Nestlé
EU genehmigt geplantes Wasser-Joint-Venture von Nestlé
Die Europäische Kommission hat das geplante Joint Venture von Nestlé mit der US-Investmentfirma Platinum Equity zum Betrieb von Nestlé Waters genehmigt. Brüssel erklärte, der Deal, der Mineralwasser und damit verbundene Getränke umfasst, gebe keinen Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken.

Brüssel hat den nächsten grossen Schritt beim Rückzug von Nestlé aus der direkten Kontrolle über seine Wassersparte genehmigt. Die Europäische Kommission genehmigte am Dienstag, dem 13. Oktober 2026, die geplante gemeinsame Übernahme von Nestlé Waters of Luxembourg durch den in Vevey ansässigen Nestlé-Konzern und die US-Investmentfirma Platinum Equity. Der Entscheid beseitigt die wettbewerbsrechtliche Hürde der EU für eine Transaktion, aus der ein neues Unternehmen namens Peranel hervorgehen wird.
Die Kommission erklärte, der Deal betreffe hauptsächlich Mineralwasser und damit verbundene Getränke. Bei ihrer Prüfung fand sie keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken, da Nestlé und Platinum Equity weder auf demselben Markt noch auf verwandten vertikalen Märkten tätig seien. Die Genehmigung erfolgte gemäss der EU-Fusionskontrollverordnung.
Die Transaktion verschafft Platinum Equity eine Beteiligung von 50 Prozent an Nestlés Mineralwassergeschäft. Nestlé gab die Partnerschaft im Juli bekannt, nachdem der Konzern seit 2024 nach einer Möglichkeit gesucht hatte, einen Teil der Sparte zu veräussern. Das Geschäft steht seit dem Skandal um illegale Filter bei der Behandlung von Mineralwasser in Frankreich anhaltend unter Beobachtung.
Zum Zeitpunkt der Meldung über die Genehmigung hatte Nestlé auf Anfragen der Nachrichtenagentur AWP noch nicht reagiert. Das Unternehmen rechnet damit, den Deal in der ersten Hälfte des Jahres 2027 abzuschliessen, vorbehaltlich der noch erforderlichen Schritte zur Vollendung der Transaktion.
Peranel vereint ein globales Wasserportfolio
Peranel wird mehr als 30 Marken vereinen, die in 120 Ländern verkauft werden. Das Portfolio erstreckt sich über mehrere Märkte und umfasst S.Pellegrino, Acqua Panna, Perrier, Vittel, Contrex und Hépar. Dazu gehören auch die Schweizer Marke Henniez, französische Marken sowie Buxton in Grossbritannien und Sohat im Libanon.
Diese geografische Verteilung verschafft dem Joint Venture von Anfang an eine internationale Präsenz. Für Nestlé bewahrt die Vereinbarung ein wirtschaftliches Interesse am Geschäft, während die Hälfte des Eigentums an Platinum Equity übergeht, einer US-Investmentfirma. Die Struktur trennt das Wasserportfolio zudem vom übrigen Lebensmittel- und Getränkegeschäft von Nestlé.
Die Sparte ist ein bedeutender, aber komplexer Teil des Konzernportfolios geblieben. Die Mineralwassermarken sind in unterschiedlichen regulatorischen Systemen und Absatzmärkten tätig und beziehen ihr Wasser aus verschiedenen Quellen. Der Entscheid der Europäischen Kommission beantwortet die wettbewerbsrechtliche Frage. Das neue Unternehmen muss sich weiterhin mit diesen betrieblichen und reputationsbezogenen Herausforderungen auseinandersetzen.
Die Website peranel.com ist bereits online und führt die Marken auf, die zum geplanten Joint Venture gehören. Die endgültige Unternehmensstruktur und der Zeitplan für den Abschluss hängen weiterhin vom Transaktionsverfahren ab. Nestlé zufolge soll dieses in der ersten Hälfte des Jahres 2027 abgeschlossen werden.
Der Skandal bleibt Teil des Hintergrunds
Nestlés Wassergeschäft geht nach einer schädlichen Kontroverse um die Behandlung von Mineralwasser in Frankreich in die Partnerschaft. Ein 2025 von Swissinfo zitierter Bericht warf dem französischen Staat vor, nicht zugelassene Praktiken im Zusammenhang mit Nestlés Wasserbetrieb vertuscht zu haben. Im Zentrum der Kontroverse standen der Einsatz illegaler Behandlungen und Filter bei Mineralwasser.
Nestlés geplante Veräusserung der Sparte erfolgte vor diesem Hintergrund. Das Unternehmen suchte ab 2024 nach einer Möglichkeit, sein direktes Engagement in der Wassersparte zu verringern, bevor es im Juli 2026 Platinum Equity als Partner bekannt gab. Die EU-Genehmigung befasst sich weder mit den Vorwürfen noch klärt sie die umfassenderen regulatorischen und reputationsbezogenen Fragen rund um die Marken.
Diese Fragen bleiben für die Geschäftsführung von Peranel relevant. Mineralwassermarken hängen von Aussagen über Quelle, Reinheit und Behandlung ab, während die Regulierungsbehörden in Europa weiterhin überwachen, wie Unternehmen mit solchen Aussagen umgehen. Konsumentinnen und Konsumenten, Detailhändler und Behörden werden das neue Joint Venture vor dem Hintergrund dieser Vorgeschichte beurteilen.
Die Prüfung der Europäischen Kommission war enger gefasst. Brüssel untersuchte, ob die geplante Eigentumsstruktur den Wettbewerb auf dem EU-Markt beeinträchtigen würde. Die Kommission kam zum Schluss, dass sich die Geschäftstätigkeiten von Nestlé und Platinum Equity weder überschnitten noch vertikal miteinander verbunden waren und deshalb keine solchen Bedenken auslösten.
Nestlé behält eine Beteiligung und setzt Kapital frei
Nestlé bewertet das geplante Joint Venture mit 4,9 Milliarden Euro, was rund 4,5 Milliarden Franken entspricht. Der Schweizer Konzern erwartet, in der ersten Hälfte des Jahres 2027 rund 2,8 Milliarden Franken zu erhalten, wenn die Transaktion voraussichtlich abgeschlossen wird. Die Zahlen zeigen den Investorinnen und Investoren, wie viel Kapital Nestlé aus der Wassersparte freisetzen will.
Für den Konzern aus Vevey bietet der Deal ein neues Eigentumsmodell für ein international tätiges Geschäft, während Nestlé eine Beteiligung von 50 Prozent behält. Platinum Equity wird gleichberechtigter Partner des Joint Ventures und übernimmt eine direkte Rolle beim Betrieb des Portfolios. Die Vereinbarung verschafft Nestlé zudem einen finanziellen Ertrag, ohne dass der Konzern die Marken vollständig aufgibt, die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten vertraut sind.
Henniez ist die deutlichste lokale Verbindung. Die westschweizerische Marke wird neben französischen Namen wie Perrier, Vittel, Contrex und Hépar sowie internationalen Marken wie S.Pellegrino und Buxton geführt. Ihre Entwicklung wird mitbestimmen, ob Peranel ein breites Portfolio mit einheitlichen Standards in den verschiedenen Märkten verbinden kann.
Die EU-Genehmigung ist ein formeller Meilenstein, aber noch nicht die endgültige Übergabe. Nestlés erklärtes Ziel bleibt ein Abschluss in der ersten Hälfte des Jahres 2027. Danach werden die finanzielle Entwicklung des neuen Unternehmens, seine Markenstrategie und sein Umgang mit der regulatorischen Vorgeschichte der Sparte genauer beobachtet werden.