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Swiss Observer

KI beeinträchtigt die Berufsaussichten junger Menschen, warnt die ILO mit Sitz in Genf

Ein neuer Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Genf hält fest, dass künstliche Intelligenz es jungen Menschen erschwert, ihre erste Stelle zu finden. Die ILO warnt, dass traditionelle Einstiegsstellen in der Administration, im Verkauf und in der Fertigung durch die Automatisierung rasch verändert werden.

KI beeinträchtigt die Berufsaussichten junger Menschen, warnt die ILO mit Sitz in Genf
AISWI swissinfo.ch

Künstliche Intelligenz ist keine Bedrohung aus der Zukunft mehr, sondern ein Hindernis der Gegenwart. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) mit Sitz in Genf warnt, dass generative KI den Einstieg ins Berufsleben für Millionen junge Erwachsene grundlegend verändert. Traditionelle «Sprungbrettstellen», etwa in der Administration, im Verkauf und in der einfachen Fertigung, werden in beispiellosem Tempo von der Automatisierung verdrängt. Dieser digitale Wandel schafft ein Paradox: Während die Technologie die Effizienz steigert, untergräbt sie gleichzeitig genau jene Einstiegsmöglichkeiten, die die globale Mittelschicht über Jahrzehnte getragen haben. Die ILO weist darauf hin, dass geopolitische Spannungen und eine zurückhaltende Einstellungspolitik die Krise verschärfen. Die nächste Generation von Arbeitskräften muss sich so in einer Arbeitswelt zurechtfinden, in der die untersten Sprossen der Karriereleiter schlicht verschwinden. Es handelt sich nicht um einen allmählichen Wandel, sondern um eine tiefgreifende Umwälzung, die sich in Echtzeit vollzieht.

Alarmierende 67 Millionen: Die menschlichen Kosten der Automatisierung

Die Zahlen sind alarmierend und erfordern sofortige Aufmerksamkeit. Weltweit sind 67 Millionen junge Menschen arbeitslos. Die globale Arbeitslosenquote unter Jugendlichen stieg von 12,3 Prozent im Jahr 2023 auf 12,4 Prozent bis 2025. In Europa ist die Lage noch kritischer: Bei den 15- bis 24-Jährigen erreichte die Arbeitslosenquote dramatische 15 Prozent. Das sind nicht einfach nur Statistiken. Sie stehen für eine Generation, der dauerhafte wirtschaftliche Nachteile drohen. Die stärksten Anstiege werden in Nordafrika, Nordamerika und Europa verzeichnet. Das zeigt, dass auch entwickelte Volkswirtschaften vor den Schwankungen der KI-Revolution nicht gefeit sind. Während die Fertigung und technische Berufe einst Sicherheit boten, stehen sie heute vor einer Realität, in der menschliche Arbeitskraft mit algorithmischer Präzision konkurrieren muss. Die Daten der ILO verdeutlichen eine wachsende Kluft: zwischen jenen, die sich in der KI-Welt zurechtfinden, und jenen, die von ihr abgehängt werden.

Anpassen oder untergehen: Das Wettrüsten um neue Kompetenzen

Menschliches Urteilsvermögen ist im Zeitalter der Automatisierung zur besonders wertvollen Ressource geworden. Während traditionelle Stellen verschwinden, verzeichnet die ILO eine stark steigende Nachfrage nach wissensintensiven technischen Berufen, darunter in den Bereichen Ingenieurwesen, Gesundheitswesen und Informationstechnologie. Die Einstiegshürde hat sich jedoch verschoben. Ein Abschluss allein reicht nicht mehr. Junge Stellensuchende müssen nun auch in der Lage sein, KI-Ergebnisse zu überwachen und die Feinheiten der digitalen Ethik zu verstehen. Die ILO fordert dringend massive Investitionen in hochwertige Berufsbildung und lebenslanges Lernen. Die Botschaft ist klar: Die Bildungssysteme von gestern werden den Arbeitskräften von morgen nicht gerecht. Unternehmen suchen nicht mehr einfach Mitarbeitende, sondern Fachkräfte mit KI-Kenntnissen, die die Lücke zwischen maschineller Effizienz und menschlicher Strategie überbrücken können. Dieser Wandel erfordert eine grundlegende Neubeurteilung dessen, was als Einstiegsqualifikation gilt.

Schweizer Widerstandskraft: Orientierung an der algorithmischen Grenze

Die Schweiz steht im Zentrum dieses globalen Wandels und nutzt ihre Stellung als Innovationsstandort, um die Zukunft der Arbeit neu zu gestalten. Die Warnungen der ILO gelten zwar weltweit, doch für den Schweizer Arbeitsmarkt sind die Auswirkungen besonders ausgeprägt. Erfahrung mit KI wird für Schweizer Unternehmen, die Mitarbeitende einstellen, rasch zu einer unverzichtbaren Kompetenz und beeinflusst alles, von der Rekrutierung bis zur langfristigen Karriereplanung. Das Schweizer Modell der Berufslehre und der hervorragenden Berufsbildung steht vor seiner bisher grössten Bewährungsprobe: Generative KI muss in den Lehrplan aufgenommen werden, bevor der Markt dem Klassenzimmer davoneilt. Während Organisationen mit Sitz in Genf wie die ILO Alarm schlagen, hat die Schweiz die Möglichkeit, mit gutem Beispiel voranzugehen und zu beweisen, dass menschenzentriertes Urteilsvermögen weiterhin der entscheidende Wettbewerbsvorteil ist. Die Zukunft gehört jenen, die die Maschine nutzen können, ohne von ihr ersetzt zu werden. Für junge Berufstätige in der Schweiz ist die Herausforderung klar: den Algorithmus beherrschen oder von ihm gesteuert werden.