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Swiss Observer

Im alpinen Megabunker: Ein Tresor wie aus einem Spionagefilm für Superreiche entsteht

Unter dem Brünigpass im Kanton Obwalden entsteht ein riesiger Hochsicherheitskomplex mit unterirdischen Tresoren. Er soll den Vermögenswerten der reichsten Menschen der Welt ein beispielloses Schutzniveau gegen jede erdenkliche Bedrohung bieten.

Im alpinen Megabunker: Ein Tresor wie aus einem Spionagefilm für Superreiche entsteht
AIThe Local Switzerland

Nun liegen 100 Meter massiver Granit zwischen den wertvollsten Vermögenswerten der Welt und einer chaotischen globalen Lage. Unter dem Brünigpass im Kanton Obwalden stellen Ingenieure ein Projekt fertig, das eher an eine Kulisse aus einem James-Bond-Film als an eine traditionelle Bank erinnert. Der Brünig Mega Safe ist nicht einfach eine Lagerstätte, sondern eine unterirdische Festung, die selbst das Undenkbare überstehen soll. Während die Welt mit zunehmender Instabilität ringt, baut die Schweiz ihren Ruf als ultimativer sicherer Hafen des Planeten weiter aus. Die Bauarbeiten sind weit fortgeschritten, gewaltige Tunnel ziehen sich in der Nähe von Lungern tief in den Berg. Hier geht es nicht nur um Goldbarren: Die Anlage soll alles beherbergen, von unbezahlbaren Kunstwerken und Oldtimern bis hin zu Weinsammlungen aus älteren Jahrgängen. Das hier versprochene Schutzniveau ist beispiellos und kann es mit den Sicherheitsvorkehrungen der Schweizerischen Nationalbank aufnehmen. Der Zugang wird streng kontrolliert. Besucherinnen und Besucher müssen an mehreren nicht näher bekannt gegebenen Kontrollpunkten ihre Fahrzeuge verlassen und sich strengen Kontrollen unterziehen. Wenn die Anlage nächstes Jahr eröffnet wird, wird sie den Höhepunkt privater Sicherheitstechnik darstellen und das Felsfundament der Alpen in einen undurchdringlichen Schutzschild für Superreiche verwandeln.

Vermögen sichern ab einer Million Franken

Eine Million Schweizer Franken ist der Mindestbetrag für den Zugang zu diesem exklusiven unterirdischen Club. Anders als bei herkömmlichen Bankschliessfächern funktioniert der Brünig Mega Safe nach einem revolutionären Eigentumsmodell. Jeder der zunächst 20 Tresore wird für 99 Jahre im Baurecht abgegeben. Die Käuferinnen und Käufer erhalten dabei eine bestimmte Parzellennummer im offiziellen Grundbuch. So können Superreiche ihr Vermögen nicht nur lagern, sondern ihre Höhle im Berg auch als Immobilie behandeln, die verpfändet oder übertragen werden kann. Trotz des atemberaubenden Preises steigt die Nachfrage stark an. Thomas Gasser, der Unternehmer hinter dem Projekt, bestätigt, dass bereits mehrere vermögende Personen unterschrieben haben. Der Wechsel vom «Mieten» zum «Besitzen» von Sicherheit markiert eine bedeutende Entwicklung im Schweizer Privatbank- und Lagersektor. In einer Zeit, in der digitale Vermögenswerte verschwinden und Währungen schwanken können, bietet die greifbare Beständigkeit eines in den Fels gehauenen Tresors einen psychologischen und finanziellen Halt, den nur wenige andere Anlagen bieten. Das Projekt richtet sich an eine globale Elite, die traditionellen Institutionen den Schutz ihres materiellen Erbes nicht mehr anvertraut. Für diese Menschen ist eine Million Franken als Einstiegspreis ein kleiner Aufpreis für absolute Sorgenfreiheit.

Globalen Turbulenzen mit Granitwänden trotzen

Die globale Instabilität ist der wichtigste Motor für das exponentielle Wachstum des Schweizer Bunkermarkts. Während Dubai und Singapur einst als Massstab für den Schutz von Vermögenswerten galten, suchen Wohlhabende angesichts der veränderten geopolitischen Lage nach traditionelleren neutralen Zufluchtsorten. Die lange Geschichte der Schweiz in Sachen Diskretion und ihre buchstäblichen Bergfestungen bieten das passende Gegenmittel zu den Ängsten der Gegenwart. «Die Menschen wollen einfach einen Teil ihres Vermögens in Sicherheit bringen», sagt Thomas Gasser und weist darauf hin, dass das Sicherheitsgefühl in einst sicheren Orten infrage gestellt wird. Das Projekt nutzt ein besonderes Schweizer Fachwissen: die Umwandlung militärischer unterirdischer Anlagen in luxuriöse zivile Einrichtungen. Seit dem Kalten Krieg setzt die Schweiz den «Goldstandard» für den Bunkerbau, und das Brünig-Projekt hebt ihn auf ein neues Niveau der Raffinesse. Mit zunehmenden internationalen Spannungen und beispiellosem Druck auf die Wirtschaftssysteme hat sich der Ansturm auf die Alpen verstärkt. Der Megabunker begegnet der Unbeständigkeit der modernen Welt mit einer Rückkehr zur grundlegendsten Form der Sicherheit: Wertgegenstände tief im Berg zu verstecken, wo sie keine Drohne, kein Cyberangriff und keine sozialen Unruhen erreichen können.

Lungerns Tal spaltet sich

Das ruhige Dorf Lungern liegt nun an der Schnittstelle von extremem Reichtum und traditionellem Alpenleben, und die Reaktionen vor Ort gehen stark auseinander. Während sich einige Einwohnerinnen und Einwohner darauf freuen, Ferraris und Lamborghinis über ihre Passstrassen fahren zu sehen, begegnen andere dem Projekt mit grosser Skepsis. «Sie bauen etwas für Leute, die ohnehin schon genug Geld haben», sagte ein Einheimischer und verwies damit auf die zunehmende Spannung zwischen den superreichen «Nachbarn» und der Gemeinde, in der sie sich niederlassen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen für den Kanton Obwalden sind jedoch nicht zu übersehen. Der Bau ist eine gewaltige ingenieurtechnische Leistung, die Investitionen in die Region bringt. Die langfristige Präsenz der reichsten Menschen der Welt könnte der lokalen Wirtschaft einen besonderen, wenn auch diskreten, Impuls geben. Das Projekt steht für einen breiteren Schweizer Trend, bei dem stillgelegte militärische Infrastruktur für das digitale Zeitalter umgenutzt wird, etwa als Rechenzentren oder luxuriöse Weinkeller. Während sich der Brünig Mega Safe seiner feierlichen Eröffnung im nächsten Jahr nähert, erinnert er eindrücklich an die doppelte Identität der Schweiz: eine friedliche, ländliche Landschaft an der Oberfläche und eine hochtechnologische, undurchdringliche Festung unter den Füssen ihrer Bewohnerinnen und Bewohner. Der Berg ist nicht mehr nur ein Wahrzeichen, sondern ein globaler Tresor.