Wirtschaft in Schwung, statt sie zu bremsen. Im Durchschnitt erhalten sie ähnliche Löhne wie ihre Schweizer Kolleginnen und Kollegen. Damit wird der Mythos eines weit verbreiteten Lohndumpings auf nationaler Ebene widerlegt. Das System funktioniert genau wie vorgesehen: Es stärkt die Erwerbsbevölkerung, ohne die Einheimischen an den Rand zu drängen.
Warnsignal Tessin: Lohnschutz hat Priorität
Der nationale Durchschnitt verdeckt jedoch eine turbulente Realität an der Südgrenze. Während das Gesamtbild stabil ist, bleibt das Tessin ein Sonderfall und muss sich mit konkreten Risiken einer Unterbietung der Löhne auseinandersetzen. Die Beschäftigung von Grenzgängerinnen und Grenzgängern stellt die Region vor eine besondere Herausforderung, die die übrige Schweiz nicht ignorieren kann.
Das SECO hat in dieser Region ein konkretes Risiko festgestellt, denn die Nähe zum italienischen Arbeitsmarkt setzt die Löhne unter Druck. Hier liegt der Konfliktpunkt. Die Regierung und die Sozialpartner haben sich auf Massnahmen zum Schutz des Schweizer Lohnniveaus geeinigt, doch Wachsamkeit ist unerlässlich. Während die Verhandlungen mit der EU über das Abkommen zur Personenfreizügigkeit weitergehen, führt die Lage im Tessin deutlich vor Augen: Offene Grenzen erfordern einen starken Schutz im Inland. Die Löhne unserer Grenzregionen dürfen nicht dem nationalen Wirtschaftswachstum geopfert werden.
Demografische Entwicklung: Die unausweichliche Realität
Eines ist klar: Die Zeit lässt sich nicht aufhalten. Der Bericht unterstreicht eine ernüchternde Tatsache: Zuwanderung trägt dazu bei, die Alterung unserer Gesellschaft zu verlangsamen, kann sie aber nicht aufhalten. Wir stehen vor einem demografischen Abgrund. 53’700 neue Arbeitskräfte bieten zwar einen Fallschirm, ändern aber nichts an den Gesetzen der Schwerkraft.
Das geltende Abkommen über die Personenfreizügigkeit steht nun im Zentrum der laufenden Verhandlungen mit Brüssel. Anpassungen sind unvermeidlich. Die Schweiz muss die unbestreitbare wirtschaftliche Notwendigkeit ausländischer Arbeitskräfte mit einem starken Schutz der eigenen Erwerbsbevölkerung in Einklang bringen. Mit Blick auf 2026 ist die Strategie klar: Talenten die Türen offen halten oder zusehen, wie die Wirtschaft schrumpft. Die Entscheidung liegt bei uns, doch die Zahlen sprechen für sich.